Rund 36 Prozent des Umsatzes der Stadtwerke Bad Säckingen entfallen auf die Erdgassparte. Erdgas spielt eine wichtige Rolle in der eigenen Wärmeerzeugung, aber auch für Haushaltskunden und Gewerbe. In dem Ort gibt es auch energieintensive Betriebe, das Gasnetz ist 115 Kilometer lang.

Rund 36 Prozent des Umsatzes der Stadtwerke Bad Säckingen entfallen auf die Erdgassparte. Erdgas spielt eine wichtige Rolle in der eigenen Wärmeerzeugung, aber auch für Haushaltskunden und Gewerbe. In dem Ort gibt es auch energieintensive Betriebe, das Gasnetz ist 115 Kilometer lang.

Bild: © Ingo Bartussek/Adobestock

Ein Temperaturrekord jagt den nächsten: Der März 2024 war der wärmsten März seit Messbeginn im Jahr 1881. Schon der Februar 2024 war laut Deutschem Wetterdienst so warm wie noch nie seit Beginn der Aufzeichnungen gewesen.

Auch die Gasspeicher waren zum Ende der Winterperiode noch nie so voll wie dieses Mal – mit Ausnahme des Coronajahrs 2020. Der Füllstand lag am Morgen des 1. April bei noch 164 Terawattstunden (TWh). Ddas Gesamtfassungsvermögen liegt bei insgesamt 251 TWh.

EVU bleiben teils auf bis zu 20 Prozent der eingekauften Mengen sitzen

Die ungewöhnlich milde Witterung und ein verändertes Verbrauchsverhalten bei Haushaltskunden und Industrie stellt auch viele Stadtwerke vor große Probleme. Beides führe in Summe dazu, dass viele Grundversorger auf signifikanten Gasmengen sitzen bleiben. Ein Branchenexperte spricht von 15 bis 20 Prozent der für das laufende Jahr eingekauften Mengen.

Die nicht benötigten Mengen müssen in der Regel auf Grund von unternehmensinternen Risikoregularien verkauft werden. Der durchschnittliche Kaufpreis für die Gasmengen in den Portfolien vieler Stadtwerke und auch privater Energieversorger liegt aber bei deutlich über 50 Euro, der durchschnittliche Spotmarktpreis im laufenden Jahr hingegen bei um die 28 Euro. Das heißt, durch den Abverkauf fallen teils hohe Verluste an und die Unternehmen verlieren zusätzlich die für den Weiterverkauf kalkulierten Margen.

"Wir würden uns über normales Wetter freuen"

Die durchschnittlichen Terminmarktpreise für das laufenden Jahr hatten 2022 und 2023 im Einkauf bei circa 65 Euro pro Megawattstunde (MWh) gelegen. Viele Grundversorger mit Tranchenbeschaffung hatten in dieser Zeit aus Sorge vor weiter steigenden Preisen und gemäß ihrer Strategie die fehlenden Mengen hinzugekauft, um offene Positionen nicht zu noch deutlich höheren Preisen schließen zu müssen.

"Wir würden uns über normaleres Wetter freuen“, sagt ein Mitarbeiter aus dem Vertrieb eines mittelständischen Energieversorgers. Insgesamt sei das erste Quartal nicht gut gelaufen. Jetzt hoffe man auf ein kaltes Schlussquartal in 2024.

"Brauchen eine bessere Prognosegüte"

Um solche großen Abweichungen künftig zu vermeiden, suche man jetzt nach Möglichkeiten, die eigenen Verbrauchsprognosen zu optimieren. Ziel sei es, bei Abweichungen frühzeitiger eingreifen und gegensteuern zu können. Instrumente hierfür könnten bessere Mengenprognosen und eine bessere Mengensteuerung sein. "Wir brauchen definitiv eine bessere Prognosegüte".

