Die Gaspreise sind in den vergangenen Monaten steil nach oben gegangen.

Die Gaspreise sind in den vergangenen Monaten steil nach oben gegangen.

Bild: © Andreas Baumer

Das Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft hat in einer Fallstudienanalyse untersucht, wie stark Stadtwerke auf Einnahmen aus dem Erdgasgeschäft angewiesen sind. Die Autorinnen haben dazu Geschäftsberichte der Stadtwerke Leipzig, Stadtwerke Erdgas Plauen, Stadtwerke Troisdorf und Stadtwerke Frankfurt am Main analysiert. Das alarmierende Ergebnis: Die stark gestiegenen Erdgaspreise werden nach Überzeugung der Wissenschaftlerinnen kurzfristig wahrscheinlich zu deutlichen Verlusten bei den Stadtwerken führen. Mittelfristig werden die Gewinne bei einem Ausstieg aus der Nutzung von Erdgas zur Einhaltung der Klimaziele weiter abnehmen und bis spätestens 2045 vollständig versiegen, heißt es in der Analyse weiter.

Dieser Rückgang der Gewinne aus der Erdgassparte könnte die Finanzierung der verschiedenen Aufgabenfelder der kommunalen Daseinsvorsorgenach Überzeugung der Autorinnen ernsthaftgefährden. Die tatsächlichen Auswirkungen hängen demnach allerdings stark von der künftigen Ausrichtung der Stadtwerke und der Weiterentwicklung der kommunalen Querverbunde ab.

Florian Zerzawy, Leiter Energie- und Agrarpolitik, erläutert, dass bei den betrachteten Stadtwerken die Gewinne der Erdgassparte meist etwa 25 Prozent der Gesamtgewinne des Unternehmens ausmachen. „Gehen sie zurück, kann das die Finanzierung der kommunalen Daseinsvorsorge gefährden. Bereits heute gibt es Beispiele, die zeigen, dass die Gewinne nicht ausreichen, um die Verluste aus anderen Bereichen, wie dem ÖPNV, ausgleichen zu können.“

Zusätzliche Erlöse ermöglichen

Die sinkenden Gewinne der Erdgasspartekönnten bei einigen Stadtwerken zum Teil über zusätzliche Erlöse durch den Verkauf von Fernwärme und erneuerbarer Wärme abgefedert werden. Um die Wärmeversorgung und Gewinnstrukturen umstellen zu können, seien aber häufig hohe Investitionen notwendig. Die Wissenschaftlerinnen empfehlen den kommunalen Unternehmen, neue Geschäftsfelder zu erschließen, um die abnehmenden Gewinne der etablierten Geschäftsfelder auszugleichen.

Isabel Schrems, wissenschaftliche Referentin und Hauptautorin der Studie, betont: „Die Stadtwerke und die Politik müssen sich mit den mittelfristig abnehmenden Erlösen aus dem Erdgasgeschäft auseinandersetzen. Ansonsten besteht die Gefahr, dass die finanzielle Abhängigkeit vom Erdgasgeschäft zu Interessenskonflikten in der kommunalen Wärmeplanung führt. Das könnte den notwendigen Ausstieg aus der Nutzung von Erdgas hinauszögern. Um dies zu verhindern, braucht es frühzeitig eine alternative Perspektive zur Co-Finanzierung der kommunalen Daseinsvorsorge.“

Der Investitionsspielraum der Stadtwerke sei jedoch wiederum stark abhängig von der finanziellen Situation der jeweiligen Kommune. Die Kommune könne die Stadtwerke mittels Gewinnausschüttungsverzicht oder Eigenkapitalzufuhr unterstützen. (amo)

 

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