Der explosionsartige Anstieg der Einkaufspreise für Strom und Gas bringt die Technischen Werke Naumburg (TWN) in finanzielle Bedrängnis. Das Tochterunternehmen der städtischen Kurbetriebsgesellschaft Naumburg/Bad Kösen (Kubi) wird für 2021 erstmals ein negatives Betriebsergebnis ausweisen. Dies geht aus einem Bericht des "Naumburger Tageblatts" hervor.
Eine Sprecherin des kommunalen Unternehmens bestätigte den Sachverhalt gegenüber der ZfK. Demnach müsste den Verlust zunächst einmal die Kubi als Mutterbetrieb ausgleichen. Jedoch erwirtschaftete die Gesellschaft selbst ein Jahresdefizit von 1,2 Mio. Euro. Deshalb wird nun diskutiert, ob die Stadt Naumburg an der Saale (Sachsen-Anhalt) einspringt.
Keine Rücklagen vorhanden
Zwischen der Kurbetriebsgesellschaft Naumburg / Bad Kösen und der TWN besteht seit 2016 ein Ergebnisabführungsvertrag (EAV). Dieser sieht die Abführung eines Gewinnes der TWN vor, aber auch eine Übernahme von Verlusten durch die Kurbetriebsgesellschaft, einer hundertprozentigen Tochter der Stadt Naumburg, wie die TWN mitteilen.
Wegen des EAV bilden die TWN nach eigener Aussage jedoch keine Rücklagen. TWN-Geschäftsführer Detlef Apel sprach von einem "nicht zweistelligen" Millionenbetrag, den es auszugleichen gelte.
Verzehnfachte Preise
Noch im alten Jahr wurden daher kurzfristig sowohl die Gesellschafter als auch der Aufsichtsrat der TWN einberufen. Zudem kam der Ältestenrat des Gemeinderates zusammen. Der Rat soll am 19. Januar darüber entscheiden, ob und wie die Stadt in die Pflicht genommen wird.
Laut den TWN-Geschäftsführern Ulrich Klose und Detlef Apel stammen die Verluste hauptsächlich aus langfristig mit Großkunden abgeschlossenen Lieferverträgen. Für diese hat der Versorger Strom- beziehungsweise Gasmengen nachgekauft. In der Spitze hätten sich die Preise hier verzehnfacht.
Kunden in der Ersatzversorgung
Hinzu kämen etliche Kunden, die durch die Insolvenz ihrer Anbieter in die Ersatz- bzw. Grundversorgung fallen, welche die TWN als Netzbetreiber leisten müsse. Für diese könne kaum kalkuliert werden. "Wir wissen nicht, wie lange sie bei uns bleiben - und haben im Umkehrschluss vielleicht teuer eingekauft", so Apel.
Für die kommenden Jahre erwartet Apel wieder positive Ergebnisse. Wegen der Energiepreisentwicklung seien jedoch Tarifanpassungen unumgänglich. Die letzte Erhöhung hatte der Versorger laut dem Bericht der Lokalzeitung zu Beginn dieses Jahres vorgenommen.
Weitere Versorger beteiligt
Laut dem Aufsichtsratsvorsitzenden und Oberbürgermeister der Stadt Naumnburg Armin Müller (CDU) gebe es keine Verfehlungen seitens der Geschäftsführung. "Ich sehe im Moment nichts, was der Geschäftsführung vorzuwerfen ist", sagte Müller.
Neben der Kurbetriebsgesellschaft (51 Prozent) sind auch die enviaM (47 Prozent) und die Stadtwerke Aachen (2 Prozent) an dem kommunalen Versorger beteiligt. Das Unternehmen existiert seit 1992. (jk)



