Vor dem Hintergrund enormer Preisschwankungen und historischer Preisanstiege haben europäische Stromhändler im vergangenen Jahr ihre Aktivitäten teils drastisch zurückgefahren.
Dies untermauern frische Zahlen von Europas führender Energiebörse EEX und der Londoner Vereinigung für Energiebroker (Leba), die monatliche Daten zum außerbörslichen Terminmarkt veröffentlicht.
Kurzfristbörse meldet nur leichten Rückgang
Auf den europäischen Stromterminmärkten der EEX brachen die Handelsvolumina im Vorjahresvergleich um 27 Prozent ein.
Die Kurzfristbörse Epex Spot verzeichnete dagegen ein Minus von lediglich zwei Prozent. Dabei fiel das Day-Ahead-Handelsvolumen um fünf Prozent, wohingegen das Intraday-Volumen um neun Prozent stieg.
Minus 27 Prozent auf deutschem EEX-Terminmarkt
Auch auf dem deutschen EEX-Börsenplatz waren die gehandelten Strommengen stark rückläufig. Wurden 2021 noch Termingeschäfte im Volumen von insgesamt rund 3100 TWh abgeschlossen, waren es im darauffolgenden Jahr weniger als 2300 TWh. Das entspricht einem Minus von 27 Prozent.
Die EEX führte die Zurückhaltung bei den Handelsteilnehmern in einer Presseaussendung auf "außerordentlich hohe Preise" sowie "dadurch gestiegene Anforderungen an die zu hinterlegenden Sicherheitsleistungen" zurück.
Einbruch auf außerbörslichen Strommärkten
Tatsächlich kam selbst so mancher bewährter Versorger wie die Wien Energie oder die Leipziger Stadtwerke vor allem Ende August infolge einer schwindelerregender Strompreisrallye mit Spitzen von mehr als 1000 Euro pro MWh in Liquiditätsnöte und musste sich kurzerhand frisches Geld von der öffentlichen Hand besorgen.
Noch stärker schlug die Energiekrise auf den außerbörslichen Stromterminmarkt durch, wie aus frischen Leba-Zahlen hervorgeht. Demnach ging das Handelsvolumen auf den untersuchten europäischen Handelsplätzen um 47 Prozent zurück. Statt rund 6100 TWh (2021) wurden im vergangenen Jahr etwa 3300 TWh gehandelt. Auf dem deutschen Strommarkt sank die gehandelte Menge sogar um 52 Prozent oder von rund 4300 auf 2100 TWh.
Kontrahentenrisiko auf OTC-Märkten
Einer der großen Nachteile außerbörslicher Termingeschäfte ist das Kontrahentenrisiko. Gemeint ist die Gefahr, dass der Vertragspartner seinen Verpflichtungen nicht oder nur teilweise nachkommt und geplante Mengen entsprechend zu neuen Preisen anderweitig ver- oder eingekauft werden müssen. An der Börse garantiert dagegen üblicherweise ein Clearinghaus Lieferung und Zahlung von Handelsprodukten für den Fall, dass die Gegenpartei ihre Verpflichtungen nicht erfüllen kann. (aba)



