Der Hauptsitz des VNG-Konzerns in Leipzig

Der Hauptsitz des VNG-Konzerns in Leipzig

Bild: © Eric Kemnitz

Trotz der Herausforderungen durch die Corona-Pandemie blickt die VNG zufrieden auf das Geschäftsjahr 2020. Der Gaskonzern mit Hauptsitz in Leipzig konnte das adjusted EBIT auf 179 Mio. Euro steigern (2019: 133 Mio. Euro).

Der Konzerngewinn lag im Geschäftsjahr 2020 bei 46 Mio. Euro und damit deutlich unter dem des Geschäftsjahres 2019 mit 117 Mio. Euro. Bodo Rodestock machte in dem digitalen Bilanz-Pressegespräch zur Erläuterung deutlich, dass es im vergangenen Jahr zwei Sondereffekte gegeben habe, die sich negativ auf das Jahresergebnis 2020 auswirkten: Zum einen habe es die VNG mit einem laufenden Steuerverwaltungsverfahrens bei der HANDEN in Polen zu tun. Hier habe der Konzern vor allem mit einer Rückstellung Vorsorge getroffen. Zum anderen hätten sich 2020 negative Effekte aus einer Wertberichtigung einer „bedingten Kaufpreiszahlung“ aus dem Verkauf des E&P-Geschäfts im Jahr 2018 und eine Wertberichtigung aus einer sonstigen Beteiligung ergeben, so Rodestock weiter. 2019 hätten wiederum die Verkäufe der EMB Energie Mark Brandenburg und der VNG Slovakia positive Effekte auf das EBIT gehabt.

Alle Geschäftsbereiche im Plus

Der abgerechnete Umsatz lag nach VNG-Angaben für das Geschäftsjahr 2020 bei 9,8 Mrd. Euro (2019: 10,5 Mrd. Euro). Alle Geschäftsbereiche hätten zum wiederholten Mal positive Ergebnisbeiträge erzielt und die Erwartungen teilweise deutlich übertroffen, betonte der VNG-Vorstandvorsitzende Ulf Heitmüller im Rahmen der Präsentation der Zahlen. Trotz nicht immer einfacher Rahmenbedingungen habe der Konzern weiter erfolgreich an der Umsetzung der Zukunftsstrategie „VNG 2030+“ gearbeitet. „Wir sind unserem Ziel, basierend auf unserer Kernkompetenz Gas, grüner und digitaler zu werden, ein ganzes Stück nähergekommen“, betont Heitmüller. Er steht seit 2016 an der Spitze des VNG-Konzerns und hat seinen Vertrag dort erst kürzlich verlängert. 

Wie Heitmüller weiter ausführte, hat die VNG auch im vergangenen Jahr weiter kräftig investiert. 392 Mio. Euro nahm der Konzern in die Hand, 2019 waren es 345 Mio. Euro. Der größte Anteil an Investitionen floss in die Geschäftsbereiche Transport und Biogas. Die Biogas-Tochter Balance betreibt – Stand 31.12.2020 - 35 Anlagen mit einer Leistungsfähigkeit von 136 Megawatt Feuerungswärmeleistung (MWFWL). Im laufenden Jahr sind zwei weitere Anlagen hinzugekommen. Nach VNG-Angaben hat sich der Umfang des Balance-Portfolios seit 2018 somit mehr als verfünffacht. Bezahlt gemacht habe sich auch der Erwerb der Gas-Union, mit dem man das Handels- und Vertriebsgeschäft der VNG stärken konnte.

Kosten immer im Blick

Das Gesamtergebnis sei aber auch deshalb so erfreulich, weil man ein hohes Kostenbewusstsein an den Tag gelegt habe, führte Bodo Rodestock aus. Die VNG habe zum fünften Mal in Folge ein positives Jahresergebnis eingefahren. Man könne nun „vorsichtig optimistisch“ in die Zukunft blicken, so der Finanzvorstand.

Den klimafreundlichen Energieträger Wasserstoff habe man fest in der Unternehmensstrategie verankert, erläuterte das VNG-Vorstandsmitglied Hans-Joachim Polk, in dessen Zuständigkeitsbereich die Bereiche Infrastruktur und Technik fallen. „Dabei stehen wir auch vor der Herausforderung, eine nationale und europäische Wasserstoffinfrastruktur aufzubauen. In diesem Zusammenhang leistet der VNG-Konzern über Studien und erste Pilotprojekte Pionierarbeit.“

Wasserstoff-Großprojekt in Bad Lauchstädt

Exemplarisch für die Transformation der VNG hin zu einem grünen, gasbasierten Unternehmensverbund sei der „Energiepark Bad Lauchstädt“. Dort will die VNG mit ihren Tochtergesellschaften VGS und Ontras und externen Partnern erneuerbaren Strom aus einem Windpark mittels einer Großelektrolyse-Anlage mit einer Leistung von bis zu 30 MW in Wasserstoff umwandeln. Der Wasserstoff soll dann über eine umgewidmete Erdgasleitung nach Leuna transportiert werden, wo mit der chemischen Industrie Abnehmer bereitstehen. Auch die Zwischenspeicherung ist Teil des Projekts: Hier soll laut Polk eine knapp 180 Meter tiefe Salzkaverne zum Einsatz kommen. Sobald der Förderbescheid auf dem Tisch liegt, will die VNG in die Umsetzung gehen. Bis 2025 will der VNG-Konzern sämtliche Geschäftsbereiche „H2-ready“ aufstellen, kündigte Ulf Heitmüller an.

Erdgas als Partner der Erneuerbaren

Grüne Gase würden mittel- bis langfristig weiter an Bedeutung gewinnen, ist der Vorstandsvorsitzende überzeugt. Dennoch sei es auch weiterhin wichtig, Erdgas als idealen Partner der Erneuerbaren zu positionieren. Es sei erfreulich, dass die Politik erkannt habe, dass es für die Energiewende auch Moleküle brauche. Sorge bereite ihm allerdings, dass die politische Debatte über das Erdgas zunehmend emotional geführt werde. Dabei zeige ein Blick auf den „Markterfolg“ von Erdgas gerade auch im Wärmebereich, dass dieser Energieträger eine hohe Akzeptanz bei den Menschen habe und zentral für die Versorgungssicherheit sei.

Berlin und Brüssel müssten bessere Rahmenbedingungen für die Gasbranche schaffen, fordert Heitmüller. Unrealistische Grenzwerte bei der EU-Taxonomie würden Investitionen verhindern. Förderprogramme im Bereich Wasserstoff seien viel zu kompliziert. Zudem brauche es unbedingt eine echte Technologieoffenheit – etwa auch für den Einsatz von türkisem Wasserstoff. „Gerade beim Thema Wasserstoff gibt es viele offene Fragen. Unternehmen, die bereit sind, in diesem Bereich zu investieren, benötigen hier nun schnell klare Antworten.“   (amo)

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