Die Stadtwerke Flensburg bleiben weiter auf Erfolgskurs. Der Kommunalversorger hat im vergangenen Jahr seine Position im bundesweiten Strom- und Gasvertrieb ausgebaut, der Gesamtumsatz des Unternehmens stieg auf 432,6 Mio. Euro (Vorjahr: 416,3 Mio. Euro). Damit setzen die Stadtwerke ihr stetiges Umsatzwachstum fort, in den vergangenen acht Jahren stiegen die Verkaufserlöse um über 100 Mio. Euro. Das operative Ergebnis (Ebit) ging im vergangenen Jahr leicht zurück von 22,9 Mio. Euro 2017 auf nunmehr 19,3 Mio. Euro. Auch der Jahresüberschuss lag mit 7,84 Mio. Euro unter dem Vorjahreswert von 11,34 Mio. Euro – dennoch bewegt sich die operative Performance unterm Strich auf einem sehr soliden Niveau.
"Der Strompreis an der Börse, die Erdgas- und Kohleeinkaufspreise sowie die Kosten für CO2-Zertifikate sind im letzten Jahr gestiegen wie schon lange nicht mehr", heißt es in der Pressemitteilung der Stadtwerke. Im Sonderkundengeschäft sei der Wettbewerb ebenfalls gestiegen, sagt Stadtwerke-Geschäftsführer Maik Render in einem Interview im Geschäftsbericht des Energieversorgers. "Wir erzielen nur noch geringe Margen bei gleichzeitig hohem Risiko aus den hohen Abgabemengen." In diesem Umfeld bekomme eine strukturierte, das Risiko minimierende Beschaffungsstrategie ein immer höheres Gewicht "in unseren Planungen".
Nur 20 Prozent des Stromabsatzes entfallen auf Flensburg
Render zeigte sich stolz über das operative Ergebnis. "Damit haben wir uns in einem schwierigen Marktumfeld sehr gut behauptet." Der Stromabsatz blieb im Geschäftsjahr 2018 mit 1.493 GWh leicht unter dem Vorjahresniveau von 1.530 GWh. Nur knapp 20 Prozent des Stromabsatzes wurden dabei in Flensburg generiert, über 80 Prozent entfielen auf den bundesweiten Vertrieb. Rund 165.000 Haushalte und Gewerbekunden bundesweit erhalten Strom von den Stadtwerken Flensburg. Der Stromabsatz des Unternehmens ist seit 2008 um über 600 GWh gestiegen.
Gut entwickelt hat sich im vergangenen Jahr auch der noch relativ neue, bundesweite Gasvertrieb der Flensburger. Der Gasabsatz hat sich mehr als vervierfacht auf 402 Mio. GWh, die Zahl der Kunden hat sich mehr als verdoppelt auf mittlerweile über 22.000. Im laufenden Jahr erwartet das Unternehmen eine Verdopplung des Gasumsatzes auf rund 32 Mio. Euro. Da Flensburg zu annähernd 100 Prozent mit Fernwärme versorgt wird, wird dort kein Gas angeboten. Der Gasumsatz entfällt also vollständig auf das bundesweite Geschäft.
Glasfaserausbau kommt voran
Positiv entwickelt hat sich auch der Glasfaserausbau. Flensburg und die Orte Glücksburg und Harrislee sollen innerhalb von zehn Jahren flächendeckend mit Glasfaser versorgt werden, die Stadtwerke investieren hier rund 100 Mio. Euro. Das Glasfasernetz hat mittlerweile eine Länge von rund 1000 km. "Aktuell sind rund zwölf von 41 Ausbaugebieten in Flensburg mit Glasfaser versorgt, angeschlossen oder befinden sich momentan im Bau", erklärt Maik Render. Im vergangenen Jahr wurden in Flensburg 2775 neue Glasfaser-Anschlüsse gelegt.
Eine Großinvestition von rund 200 Mio. Euro steht dem Querverbundunternehmen im Bereich der Kraft-Wärme-Kopplung bevor. Bis 2022 sollen zwei weitere Kohlekessel im Kraftwerk der Stadtwerke durch eine erdgasbetriebene KWK-Anlage ersetzt werden, die Flensburger Ratsversammlung hatte im November vergangenen Jahres hierzu grünes Licht gegeben. Für das laufende Jahr erwartet das Unternehnmen ein Ergebnis vor Steuern leicht unter Vorjahresniveau, für die nächsten Jahre wird grundsätzlich eine kontinuierliche Ergebnisentwicklung in Aussicht gestellt.
"Kein Umsatzwachstum um jeden Preis"
Beim Umsatz geht man von einem weiteren Wachstum aus, das aber vor allem mit Preiserhöhungen begründet wird. "Grundsätzlich planen wir für die nächsten Jahre mit einem Umsatzwachstum, aber nicht um jeden Preis", erklärt ein Stadtwerke-Sprecher auf ZfK-Anfrage. Das Unternehmen wolle nur wachsen, wenn es wirtschaftlich passe. Darum sei eine Prognose auf Basis der sich stetig ändernden Rahmenbedingungen schwierig. (hoe)



