Klaus-Dieter Maubach, CEO von Uniper

Klaus-Dieter Maubach, CEO von Uniper

Bild: © Uniper

Der Energiekonzern Uniper ist bereit, seine für den vorzeitigen Ausstieg aus der Stromproduktion vorgesehenen Kohlekraftwerke länger laufen zu lassen, um einer akut drohenden Versorgungskrise entgegenzuwirken. Die Politik müsse allerdings rechtzeitig den Bedarf anmelden, sagte Uniper-Vorstandschef Klaus-Dieter Maubach am Montag auf dem „Führungstreffen Energie“ zum Auftakt der Messe E-World in Essen. Denn der Konzern müsse rechtzeitig Steinkohle beschaffen und die Mitarbeiter auf eine längere Laufzeit vorbereiten.

Uniper sei in allen der bisherigen vier Auktionen der Bundesnetzagentur erfolgreich gewesen, um die Kraftwerke Heyden 4 (875 MW), Wilhelmshaven 1 (757 MW), Scholven C (345 MW) und Staudinger 5 vorzeitig vom Markt nehmen zu können. Bis auf Wilhelmshaven könnten alle Kohleblöcke länger laufen.

Liefern auf Kosten von Einspeicherungen

Uniper ist als größer Erdgasimporteur in erheblichem Maße von den derzeitigen russischen Lieferkürzungen betroffen. „Wir bekommen derzeit weniger als die Hälfte der Mengen aus Russland, die wir nominiert haben“, sagte Maubach. Konkret beziehe das Unternehmen momentan 70 Mio. Kubikmeter pro Tag, normalerweise seien es 170 Mio. Kubikmeter/Tag.

Zwar könne Uniper seine Lieferverpflichtungen an Industriekunden und Weiterverteiler wie Stadtwerke komplett erfüllen. Allerdings gehe das derzeit auf Kosten der geplanten Einspeicherungen in Gasspeicher. Zudem müsse Uniper Gas „zu sehr hohen Preisen“ nachkaufen. „Uniper als Nachfolgeunternehmen von Ruhrgas erlebt in seiner rund 50-jährigen Unternehmensgeschichte zu ersten Mal eine so lange Lieferunterbrechung russischen Gases“, erklärte Maubach.

Extreme Preissteigerungen nocht nicht angekommen

Setze sich die derzeitige Lieferunterbrechung aus Russland fort oder verschlechtere sich die Situation sogar, werde das zu einer „hochkritischen Versorgungslage“ führen, betonte der Uniper-CEO. „Wir sind in einer Ausnahmesituation“, so Maubach. Gelinge es nicht, die Gasspeicherfüllstande kontinuierlich zu erhöhen, müsse die Bundesregierung weitere Maßnahmen zur Gaseinsparung ergreifen. „Sonst wird es eng.“

Darüber hinaus sei bei allen Uniper-Kunden „die volle Wucht der Preiserhöhungen“ noch gar nicht angekommen, da die Lieferverträge zu garantierten Preisen in der Regel vor zwei Jahren abgeschlossen worden seien. Der Anstieg der Großhandelspreise um das Zwei- bis Dreifache werde sich deshalb erst deutlich zeitverzögert auswirken.   

LNG: Problem der Langfristverträge

Mit Blick auf den verstärkten Import von verflüssigtem Erdgas (LNG) verwies der Uniper-Chef auf die Schwierigkeit Deutschlands, sich am umkämpften Weltmarkt ausreichende Kapazitäten zu sichern. „Die Welt hat auf den LNG-Player Deutschland nicht gewartet“, sagte Maubach. Lieferanten in Katar, den USA oder auch Australien verlangten durchaus garantierte Verträge mit 20-jähriger Laufzeit. Dies sei für deutsche Abnehmer angesichts der Szenarien zur Klimaneutralität schwierig zu kalkulieren. Angesichts der von der Bundesregierung anvisierten LNG-Importmenge von 33 Milliarden Kubikmeter pro Jahr sei das „eine echte Herausforderung“, sagte der Uniper-CEO. (hil)  

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