Dank eines Einsparprogramms in Höhe von knapp fünf Mio. Euro, Hilfen aus dem ÖPNV-Rettungsschirm und Sondereffekten haben die Stadtwerke Münster im vergangenen Jahr ihren Jahresüberschuss auf 11, 3 Mio. Euro (2019: 10,3 Mio. Euro) steigern können. Die Umsatzerlöse lagen bei 526,7 Mio. Euro, sie sind aufgrund einer Ausgliederung des Teilbereichs Versorgungsnetze aber nicht mit den Werten aus dem Jahr 2019 vergleichbar.
Die vertraglich vereinbarte Gewinnausschüttung in Höhe von 6,5 Mio. Euro wurde bereits an die Stadt Münster als Alleineigentümerin des Kommunalversorgers abgeführt. „Das Ergebnis ist uns nicht in den Schoss gefallen, die Gewinnausschüttung soll aber berechenbar bleiben“, betonte der Vorsitzende der Geschäftsführung, Sebastian Jurczyk, bei der Bilanzpressekonferenz.
Stärkung der Gewinnrücklagen
Die restlichen 4,8 Mio. Euro stärken die Gewinnrücklagen, die Eigenkapitalquote kletterte auf 44,9 Prozent. Dies sei eine wichtige „Absprungbasis“ für die in den nächsten Jahren anstehenden Großinvestitionen, so Jurczyk.
Flächendeckender Glasfaserausbau, eine emissionsfreie Busflotte bis 2029, eine klimaneutrale Wärmeversorgung bis 2040 respektive 2050 – die Stadtwerke Münster werden allein in diesem Jahrzehnt rund eine halbe Milliarde Euro in diese „Generationenaufgaben“ investieren.
Hierfür benötige man neben verlässlichen Rahmenbedingungen auch den Rückenwind aus der Stadtgesellschaft, betonten unisono die Geschäftsführer Sebastian Jurczyk und Frank Gäfgen. Bei all diesen Vorhaben sieht man sich auf Kurs.
Stromabsatz ging leicht zurück
Vor allem im ÖPNV und auch beim Stromabsatz hinterließ die Coronapandemie Spuren in der Bilanz des Kommunalversorgers. Die Stromabgabe sank um 4,2 Prozent auf rund 1,27 Mrd. kWh, die Rückgänge entstanden vorwiegend außerhalb des Stammgebietes. Anders fiel die Bilanz beim Ökostromabsatz aus: dieser konnte dank Zuwächsen im Geschäftskundensegment um 62 Prozent auf insgesamt 250,8 Millionen kWh gesteigert werden.
Auch der Erdgasabsatz stieg, wenn auch nur geringfügig, auf 2,03 Mrd. kWh. Aufgrund eines Generatorenschadens in der GuD-Anlage erzeugten die Stadtwerke mit insgesamt 438 Mio. kWh rund 18 Prozent weniger Strom als in 2019, profitierten aber unter anderem auch von einem starken Windjahr. Rund 100 Mio. kWh Ökostrom wurden produziert, dieser Anteil soll bis 2030 auf 380 Mio. kWh steigen.
"PV-Ausbau nimmt Fahrt auf"
„Richtig Fahrt aufgenommen“, hat laut Sebastian Jurcyzk im vergangenen Jahr das Thema Photovoltaik-Dachanlagen in Münster. Hier legte die installierte Leistung von einem MWp auf rund drei MWp zu – das entspricht einem Zuwachs von 25 Prozent. Bis 2030 wollen die Stadtwerke Münster die installierte PV-Leistung von 9,4 MWp auf 116 MWp steigern.
Ab Ende des Jahrzehnts sollen alle Privatkunden mit Ökostrom aus eigenen Anlagen versorgt werden. Um dieses Ziel zu erreichen, setzt das Unternehmen auf Kooperationen mit der städtischen Wohnungswirtschaft und Bürgerbeteiligungsmodelle.
Neues Gaskraftwerk ist kein Thema
In Sachen Wärmewende baut das Unternehmen künftig auf einen regenerativen Erzeugungsmix aus Geo- und Solarthermie, Power-to-Heat und Wärmepumpen. Derzeit werden gemeinsam mit dem Fraunhofer Institut für Energieinfrastrukturen und Geothermie die Potenziale für Erdwärme in Münster untersucht.
Ein neues Gaskraftwerk sei nicht geplant, das bestehende werde ertüchtigt, stellte Jurczyk klar. Mit der Wärmerückgewinnung am Hafen geht im kommenden Jahr ein erstes grünes Wärmeprojekt an den Start.
32 E-Busse sollen bis Ende des Jahres in Münster fahren
Auch die Verkehrswende in Münster wird weiter vorangetrieben. Bis Ende dieses Jahres sollen 32 E-Busse in der Universitätsstadt fahren. „Wir werden unsere Flotte fast verdoppeln, das ist ein Riesenschritt“, verdeutlichte der Geschäftsführer Mobilität, Frank Gäfgen. Auch das On-Demand-Angebot LOOPmünster werde gut angenommen und wurde seit September 2020 von mehr als 120.000 Personen genutzt.
Nachdem die Fahrgastzahlen im vergangenen Jahr coronabedingt um 37 Prozent auf 30,9 Mio. Fahrgäste gesunken sind, hat sich die Situation aktuell wieder etwas aufgehellt. „Die Busse werden wieder voller, wir liegen aktuell bei 70 Prozent der Fahrgäste. Ich bin überrascht, wie schnell die Menschen wieder zur Normalität zurückkehren“, erklärte Gäfgen.
Dennoch erwarte man auch für das laufende Jahr Verluste im ÖPNV von vier Mio. Euro und hoffe, dass diese zu einem größtmöglichen Teil über den ÖPNV-Rettungsschirm ersetzt werden.
Optimismus bei künftiger Fahrgast-Entwicklung
Sollte sich ein nachhaltiges und dauerhaftes Ende der Pandemie abzeichnen, kann sich Gäfgen durchaus vorstellen, bereits 2022 in etwa das Fahrgastniveau von vor der Krise zu erreichen. Für das laufende Jahr rechnet die Geschäftsführung mit einem ähnlich positiven Ergebnis und einer entsprechenden Gewinnausschüttung. Um dies sicherzustellen, wurde bereits ein weiteres Sparprogramm in Höhe von vier Mio. Euro beschlossen. (hoe)



