Das Kundenzentrum der Energieversorgung Ottobrunn (EVO) südlich von München.

Das Kundenzentrum der Energieversorgung Ottobrunn (EVO) südlich von München.

Bild: © EVO

Die SWM Infrastruktur verschickt derzeit Schreiben an Kunden der Energieversorgung Ottobrunn (EVO), die über das Aufkaufen dieses Unternehmens im südlichen Speckgürtel der Landeshauptstadt durch die Stadtwerke München und dessen Implikationen zum 1. Januar informieren. Die Stromverbraucher werden auch darüber informiert,

  • dass das Stromverteilnetz der 20.000-Einwohner-Gemeinde Ottobrunn zum Jahreswechsel auf die SWM Infrastruktur GmbH übergeht,
  • dass der EVO-Verkäufer Stadtwerke Schwäbisch Hall in diesem Kontext im November die Zähler ablesen und eventuelle Einspeisevergütungen für 2018 noch abrechnen und auszahlen wird,
  • dass diese Aufgabe auf die SWM Infrastruktur übergeht
  • und dass sich sonst, vor allem im Lieferantenvertrag, angeblich nichts ändert.

"Sie werden erfahren, welcher SWM-Tarif es sein wird"

Ein solches Kundenanschreiben liegt der ZfK vor. In einer Antwort auf einen Verbraucher heißt es zudem: "Der EVO-Liefervertrag bleibt derzeit noch normal bestehen. Wenn die Übernahme komplett vollzogen ist, werden Sie von den SWM angeschrieben und darüber informiert, welcher Tarif es bei den SWM sein wird und auch die Konditionen dazu." Plus der obligate Verweis auf das Sonderkündigungsrecht.

Übernahmen kleiner Unternehmen durch große werfen stets die Frage auf, wie der Übernehmer mit dem Übernommenen strategisch umgehen soll. Bei Kommunalunternehmen gilt dieser Spagat zwischen Betriebswirtschaft, Konzernreporting und Fachkompetenz auf der einen Seite und Fingerspitzengefühl mit der Verwurzelung und Unternehmenskultur am Ort auf der anderen Seite erst recht. Welchen Ansatz fahren da die SWM mit der EVO? Allgemein antworten die SWM der ZfK: "Die EVO bleibt bestehen. Die Gestaltung der zukünftigen Entwicklung ist Aufgabe des jetzt gestarteten Prozesses und steht derzeit noch nicht fest."

Produktentwicklung wird zentralisiert

Vertrieb und Kundenservice: Auf Nachfrage hieß es bei den SWM, man sei gerade dabei, mit der EVO "gemeinsam" die "(Geschäfts-)Prozesse neu aufzustellen". Die "Tariflandschaft bleibt für Bestandskunden zunächst bestehen". Hieße im Umkehrschluss: Neukunden aus Ottobrunn bekämen vom 2. Januar an nur noch SWM-Tarife, keine EVO-Tarife mehr. Auf weitere Nachfrage schoben die SWM aber nach: "Vertrieb und Kundenservice verbleiben zunächst bei der EVO." Das kann viel heißen, etwa, dass für eine Weile noch Mitarbeiter im EVO-Kundenzentrum SWM-Tarife verkaufen. Die Antwort an den Kunden deutet aber darauf hin, dass es über kurz oder lang nur noch SWM-Tarife in Ottobrunn geben soll und dass die EVO mit der Produktentwicklung nichts mehr zu tun haben wird.

Alle auf der Gehaltsliste der SWM

Personal: Die SWM bieten allen zehn Mitarbeitern "gleichwertige Arbeitsverträge" an. Als Geschäftsführer ist jetzt schon Stefan Dworschak eingetragen. Er steht hauptamtlich auf der Gehaltsliste und ist auch Geschäftsführer der gemeinsamen Gasnetztochter mit den Stadtwerken Olching im Nordwesten. Auch die vorherige Mutter Stadtwerke Schwäbisch Hall hatte den EVO-Chef gestellt.

Fernwärmenetz bleibt

Netzbetrieb: Bei Gas war er schon immer bei den SWM Infrastruktur Region. Zum Jahreswechsel geht er auch bei Strom über. Noch kümmern sich die Stadtwerke Schwäbisch Hall ums Stromnetz. "Das Fernwärmenetz bleibt bei der EVO", schreiben die Stadtwerke der ZfK. (geo)

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