Allein der warme Februar und die daraus resultierende Rückvermarktung der Mengen habe knapp 1 Mio. Euro an Verlusten in der Beschaffung verursacht, bestätigt ein weiterer Verantwortlicher eines Stadtwerks, der nicht namentlich genannt werden will. Grundsätzlich sei die Prognosequalität auch in der Energiekrise gut gewesen.

Insbesondere bei der eigenen Fernwärme-Prognose ortet er aber noch Optimierungspotenzial. Unter anderem müssten bei den Temperaturprognosen noch aktuellere Daten der vergangenen Jahre stärker berücksichtigt werden.

(Christian Linden, Senior Manager bei PwC)

Die Betroffenheit beim Thema überschüssige Absatzmengen und Rückverkäufe fällt branchenweit offenbar sehr unterschiedlich aus. "Sie ist auch abhängig von den Abnahmemengen, die jeweils in den Unternehmen für die Beschaffung für diesen Winter zugrunde gelegt wurden", sagt Christian Linden, Experte für Energiebeschaffung und Senior Manager bei der Wirtschaftsberatung PwC.

Es gebe zum Teil Versorger, die in der Energiekrise die Beschaffung ausgesetzt hätten. Deren Beschaffungskosten lägen deutlich näher an den aktuellen Preisen. "Es gibt aber auch Energieversorger, die schlicht geringere Mengen im Vorfeld eingekauft haben und nun gegebenenfalls sogar zu günstigen Preisen nachkaufen konnten", so Linden weiter.

In der Regel gingen Stadtwerke aber nicht mit größeren offenen Positionen ins Lieferjahr. "Wenn dann die prognostizierte Abnahmemenge nicht eintritt und die Preise am Großhandelsmarkt sinken, kann dies zu wirtschaftlichen Nachteilen beim Abverkauf führen". Aus diesem Grund sei eine bedachte Herleitung der (sicheren) Absatzmengen, die im Vorfeld beschafft werden, von großer Bedeutung.

Teils größere Kundenverluste erschweren die Prognosen

Aktuell kämen zwei Schwierigkeiten hinzu: "Viele Stadtwerke haben in der Energiekrise sehr hohe Kundenzuwächse in der Grundversorgung gehabt und mussten deshalb auch für einen größeren Kundenstamm Energie beschaffen." Die aktuellen – zum Teil auch größeren – Kundenverluste, führten dazu, dass der Kundenbestand wieder auf Werte sinke, die vor der Krise Bestand hatten (oder auch darunter). "Solche Effekte erschweren natürlich die Einschätzung und Prognose der zu beschaffenden Mengen."

Zusätzlich habe sich das Verbrauchsverhalten der Kunden etwas geändert. In den letzten beiden Wintern (22/23 und 23/24) war der (temperaturbereinigte) Gasverbrauch deutlich niedriger als in den Jahren zuvor. Es bleibt abzuwarten, ob dies nachhaltig ist oder lediglich durch die hohen Endkundenpreise bedingt war.

Witterungsverlauf im März war vier Grad zu mild

Zwei aufeinanderfolgende Monatsrekorde bei den Temperaturen gab es zuletzt 2018 mit dem damaligen April und Mai, teilte der Deutsche Wetterdienst (DWD) mit. Die Niederschlagsmenge fiel im März 2024 deutlich zu niedrig aus. In Teilen Ostdeutschlands war das Defizit am stärksten. Dagegen bot die Sonne eine nahezu märztypische Sonnenscheindauer, meldet der DWD nach Auswertungen der Ergebnisse seiner rund 2000 Messstationen.

Die Märzmitteltemperatur 2024 lag mit 7,5 Grad Celsius um vier Grad über dem Wert der international gültigen Referenzperiode 1961 bis 1990. Im Vergleich zur aktuellen und wärmeren Vergleichsperiode 1991 bis 2020 betrug die Abweichung 2,9 Grad. Damit wurde der bisherige Rekordwert aus dem Jahr 2017 (7,2 Grad Celsius) deutlich übertroffen. (hoe)

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