Oliver Runte ist seit 2017 Geschäftsführer der Stadtwerkekooperation Trianel. Er verantwortet unter anderem die Bereiche Handel und Portfolio- und Energiedatenmanagement.

Oliver Runte ist seit 2017 Geschäftsführer der Stadtwerkekooperation Trianel. Er verantwortet unter anderem die Bereiche Handel und Portfolio- und Energiedatenmanagement.

Bild: © Trianel

Von Hans-Peter Hoeren

Am Energie-Terminmarkt besteht derzeit noch eine gewisse Resthoffnung, dass im Handelsstreit zwischen den USA und dem Gros der anderen Staaten eine "gewisse ökonomische Vernunft" einkehren wird, sagt Oliver Runte, Geschäftsführer bei der Stadtwerkekooperation Trianel und in dieser Funktion auch verantwortlich für das Handelsgeschäft und das Portfoliomanagement. Insgesamt ließen sich aus den aktuellen Terminkontrakten für Strom und Gas aber nur begrenzt Rückschlüsse auf die Markterwartungen ziehen.

Beim Gas zeige sich weiterhin eine sogenannte Backwardation: Die Preise für kurzfristige Lieferungen seien höher als für langfristige. "Das deutet darauf hin, dass der Markt in den nächsten Jahren eher mit einer angespannten Versorgungslage rechnet – ab etwa 2027 erwartet man dann eine entspanntere Situation", so Runte weiter.

Aufgrund der Backwardation seien Rezessionsängste in den Terminkurven noch nicht eingepreist. Es bestehe also grundsätzlich weiter Abwärtspotenzial, sollte sich der Handelskonflikt nicht beruhigen und die Weltwirtschaft nachhaltig belasten. "Wir stehen unter Umständen also noch am Anfang der Auswirkungen des Konfliktes", stellt der Trianel-Geschäftsführer klar.  
 

"Von großen Auswirkungen des Handelskrieges auf die Gas-Terminkurve ist noch nicht viel zu sehen."

Die Gaspreise für die kommenden Monate hätten sich erst vor Kurzem wieder etwas stabilisiert. Nach den starken Turbulenzen vor drei Monaten sei der Markt zunächst damit beschäftigt gewesen, überhaupt wieder normale Preisunterschiede zwischen Sommer und Winter einzupreisen. "Somit ist von großen Auswirkungen des Handelskrieges auf die Gas-Terminkurve noch nicht viel zu sehen." Hierfür müsste die Terminkurve, so wie zu Covid-Zeiten, in einen Contango umschalten. Ein Contango ist ein Preisaufschlag. Hierbei liegt der Preis eines Terminkontrakts über dem für kurzfristige Lieferungen. Hierfür müsste laut Runte aber der Preis von Gas noch einmal deutlich fallen.

Aktuell liegt die über 30 Tage annualisierte Volatilität am Gasmarkt bei etwa 50 Prozent. Zum Vergleich: Während der Corona-Krise habe sie zeitweise über 150 Prozent, und auf dem Höhepunkt der Gaskrise sogar knapp 300 Prozent erreicht. "Das zeigt, wie stark die Schwankungen noch zunehmen können – insbesondere, wenn sich der aktuelle Handelskonflikt nicht bald entschärft."

"China bezieht seit Beginn des Zollkonflikts kein Flüssiggas mehr aus den USA."

Aktuell habe sich der Markt nach den jüngsten Turbulenzen rund um Trumps Zollpolitik etwas beruhigt. Den Beschaffungsverantwortlichen von Stadtwerken rät Runte deshalb eher dazu, "kurzfristig zu beschaffen und auf Sicht zu fahren." Die Situation könne sich jederzeit ändern.

Die Zollpolitik des US-Präsidenten und die Handelskonflikte haben laut Runte zu einem Rückgang der globalen Nachfrage nach Rohstoffen wie Öl geführt. Dies habe die Preise sinken lassen. Die Auswirkungen seien für Verbraucher spürbar gewesen: Heizöl, Benzin und Diesel wurden günstiger, und auch die Preise für Gas und Strom reagierten mit Verzögerung.

Sowohl die CO₂-Zertifikate als auch der Gaspreis am niederländischen Handelspunkt TTF hätten die Entwicklungen an den Finanzmärkten leicht zeitverzögert gespiegelt – allerdings aus unterschiedlichen Gründen. Im Fall der CO₂-Zertifikate lasse sich dies durch die Erwartung der Marktteilnehmer erklären, dass eine konjunkturelle Abschwächung die Nachfrage nach Emissionsrechten verringern könnte. Beim TTF-Gaspreis sei die Entwicklung darauf zurückzuführen, dass China seit Beginn des Zollkonflikts kein Flüssiggas (LNG) mehr aus den USA bezieht. Die dadurch frei werdenden Mengen erhöhten das Angebot am Spotmarkt.

"Strompreise reagieren auf Pegelstände, Gaspreise auf globale Nachfrageverschiebungen und Transportketten."

Im Zuge der Handelskonflikte, aber auch durch die zunehmende Enttäuschung über die nicht enden wollenden geopolitischen Spannungen – vor allem im Ukraine-Krieg – habe sich der Markt neu positioniert. Sei der Beginn der Amtszeit des US-Präsidenten noch mit wirtschaftlichem Rückenwind einhergegangen, sei der Markt heute durch Unsicherheit, Fragmentierung und geopolitische Risiken geprägt.

"Witterungsfaktoren in Asien oder Schwankungen bei Wasserständen in Europa tun ihr Übriges: Strompreise reagieren auf Pegelstände, während Gaspreise zunehmend auf globale Nachfrageverschiebungen und Transportketten reagieren", erklärt Runte.

"Eine weitere Flexibilisierung der Füllstandsvorgaben für Gasspeicher kann zu einer Stabilisierung des Gaspreises auf niedrigem Niveau führen."

Aber auch die Frage, wie es mit den Gas-Füllvorgaben in Europa weitergehe, habe die Märkte beschäftigt. "Das Gasspeichergesetz, das ursprünglich eingeführt wurde, um die Versorgungssicherheit in Deutschland zu gewährleisten, hat zu einem negativen Sommer-Winter-Spread geführt. Das bedeutet, dass Gas im Sommer teurer ist als im Winter." Trading Hub Europe (THE) habe in diesem Jahr in Aussicht gestellt, diesen Spread ausgleichen zu wollen, worauf der Markt mit einer kurzzeitigen Verdoppelung eben dieses Spreads reagiert hat.

Die Berichterstatter des EU-Parlaments zur Gasspeicher-Richtlinie hätten sich derweil auf die Höhe der zusätzlichen Lockerungen des Gasspeicherziels geeinigt. Es gelte als zunehmend wahrscheinlich, dass an dem bisherigen Ziel von 90  Prozent zu Ende Herbst nicht festgehalten wird. "Eine weitere Flexibilisierung der Füllstandsvorgaben ist dringend notwendig und kann zu einer Stabilisierung des Gaspreises auf einem niedrigen Niveau führen."

Ein weiterer zentraler Punkt, der Einfluss auf den deutschen Energiemarkt in Deutschland gehabt habe, sei auch die Veröffentlichung des Koalitionsvertrags zwischen CDU, CSU und SPD gewesen. Insbesondere die weiterhin vorgesehene Nutzung von Reservekraftwerken im Markt habe bei der Mehrheit der Betreiber und Übertragungsnetzbetreiber für Unmut gesorgt, da das Vorhaben nicht zu mehr Kosteneffizienz führen, sondern funktionierende Marktmechanismen aushebeln würde.

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