Die Stadtwerkekooperation Trianel, hier mit Blick in die Handelsabteilung, hat ein neues digitales Erscheinungsbild.

Die Stadtwerkekooperation Trianel, hier mit Blick in die Handelsabteilung, hat ein neues digitales Erscheinungsbild.

Bild: © Trianel

Als Sven Becker, Sprecher der Trianel-Geschäftsführung, im Juni 2022 einen Rekordgewinn in Höhe von 14,5 Mio. Euro präsentierte, zeigte er sich zuversichtlich, das Ergebnis 2022 trotz Energiekrise bestätigen zu können. Es sollte deutlich besser kommen.

Das Ergebnis vor Steuern (EBT) stieg um schwindelerregende 357 Prozent und machte bei 66,3 Mio. Euro Halt. So viel in einem Jahr hatte die Aachener Stadtwerkekooperation seit ihrer Gründung 1999 nicht im Ansatz verdient.

"Stresstest" für Trianel-Systeme

Dabei war das Jahr 2022 für Trianel angesichts historisch hoher schwankender Großhandelspreise und enormer Sicherheitshinterlegungen alles andere als ein Spaziergang. Vielmehr sprach Becker von einem "Stresstest" für die Systeme und Prozesse seines Unternehmens.

"Hätten wir auf der falschen Seite des Marktes gestanden oder falsche Entscheidungen getroffen, hätte das Ergebnis auch in die andere Richtung gehen können", sagte er. "Umso mehr freut es uns, dass wir unsere operative Performance in diesem ambitionierten Marktumfeld verbessern konnten."

Lünen mit ausgeglichenem Ergebnis

Explizit erwähnte der Manager dabei die Handelsstrategie, die sich bewährt habe, sowie den weiteren Ausbau des Erneuerbaren-Entwicklungsgeschäfts. Zugleich brachten die beiden konventionellen Großkraftwerke, an denen Trianel beteiligt ist, diesmal keine Verluste.

Das Steinkohlekraftwerk Lünen habe ein ausgeglichenes Ergebnis erzielt, schilderte Becker. Das Gaskraftwerk Hamm habe sogar ein "deutlich positives Ergebnis" eingebracht.

Krisengewinner Handelssparte

Als Krisengewinner erwies sich die Trianel-Handelssparte. "Wir haben einen sehr großen Zulauf erlebt, auch im klassischen Kraftwerksbereich", berichtete Geschäftsführer Oliver Runte. "Wir waren in der Lage, fast an jedem Tag auf dem Markt Strom- und Gasmengen für Stadtwerke zu beschaffen. Das hat auch einen wichtigen Beitrag zur Stabilität in diesem Sektor gebracht."

Zudem habe Trianel davon profitiert, dass andere Vorversorger Vollversorgungsverträge gekündigt hätten. "Wir haben hier im Bilanzkreis- und Liefermanagement Alternativen geboten. Auch hier haben wir einen großen Zulauf erlebt." Auf ZfK-Nachfrage konkretisierte Runte, dass allein im Bereich Liefermanagement 15 Neukunden dazugekommen seien.

Geldsegen für Gesellschafter

Einmal mehr nutzte Trianel das hohe Ergebnis, um mit Blick auf das Kohlekraftwerk Lünen Risikovorsorge zu betreiben. Becker geht davon aus, dass die Anlage zwischen 2030 und 2033 vom Netz gehen muss. 36 Mio. Euro fließen darüber hinaus in Wachstumsprojekte beispielsweise im Photovoltaik- und Windbereich, aber auch in IT-Systeme und die Weiterentwicklung der Belegschaft.

Über einen bislang einmaligen Geldsegen können sich auch die Trianel-Anteilseigner freuen. An sie werden 27,6 Mio. Euro ausgeschüttet.

Markteintritt in Österreich

Wie in der Bilanzpressekonferenz 2022 angekündigt, ist Trianel als Photovoltaik-Projektierer mittlerweile auch in Österreich aktiv. Diesen Monat sei ein Konsortialvertrag mit einem Partner unterzeichnet worden, sagte Becker. Wer der Partner ist, wollte der Manager aber noch nicht verraten. Er verwies auf eine Bekanntgabe zu einem späteren Zeitpunkt.

Stärker in den Fokus könnte auch wieder der Offshore-Bereich rücken. "Wir sehen, dass mit dem gestiegenen Zubau, den die Bundesregierung plant, und dem Ausschreibungsdesign, das auch Konsortien zulässt, hier eine Möglichkeit besteht", sagte Becker. "Wir bereiten im Rahmen eines Konsortiums eine Teilnahme [an einer Ausschreibung] für die Zukunft vor." Bislang hat sich Trianel an zwei Offshore-Windparks vor der Nordseeinsel Borkum beteiligt. (aba)

Trianel-Bilanz im Überblick:

Umsatz: 14,0 Mrd. Euro (2021: 6,5 Mrd. Euro)

Ergebnis vor Steuern: 66,3 Mio. Euro (14,5 Mio. Euro)

Handelsvolumen Strom: 115 TWh (151 TWh)

Handelsvolumen Gas: 76 TWh (80 TWh)

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