Rechtssicherheit und Verständlichkeit schließen sich nicht automatisch gegenseitig aus

Rechtssicherheit und Verständlichkeit schließen sich nicht automatisch gegenseitig aus

Bild: © Kzenon/AdobeStock

Von Ariane Mohl

Lediglich 26 Prozent der Deutschen vertrauen darauf, dass Energieversorger die Energiewende richtig umsetzen. Dasgeht aus einer aktuellen Studie des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt und Energie hervor. Beauftragt wurde die Analyse mit dem Titel "Umfrageergebnisse Gesellschaftliche Akzeptanz der Energiewende" von der Westenergie.

Schlechter als die Energieversorger schneidet in der Studie nur noch die Politik ab: Auf die Frage, welche Akteure bei der Energiewende "das Richtige" tun, gaben nur 22 Prozent an, dass dies für die Bundespolitik zutreffe. Die Landespolitik kam mit 24 Prozent etwas besser weg. Dem Journalismus bringen auch nur 24 Prozent der Befragten Vertrauen entgegen. Am besten schneiden Umweltorganisationen (39 Prozent) und die Wissenschaft (46 Prozent) ab. Insgesamt blicken die Deutschen jedoch mit großem Misstrauen auf die Umsetzung der Energiewende.

Versorger werden als unehrlich wahrgenommen

Das zeigen auch die Antworten auf die Frage, von wem ehrliche Informationen zur Energiewende erwartet werden. Wenig überraschend kommt die Bundespolitik hier lediglich auf eine Zustimmung von 24 Prozent. Nur leicht besser fällt das Ergebnis für die Kommunalpolitik aus (28 Prozent). Erschreckend aus Sicht der Branche: Gerade einmal 21 Prozent der Befragten haben Vertrauen in die Informationen von Energieversorgern. Sie schneiden in der Umfrage noch schlechter ab als der Journalismus (27 Prozent) und liegen gleichauf mit der Industrie.

Bei all dem ist den Befragten durchaus bewusst, dass die Energieversorger beim Umbau der Energieversorgung eine wichtige Rolle spielen: 70 Prozent der Deutschen geben an, dass Stadtwerke und Co. eine hohe Relevanz für die Umsetzung der Energiewende haben. Direkt dahinter folgen Industrieunternehmen mit 68 Prozent und wissenschaftliche Akteure mit 63 Prozent. Auch der Politik wird eine hohe Relevanz beigemessen: Der Bundes- und der Landespolitik (64 bzw. 63 Prozent) etwas mehr als der Kommunal- bzw. Lokalpolitik (59 Prozent). Umweltorganisationen (47 Prozent) und Journalisten (33 Prozent) erscheinen aus Sicht der Befragten weniger wichtig.

Versorger als Blockierer

Die Verfasser der Studie sind auch der Frage nachgegangen, warum die Befragten mit der Umsetzung der Energiewende unzufrieden sind. Auch hier ist das Ergebnis für die Energiebranche wenig erfreulich: 43 Prozent der Befragten unterstellen Energieversorgern, wichtige Entscheidungen für die Umsetzung bewusst zu blockieren. Mit Blick auf eine vermutete "Blockadehaltung" kommen die Bundespolitik (33 Prozent), die Landespolitik (30 Prozent) und die Kommunalpolitik (27 Prozent) insgesamt deutlich besser weg als die Unternehmen, die die Energiewende umsetzen müssen. Zum Vergleich: Bei Wissenschaft, Journalismus und Umweltorganisationen meinen nur jeweils rund 20 Prozent, dass von ihnen eine Blockade wichtiger Entscheidungen für die Energiewende ausgeht.

Die Verfasser der Studie nennen es "besorgniserregend", dass sehr vielen Akteuren unterstellt wird, dass sie keine ehrlichen Informationen über die Energiewende verbreiten. "Dieses hohe Misstrauen könnte auf eine hohe Fragilität der gesellschaftlichen Akzeptanz für die Maßnahmen der Energiewende hindeuten", so die Autoren.

Kunden klagen über zu hohe Kosten

Daueraufreger für viele Deutsche sind laut der Umfrage offenbar die als zu hoch empfundenen Kosten. So stimmt ein Drittel der Befragten der Aussage voll und ganz zu, dass sie nicht bereit sind, für den Klimaschutz höhere Preise für Benzin, Diesel, Heizöl und Gas in Kauf zu nehmen. Weitere 27 Prozent stimmen der Frage ebenfalls mit leichter Abschwächung zu. Lediglich ein knappes Viertel der Befragten ist bereit, für den Klimaschutz höhere Energieträgerpreise zu tragen. Von den Befragten geben 43 Prozent an, dass ihre Belastungsgrenze bei dem derzeitigen Niveau der Energiepreise bereits erreicht ist.

Für die Verfasser der Studie steht fest: Es braucht Instrumente, mit denen vor allem Haushalte mit geringem Einkommen unterstützt werden – sowohl bei hohen Strom- und Gaspreisen als auch bei Investitionen etwa in klimafreundliche Technologien.

Frust entgegenwirken

Zudem plädieren die Autoren dafür, steigende Kosten in den richtigen Kontext zu stellen. "Das heißt, dass die tatsächlichen Ursachen für steigende Energiepreise benannt werden müssen." Steigende Strom- und Gaspreise seien eben kein alleiniger Effekt der Energiewende, sondern des Russland-Ukraine-Krieges. Ein weiterer Tipp: Hohe Anfangsinvestitionen etwa in eine Wärmepumpe sollten ins Verhältnis gesetzt werden zu dauerhaften Belastungen durch steigende CO2-Preise. "Es ist notwendig, deutlich zu machen, dass Zusatzinvestitionen nicht gleichzusetzen sind mit Zusatzkosten." Zuletzt gehöre zu der Kontextualisierung auch, die Kosten des Nicht-Handelns in die Rechnung mit einzubeziehen. "Denn je länger ambitionierter Klimaschutz verschoben wird, desto unwahrscheinlicher wird die Erreichung nationaler und internationaler Ziele – und umso höher fallen die Kosten für die Abwendung oder Beseitigung gravierender Schäden durch die Folgen des Klimawandels aus."

"Für die gesellschaftliche Akzeptanz der Energiewende wird zum Prüfstein, wie ihre ökonomischen Effekte geschultert werden", erklärt Johannes Venjakob, Co-Leiter des Forschungsbereichs Strukturwandel und Innovation des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt und Energie. "Gelingt es nicht, dieses gerecht zu gestalten und den Druck steigender Kosten vor allem für die niedrigen Einkommensgruppen abzufedern, wird der gesellschaftliche Rückhalt verloren gehen. Für die notwendige Umsetzung der Energiewende im Gebäude- und Verkehrssektor wäre das fatal – hier ist es essenziell, dass die Menschen mitmachen. Wir brauchen Instrumente mit intensiver Beratung zu Effizienzmaßnahmen und zur Implementierung klimafreundlicher Technologien."

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