Uniper-Vorstandsvorsitzender Klaus-Dieter Maubach

Uniper-Vorstandsvorsitzender Klaus-Dieter Maubach

Bild: © Roberto Pfeil/dpa

Als Klaus-Dieter Maubach im Frühjahr 2021 die Führung des Energiekonzerns Uniper übernahm, prophezeite mancher Branchenkenner schon eine Komplettübernahme durch den finnischen Staatskonzern Fortum samt Zerlegung des Unternehmens.

Es ist dann ganz anders gekommen. Infolge des russischen Angriffs auf die Ukraine verlor Uniper zuerst seinen größten Handelspartner Gazprom, dann seinen Mehrheitseigentümer Fortum und jetzt auch noch Klaus-Dieter Maubach selbst. Der Manager hat im Zuge der fast vollständigen Uniper-Verstaatlichung durch die deutsche Bundesregierung seinen Vertrag gekündigt und wird gehen, sobald ein Nachfolger gefunden ist.

Maubach spricht selbst

Wo also steht nun Uniper, der nicht nur Deutschlands größter Gasimporteur ist, sondern auch der größte Gasspeicherbetreiber und LNG-Händler der Republik? Einen Einblick gewährte auf dem Handelsblatt-Energiegipfel nun Maubach höchstselbst.

Zuerst wehrte sich der Manager gegen den Vorwurf, dass Uniper vor Kriegsausbruch zu wenig unternommen habe, um sich von der russischen Abhängigkeit zu lösen.

Schrittweiser Rückzug aus Russlandgeschäft

"Die Geschichte des Unternehmens ist eine Geschichte des Rückzugs von Russland", sagte er und erinnerte daran, dass sein Unternehmen 2017 seine Anteile am russischen Gasfeld Juschno veräußert und vier Jahre später auch seine Beteiligung am Stromversorger Unipro zum Verkauf gestellt habe.

Die russischen Langfristverträge hingegen, die das Unternehmen 2022 in größte Nöte stürzen sollte, seien in der Vergangenheit "völlig unterschiedlich" bewertet worden. Uniper habe hier zudem jahrzehntelang mit Unterstützung der Bundesregierung agiert.

"Schwierigstes Jahr meinem Berufsleben"

Das vergangene Jahr bezeichnete Maubach als "das schwierigste in meinem Berufsleben". Denn es sei ja nicht nur so gewesen, dass Gazprom kein Gas mehr geliefert habe. Vielmehr hätten Ratingagenturen die Kreditwürdigkeit des Unternehmens herabgestuft, Banken die Finanzierung eingestellt, andere Lieferanten höhere Sicherheiten verlangt, Partner keine Verträge mehr abgeschlossen, Headhunter versucht, Unipers "Top-Führungskräfte" abzuwerben. Inmitten dieser Turbulenzen habe sein Unternehmen "eine unglaubliche Widerstandskraft" bewiesen, sagte Maubach.

Nur auf einen Player habe sich das Unternehmen dabei zu hundert Prozent verlassen können: die Bundesregierung. "[Sie] hat das Unternehmen am Ende des Tages gerettet."

Vier Wachstumsfelder

Aus Maubachs Sicht wird insbesondere das erste Halbjahr 2023 eine Übergangsphase sein, in der sich der Konzern neu aufstellen müsse – inhaltlich wie personell. Schwer vorstellen kann sich der Manager, dass Uniper alle vier einst identifizierten Wachstumsfelder – erneuerbare Energien, Wasserstoff und grüne Gase, LNG-Handel und Gaskraftwerke – gleichzeitig vorantreiben könne. Dafür fehle das Geld. Worauf sich der Konzern künftig konzentrieren werde, müsse aber der neue Vorstand entscheiden.

Beim Thema LNG gebe es dabei ein großes Fragezeichen, führte Maubach aus: "Wie wird sich Deutschland künftig zu russischem Pipelinegas stellen?" Davon hänge ab, wie interessant Europa für LNG-Exportländer aus dem mittleren Osten  werde. "Das ist eine politische Frage."

"Jetzt auch längerfristigere LNG-Verträge"

Eine veränderte Haltung der Bundesregierung zu LNG-Langfristverträgen hat der Manager jedenfalls im vergangenen Jahr wahrnehmen können. "Es gibt jetzt auch größere, längerfristige Verträge", sagte er. "Man ist auch offen für zehn- bis 15-jährige Verträge." Inzwischen würden an geplanten deutschen LNG-Terminals selbst Buchungsverträge diskutiert, die über 20 Jahre hinausgehen würden.

Deutlich kürzer dürfte Maubachs restliche Amtszeit an der Spitze von Uniper dauern. Ob er denn überhaupt noch jemandem empfehlen könne, das krisengeschüttelte Konzern zu leiten, wurde der 60-Jährige abschließend gefragt. Seine Antwort: "Wenn ich 10 Jahre jünger wäre, würde ich mich bewerben." (aba)

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