Eine Stele mit dem Firmen-Logo steht im Foyer der Uniper-Hauptverwaltung in Düsseldorf.

Eine Stele mit dem Firmen-Logo steht im Foyer der Uniper-Hauptverwaltung in Düsseldorf.

Bild: © Oliver Berg/dpa

Der mit Milliardenhilfe gestützte Energiekonzern Uniper befürchtet im Genehmigungsverfahren der EU-Kommission für das Stabilisierungspaket zu harte Auflagen. Aus Unternehmenskreisen hieß es am Mittwoch, dass Uniper nach der Krise ein Drittel seiner Ertragskraft verloren haben werde. Ziel müsse daher sein, dass Uniper darüber hinaus nicht im Kern weiter beschädigt werde. Es müsse klar sein, dass das Paket nicht nur Uniper, sondern vielen Menschen und dem europäischen Gasmarkt helfe. Eine Logik «großes Hilfspaket, deshalb große Auflagen» sei daher nicht gerechtfertigt und dürfte die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens stark verschlechtern, hieß es.

Die Bundesregierung, der Energiekonzern Uniper und der bisherige Uniper-Mehrheitseigentümer Fortum hatten sich im September auf ein Stabilisierungspaket für Uniper verständigt, das eine weitgehende Verstaatlichung vorsieht. Geplant ist neben einer Barkapitalerhöhung von acht Milliarden Euro unter anderem der Erwerb der Uniper-Anteile des finnischen Mehrheitsaktionärs Fortum durch den Bund. Eine außerordentliche Hauptversammlung am 19. Dezember soll genehmigtes Kapital in Höhe von weiteren bis zu 25 Milliarden Euro durch die Ausgabe neuer Aktien schaffen. Die Genehmigung des Stabilisierungspakets durch die EU-Kommission steht jedoch noch aus.

Außerdem macht das strauchelnde Unternehmen Ernst mit seiner Ankündigung, den russischen Gazprom-Konzern wegen der fehlenden Gaslieferungen in die Verantwortung zu nehmen. Uniper hat ein Verfahren gegen Gazprom Export vor einem internationalen Schiedsgericht beantragt, wie der Konzern am Mittwoch in Düsseldorf mitteilte. Zudem kündigte Uniper an, sich von seiner russischen Einheit Unipro zu trennen. Deren Veräußerung war bereits seit anderthalb Jahren geplant.

Uniper will sich "so weit wie möglich" von Unipro trennen

Laut Uniper war auch ein Käufer gefunden, allerdings stehe die Genehmigung der russischen Aufsichtsbehörden noch aus - und der Ausgang des Verfahrens sei ungewiss. Deshalb will Uniper sich rechtlich und personell nun "so weit wie möglich" von der Tochtergesellschaft trennen.

Uniper werde die Erstattung des "erheblichen finanziellen Schadens einfordern", sagte Konzernchef Klaus-Dieter Maubach am Mittwoch in Düsseldorf in Bezug auf das Schiedsgerichtsverfahren. Bislang beliefen sich Unipers Kosten für die Gasersatzbeschaffung auf 11,6 Milliarden Euro.

Ob es zu einem Schiedsverfahren kommt, ist unklar

Der Düsseldorfer Konzern ist wegen des russischen Gas-Lieferstopps in Schieflage geraten, da sich die Gaspreise vervielfacht haben. Das aus Russland fehlende Gas muss das Unternehmen teuer auf dem Gasmarkt kaufen, um eigene Lieferverträge zu noch günstigeren Konditionen zu erfüllen, was zu Liquiditätsproblemen führt. Deswegen hatten sich der Konzern, die deutsche Regierung und Unipers bisheriger Mehrheitsaktionär Fortum aus Finnland im September auf eine Verstaatlichung von Uniper verständigt. Anschließend soll der Bund etwa 98,5 Prozent der Anteile an Uniper besitzen.

Das in den Verträgen mit Gazprom festgelegte Verfahren werde in Stockholm und nach Schweizer Recht verhandelt, sagte Maubach. Ob es allerdings zu einem Schiedsverfahren komme, wisse man nicht. Es sei unklar, ob die Vertragspartei überhaupt zum Schiedsverfahren erscheine. Bislang gebe es keine Rückmeldung von Gazprom. Es gebe nach wie vor Verbindungen auf Arbeitsebene. Ihm sei es aber nicht gelungen, persönlichen Kontakt zum Gazprom-Vorstandsvorsitzenden aufzunehmen. Er habe ihm daher einen Brief geschrieben.

Unipro-Geschäft entsprach 2021 einem Fünftel des Uniper-Ergebnisses

In Russland tritt Uniper unter dem Namen Unipro auf, es werden 4800 Angestellte beschäftigt. An der Tochter sind die Düsseldorfer mit 84 Prozent beteiligt. Das Portfolio umfasst fünf Gas- und Kohlekraftwerken in Zentralrussland, dem Ural und Westsibirien. Die Erzeugungsaktivitäten umfassen vor allem Erdgas, aber auch Stein- und Braunkohle und decken laut Uniper fünf Prozent des russischen Strombedarfs. Letztes Jahr hat das Geschäft fast ein Fünftel des bereinigten Ergebnisses vor Zinsen und Steuern (bereinigtes Ebit) von Uniper ausgemacht.

Vor dem Hintergrund des russischen Angriffskriegs in der Ukraine hatte sich der Konzern entschieden, den Veräußerungsprozess der Tochtergesellschaft wieder aufzunehmen. Bereits seit einiger Zeit sei Unipro nicht mehr in Unipers Informationsprozesse eingebunden. Finanzströme und IT-Systeme wurden getrennt; am Dienstag wurde Uniper zufolge begonnen, die Prozesse "so weit wie möglich" weiter zu trennen. Hintergrund ist die fehlende Genehmigung russischer Aufsichtsbehörden für einen Verkauf der Einheit.

Vereinbarung mit inländischem Käufer

Nach Aussage Maubachs von Mittwoch wurde im September eine Vereinbarung mit einem inländischen Käufer unterzeichnet. Diese werde aber seitdem noch von den russischen Aufsichtsbehörden mit ungewissem Ausgang geprüft. "Da eine Veräußerung nicht in unserem Einflussbereich liegt, haben wir weitreichende Schritte unternommen, um unser Geschäft außerhalb Russlands von den russischen Aktivitäten und den damit verbundenen Risiken vollständig zu trennen - auch ohne einen Verkauf - soweit dies unter den derzeitigen Umständen möglich ist", sagte Maubach. (dpa/hoe)

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