Die nach wie vor unklaren Auswirkungen des Kohleausstiegs haben den Stadtwerken Osnabrück (SWO) einen Ergebniseinbruch im Geschäftsjahr 2019 beschert. Grund sind laut Geschäftsbericht Rückstellungen in Höhe von rund 15 Mio. Euro für drohende Verluste aus Strombezugsverpflichtungen aus dem Steinkohlekraftwerk der Stadtwerkekooperation Trianel in Lünen. An diesem halten die SWO einen Anteil von 5,28 Prozent.
"Die aktuelle Gesetzgebung, insbesondere im Bereich junger Steinkohlekraftwerke ist nicht so, wie wir uns das vorgestellt hätten", sagte Stadtwerke-Chef Christoph Hüls. Die kommunalen Anteilseigner befürchten bei einer Stilllegung von Lünen ohne vorab klar definierte Entschädigungen wie bei den Braunkohlekraftwerken millionenschwere Abschreibungen.
Strombezugsvertrag mit Lünen bis 2035
Ende dieser Woche will die Regierungskoalition das Gesetzespaket zum Kohleausstieg endgültig verabschieden, doch um die Kompensation und Ausstiegsvoraussetzungen für die Betreiber von Steinkohlekraftwerken wird noch verhandelt. Die Stadtwerke Osnabrück haben einen langfristigen Strombezugsvertrag mit dem Steinkohlekraftwerk Lünen, dieser läuft bis 2035. Die finanziellen Verpflichtungen liegen nach aktuellem Preisstand bei 9,1 Mio. Euro pro Jahr. Die Die Kommanditanteile der SWO an der Trianel Kohlekraftwerk Lünen GmbH & Co. KG sind bereits vor einiger Zeit im Rahmen der Projektfinanzierung an die finanzierenden Banken verpfändet worden.
Solides Betriebsergebnis
Trotz der hohen Ergebnisbelastungen konnte der Kommunalversorger im Geschäftsjahr 2019 ein Betriebsergebnis in Höhe von 5,8 Mio. Euro (Vorjahr: 10,9 Mio. Euro) ausweisen. Rein operativ liege das Betriebsergebnis damit deutlich über dem Niveau von 2018. Dies sei im Wesentlichen durch das günstige Spotmarktumfeld im Gasbereich sowie die positive Entwicklung der Terminmarktgeschäfte im Bereich der Direktvermarktung bedingt.
Der Jahresüberschuss in Höhe von 3,15 Mio. Euro (Vorjahr: rund 8,1 Mio. Euro) lag unterm Strich deutlich unter dem Niveau von 2018. Die Umsatzerlöse legten hingegen auf 454,4 Mio. Euro (Vorjahr: 432,2 Mio. Euro) zu. Von dem Jahresgewinn der SWO wurden drei Mio. an die Stadt Osnabrück überwiesen, der Rest ging in die Gewinnrücklage.
Positiv-Nachrichten gab es indes im Bereich Energiewende, hier wurde eine Nachhaltigkeitsoffensive angekündigt. Seit 2010 haben die Stadtwerke Osnabrück mehr als 70 Mio. Euro in grüne Erzeugungsanlagen, insbesondere in Windkraftanlagen, investiert. Ihr Ziel, alle Osnabrücker Stromkunden künftig mit Ökostrom zu versorgen, haben sie bisher nicht komplett erreicht. Um die noch fehlenden grünen Strommengen sicherzustellen, hat der Kommunalversorger Bezugsverträge mit einer Vielzahl an privaten Anlagenbetreibern aus der Region abgeschlossen. Ab kommendem Jahr sollen dann alle Osnabrücker Privatkunden mit regional erzeugtem Strom beliefert werden. In welchem Umfang geht aus der Pressemitteilung nicht hervor.
"Kein Greenwashing"
Der Gesamtverbrauch aller SWO-Privatkunden beträgt laut dem kommunalen Unternehmen rund 265 Mio. kWh pro Jahr, der Gesamtverbrauch der Osnabrücker Privatkunden circa 165 Mio. kWh pro Jahr. Rund 30 Prozent des benötigten Ökostroms kommt aus eigenen regionalen Grünstromanlagen, rund 70 Prozent werden die Stadtwerke künftig im Rahmen des Regionalstrommodells von anderen Anlagenbetreibern beziehen.
Die privat betriebenen Anlagen sollen gemäß ZfK-Informationen nicht weiter als 50 Kilometer von der niedersächsischen Stadt entfernt sein und im Regionalnachweisregister des Umweltbundesamtes registriert werden. "Wir betreiben keinen Zertifikatehandel und kein Greenwashing – der von uns gelieferte Ökostrom an alle Osnabrücker Privatkunden wird ausnahmslos regional erzeugt", verdeutlichte der Stadtwerke-Vorstandsvorsitzende Christoph Hüls.
"Nachhaltigkeitsoffensive passt zur Gesamtstrategie der Stadt"
Die neue Ausrichtung sei mit keinerlei Kostensteigerungen für die Privatkunden verbunden, so Hüls. In ihrer Jahresbilanz stellten Hüls und sein Vorstandskollege Stephan Rolfes weitere wegweisende Stadtwerke-Aufgaben und -Projekte vor: unter anderem die erfolgreich abgeschlossene Erdgasumstellung, der Start des geförderten Glasfaserausbaus, der Aufbau des Geschäftsfeldes Immobilien, der Baubeginn für das neue Containerterminal und der Start des neuen Busliniennetzes mit künftig komplett elektrisch betriebenen MetroBus-Linien.
Schwieriges Jahr für Mobilitätssparte
"Die diesjährige Aufnahme des neuen Busnetzes mit einem deutlich verbesserten Angebot stand und steht für uns unter keinem guten Stern“, erläuterte Rolfes. Nicht einkalkulierte Kostensteigerungen verbunden mit massiven Einnahmerückgängen machen eine Neuausrichtung des Angebotes erforderlich.
"Für uns wird zudem richtungsweisend sein, welche zukünftigen Auswirkungen und Folgen die Corona-Pandemie für unseren Mobilitätsbereich haben wird", so der Stadtwerke-Mobilitätsvorstand. "Wir registrieren, dass die Menschen ihr eigenes Mobilitätsverhalten viel bewusster überprüfen – und werden daher unsere digitalen, miteinander vernetzten und nachhaltigen Mobilitätsangebote dahingehend weiterentwickeln." (hoe)



