Julian Wollscheidt ist seit dem Frühjahr 2019 Geschäftsführer der Stadtwerke Völklingen. Als kaufmännischer Leiter war er bereits zuvor maßgeblich an der Neuaufstellung des Kommunalversorgers mitbeteiligt.

Julian Wollscheidt ist seit dem Frühjahr 2019 Geschäftsführer der Stadtwerke Völklingen. Als kaufmännischer Leiter war er bereits zuvor maßgeblich an der Neuaufstellung des Kommunalversorgers mitbeteiligt.

Bild: © Andrew Wakeford/Stadtwerke Völklingen

Die Stadtwerke Völklingen haben auch im vergangenen Jahr ihre positive Ergebnisentwicklung fortgesetzt. Obwohl durch den recht milden Winter der Gas- und Wärmeabsatz zurückgegangen und im Bereich Öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV) in Folge von Corona das Defizit gestiegen ist, hat das Unternehmen das Geschäftsjahr 2020 mit einem Plus von rund 1,3 Millionen Euro abgeschlossen. Das entsprach in etwa dem Ergebnisniveau von 2019.

Rund eine halbe Million Euro aus dem Gewinn wird als Sondertilgungsrate zur Rückzahlung eines Gesellschafterkredits verwendet. Nach dem finanziellen Debakel mit dem Einstieg in die Meeresfischzucht und der Beinahe-Pleite der Stadtwerke in 2015 hatte die Stadt das Unternehmen mit einem Kredit in Höhe von 5,3 Mio. Euro unterstützt. „Diesen Kredit werden wir in fünf Jahren zürückbezahlt haben“, erklärte Geschäftsführer Julian Wollscheidt auf ZfK-Anfrage.

Wollscheidt: "Haben eine sehr schwere Bergetappe geschafft"

Dank einer vor einigen Jahren erfolgten ganzheitlichen, konzernumfassenden Neufinanzierung sei man in der Lage, neben den erforderlichen Zukunftsinvestitionen auch Sondertilgungen zu leisten. Wollscheidt ist seit dem Frühjahr 2019 Geschäftsführer der Stadtwerke Völklingen und hatte zuvor als Kaufmännischer Leiter maßgeblich an der Restrukturierung und finanziellen Neuaufstellung mitgewirkt.

Bereits im vergangenen Jahr habe das Unternehmen 100.000 Euro im Rahmen einer ersten Sondertilgung an die Stadt zurückgezahlt. „Die 500.000 Euro im aktuellen Jahr bestätigen die inzwischen grundsolide wirtschaftliche Basis und die insgesamt positive Entwicklung des Konzerns“, versichert der Geschäftsführer.  „Wir haben eine sehr anstrengende schwere Bergetappe geschafft und sind sicher im Ziel angekommen, wobei ich nicht sagen will, dass wir uns zurücklehnen können.“  Die Herausforderungen im Energiemarkt und beim Klimaschutz blieben extrem groß.

"Gesunder Fremdkapital-Anteil"

Neben dem städtischen Darlehen gebe es natürlich weitere Kredite im Unternehmen und noch immer einen entsprechenden Anteil an Fremdkapital, aber im Vergleich zu früher könne man von einem "gesunden Fremdkapital-Anteil" sprechen. "Wir sind zwar noch lange nicht bei der optimalen Kapitalstruktur angelangt, tun aber weiterhin unser Bestes dafür um es schnellstmöglich zu erreichen".

Als Hauptgründe für die das gute Jahresergebnis nennt Wollscheidt umfangreiche Kostensenkungs- und Optimierungsmaßnahmen. Diesen Kurs verfolge man intern konsequent weiter. Ein Schlüssel für die Effizienzoptimierung sei die Digitalisierung.  

Laut einem Artikel der Saarbrücker Zeitung wurde durch Prozessharmonisierungen und den Einsatz intelligenter Software der Arbeits- und Verwaltungsaufwand reduziert. In kleinerem Umfang wurden dadurch Arbeitsplätze abgebaut, offene Stellen pensionierter Mitarbeiter etwa wurden zum Teil nicht wieder besetzt. Aktuell arbeiten für das Unternehmen etwa 230 Menschen.

Fokus auf Mobilität und energienahe Dienstleistungen

Im laufenden Jahr will der Geschäftsführer neben den klassischen Geschäftsfeldern den Fokus auf energienahen Dienstleistungen, insbesondere als Full-Service, die Beratung, Konzeptionierung und Umsetzung von Ladeinfrastrukturprojekten für das private und gewerbliche Segment legen. „Nicht nur E-Mobilität, sondern Mobilität generell spielt eine wichtige Rolle für uns“, sagt er. Hier habe man auch bereits andere Kommunen in der Region von den eigenen nachhaltigen Projektdienstleistungen überzeugen können – etwas durch Verkauf von Fahrradboxen für E-Bikes.

Daneben sondiere man aktuell den Markt für weitere EE-Projekte jeglicher Art. „Und wir stellen unsere Verkehrsgesellschaft auf elektrische Busse um. Das erfordert Investitionen in Millionenhöhe, wird aber anderseits auch großzügig von Land und Bund gefördert.“  5,1 Millionen Euro fließen in einem ersten Schritt in die Anschaffung von sechs E-Bussen, die bis 2023 angeschafft werden sollen. Das entspricht in etwa einem Fünftel der Flotte. (hoe)

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