Mit kleinen Summen viel bewegen, denn die Masse an Unterstützern macht es aus. So lautet die Devise beim Crowdfunding.

Mit kleinen Summen viel bewegen, denn die Masse an Unterstützern macht es aus. So lautet die Devise beim Crowdfunding.

Bild: © monropic/AdobeStock

Auf eine enttäuschende Resonanz ist das Crowdfunding-Projekt der Stadtwerke im ostwestfälischen Lübbecke gestoßen. 44 Kunden beteiligten sich an der Finanzierung des Rahdener Gasnetz-Kaufes. Statt der anvisierten 2,5 Mio. Euro – das entspricht der Hälfte des Netz-Kaufpreises– konnten nur 104000 Euro eingesammelt werden, berichtet die Zeitung "Neue Westfälische". Kunden konnten wahlweise Beträge in Höhe von 500, 1000, 1500, 2000 und 2500 Euro als qualifiziertes Nachrangdarlehen zur Verfügung stellen. Der Zinssatz lag bei zwei Prozent, die Laufzeit bei fünf Jahren. Vielleicht sei das Gasnetz Rahden "als Anlage nicht sexy genug gewesen", vielleicht der Zinsgewinn über fünf Jahre zu gering oder die Anlagestaffelung falsch gewählt gewesen, mutmaßt Stadtwerke-Geschäftsführer Markus Hannig jetzt im Gespräch mit der Regionalzeitung. Angemessen beworben habe man das Projekt aber auf jeden Fall.

Fehlender Betrag wird über Bankdarlehen finanziert

Die Stadtwerke Lübbecke werden die Finanzierung des nun fehlenden Betrags vollständig über Banken finanzieren müssen. Zu einem höheren Zinssatz als vor dem Start des Bürgerbeteiligungs-Modells. Allein die Nutzung der Onlineplattform kostet die Stadtwerke in den nächsten fünf Jahren 75000 Euro. Hannig ist dennoch zuversichtlich, dass seinem Unternehmen durch das missglückte Finanzierungsmodell kein Imageschaden entstanden ist. Das übliche Unternehmensbudget sei von dem Pilotprojekt nicht berührt worden, auch das Marketing-, Spenden- und Sponsoringbudget des zu 100 Prozent kommunalen Versorgers werde nicht belastet. Entstanden ist die Idee mit dem Crowdfunding-Projekt im "Arbeitskreis Strategie" des Kommunalversorgers. Dieser ist personell identisch mit dem Aufsichtsgremium.

"Wir wollten den personellen Aufwand gering halten und aufgrund von Vorgaben wie einer Prospektpflicht nicht zu einer Bank werden", erinnert sich Hannig. Im Lübbecker Stadtrat wurden mittlerweile schon Schadenersatzforderungen gegen die Ratsmitglieder laut, die für das Beteiligungsmodell gestimmt hatten. Die Verwaltung hat einen entsprechenden Antrag mittlerweile geprüft und abgelehnt. Stadtwerke-Chef Markus Hannig ist trotz der teilweise erhitzten geführten Diskussion auch künftig offen für weitere Crowdfundingprojekte. (hoe)

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