Potsdam ist eine reizvolle Stadt. Im Bild ist das Stadtschloss zu sehen.

Potsdam ist eine reizvolle Stadt. Im Bild ist das Stadtschloss zu sehen.

Bild: © Klaus-Peter-Wolf/pixelio.de

Von Freitag (9.November) auf Samstag jährt sich die Reichspogromnacht zum 80. Mal. Ein extra für diesen Gedenktag gegründetes Bündnis aus diversen antifaschistischen Gruppen in Potsdam möchte zum Wochenende an den gewaltsamen Beginn der systematischen Verfolgung der Juden durch die NS-Diktatur erinnern. Über die geplante Plakataktion herrscht allerdings Uneinigkeit zwischen den Aktivisten und den Stadtwerken.

Das Bündnis hat vor, an zahlreichen Straßenlaternen in Potsdam Erinnerungsplakate anzubringen, um Orte von Opfern und Tätern zu kennzeichnen. Der brandenburgische Versorger, der über seine Tochtergesellschaft Stadtbeleuchtung Potsdam für das Thema zuständig ist, hat den Antrag zur Plakatierung der Beleuchtungsmasten allerdings vorerst abgelehnt. Grund für die Absage sei das gültige Landesrecht, so die Stadtwerke. Demnach dürften Straßenlaternen nur in Ausnahmefällen wie Wahlkampfwerbung plakatiert werden.

Oberbürgermeister schaltet sich ein

Die Antifa lässt diese Begründung allerdings nicht zählen, sie wirft dem kommunalen Unternehmen "geschichtsvergessenes Verhalten" vor und finden die Reaktion "skandalös". Das Bündnis geht in einer Pressemitteilung sogar noch weiter: "Es scheint in diesem stadteigenen Unternehmen weder Anstand noch auch nur ein Fünkchen historischen Sachverstand zu geben. Im nächsten Jahr werden wir die Potsdamer Stadtwerke verstärkt in den Fokus nehmen. Und zwar nicht nur als Ort der Täter, sondern als einer der Profiteure der systematischen Ausbeutung von Menschen durch die Nazis."

Mittlerweile hat der Streit sogar die Stadtverwaltung Potsdam erreicht. Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) äußerte sich in der Sitzung der Stadtverordnetenversammlung am Dienstagabend zu dem Thema: Er werde sich persönlich bei den Stadtwerken dafür einsetzen, dass das Projekt realisiert werden könne.

Plakatständer als Lösung

Wollen die Aktivisten ihre Aktion wie geplant durchziehen, müssten sie bei der Landeshauptstadt einen Antrag auf Sondernutzung stellen, heißt es wiederum von den Stadtwerken. Erteilt die Stadt grünes Licht, würde der Versorger unter Berücksichtigung der technischen Sicherheit (Größe und Gewicht der Plakate) dem Wunsch nachkommen, erklärt Göran Böhm, Leiter Unternehmenskommunikation bei den Stadtwerken. "Wir sind uns bewusst, wie wichtig und wertvoll die Erinnerung an die dunkelsten Stunden der deutschen Geschichte ist. Der gesamte Verbund der Stadtwerke Potsdam steht für Erinnerungskultur, Toleranz und Offenheit in unserer Stadt." Vor diesem Hintergrund kündigte das Unternehmen an, den Initiatoren Plakatständer als Alternative zu den Beleuchtungsmasten zur Verfügung zu stellen. (ls)

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