Die Stadtwerke Arnsberg werden das Geschäftsjahr 2018 wohl mit einem negativen Ergebnis abschließen. Damit sei zu rechnen, sagt der Aufsichtsratsvorsitzende und Arnsberger Bürgermeister Ralf Bittner auf Anfrage der ZfK. Für das Geschäftsjahr 2017 hat der Kommunalversorger eine schwarze Null ausgewiesen. Bereits vor einigen Tagen war bekannt geworden dass das Unternehmen für 2017 und 2018 keine Gewinne an die Stadt abführen wird. Die sukzessive Verschlechterung der Jahresergebnisse seit 2014 hatte in der vergangenen Woche zur Trennung von Geschäftsführer Karlheinz Weißer geführt, beide Seiten hatten sich auf einen Aufhebungsvertrag geeinigt. Damit das Unternehmen ausreichend Zeit für die Suche nach einem Nachfolger hat, wird der Prokurist Wolfgang Schomberg bis voraussichtlich Ende 2019 die Leitung übernehmen.
Erträge aus Projektgeschäft blieben unter den Erwartungen
Der Vertrag mit dem seit 2013 amtierenden Stadtwerkechef Karlheinz Weißer war erst Ende August 2017 bis zum Jahr 2021 verlängert worden. Doch warum musste Weißer trotz dieses Vertrauensvorschusses dann dennoch vorzeitig gehen? "Zu diesem Zeitpunkt prognostizierte Erträge aus dem Projektgeschäft konnten dann allerdings nicht am Markt erzielt werden", erklärt der Aufsichtsratsvorsitzende Bittner. Unter anderem erwiesen sich die Vorlaufzeiten gewisser zukunftsträchtiger Aktivitäten im neu geschaffenen Kompetenzzentrum Campus länger als gedacht.
Als Grund für das rückläufige Jahresergebnis in 2017 führt der Aufsichtsratsvorsitzende unter anderem Investitionen in die Wasserversorgung, lang stabil gehaltene Wasserpreise und sinkende Wasserverbräuche an. Das Jahresergebnis für 2018 werde darüberhinaus noch maßgeblich durch die Sanierungsmaßnahme "Altstadtgarage Arnsberg" beeinflusst. Dort fielen Aufwendungen von knapp einer Mio. Euro an. Zudem werde das Jahresergebnis durch die betriebene Geothermie-Anlage, die Solequelle und das Holzschnitzelkraftwerk negativ beeinflusst.
SW Menden: Autonome Teststrecke auf Kurs
Bemängelt wurde von einem Teil der Arnsberger Kommunalpolitik in letzter Zeit auch eine fehlende Transparenz bei diversen Zukunfts- und Digitalisierungsprojekten der Stadtwerke. Einige dieser Vorhaben werden jetzt auf den Prüfstand gestellt. Die mit den Stadtwerken Menden auf den Weg gebrachte Initiative "Zukunftsmobilität Südwestfalen", die bis 2025 eine Teststrecke für autonomes Fahren zwischen Soest und Iserlohn realisieren will, ist dadurch aber offenbar nicht gefährdet. Die jüngsten personellen Entwicklungen in Arnsberg "betreffen unsere gemeinsamen Vorhaben nicht. Die laufen super", versicherte Bernd Reichelt, Geschäftsführer der Stadtwerke Menden, der Zeitung "Westfalenpost".
Zwar hätten die beiden Stadtwerke das Projekt gemeinsam initiiert, das Netzwerk sei mittlerweile aber "viel größer und stabil", so Reichelt. Die Initiative Zukunftsmobilität gebe weiter Gas. Neben Partnern aus Industrie, Verwaltung und Politik wollen sich unter anderem auch die Fachhochschule Südwestfalen und die Technische Universität einbringen. Die bei den Stadtwerken Arnsberg bisher aufgelaufenen Kosten für dieses Vorhaben bewegen sich laut Bürgermeister Bittner bisher bei 18800 Euro, die Kosten für diverse andere zukunftsorientierte Projekte des sauerländischen Versorgers liegen im laufenden Geschäftsjahrl bei rund 37600 Euro.
Aufsichtsratsvorsitzender kündigt Strategieüberprüfung an
"Die zukünftigen Geschäftsfelder der Stadtwerke Arnsberg wird der Aufsichtsrat zusammen mit der Geschäftsführung in den nächsten Wochen besprechen und festlegen", betont der Aufsichtsratsvorsitzende. Schwerpunkte der bisherigen strategischen Ausrichtung würden geprüft und gegebenenfalls an die Rahmenbedingungen angepasst. "Neben der Fokussierung auf die Kerngeschäftsfelder Wasser, Abwasser, Parkraum, Entwässerung sowie Strom- und Ergasvertrieb sollen auch Mobilität und Digitalisierung Themen der Stadtwerke Arnsberg bleiben", bekräftigt er. (hoe)



