Vattenfall-Chefin Anna Borg sagte am Donnerstag: "Der Wertverlust von Kohlekraft ist eine natürliche Entwicklung, aber er hatte einen stark negativen Einfluss auf Vattenfalls Finanzergebnisse 2020."

Vattenfall-Chefin Anna Borg sagte am Donnerstag: "Der Wertverlust von Kohlekraft ist eine natürliche Entwicklung, aber er hatte einen stark negativen Einfluss auf Vattenfalls Finanzergebnisse 2020."

Bild: © Vattenfall

Anna Borg, Chefin des schwedischen Energiekonzerns Vattenfall, geht davon aus, dass die Energiepreise nicht mehr auf das Vorkrisenniveau zurückkehren werden. "Wenn wir mehr Angebot in Europa schaffen wollen, werden die Kosten dafür sichtbar sein", sagte sie auf dem vom Handelsblatt organisierten Energiegipfel. "Es ist nicht möglich, Infrastruktur in großem Maßstab zu bauen, ohne dass sich dies [preislich] bemerkbar macht."

Eine dauerhafte Erlösobergrenze für erneuerbare Energien, wie sie Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck kurz zuvor ins Spiel gebracht hatte, sieht Borg skeptisch. Sie sei sich nicht sicher, ob das tatsächlich funktionieren werde, sagte die Managerin. Um die Stromlücke schließen zu können, helfe am Ende nur mehr Angebot auf dem Markt. "Es ist wirklich wichtig, dass es Änderungen dahingehend gibt, wie [Investitionen in eneuerbare Energien] angereizt werden."

Vattenfall setzt auch auf Kernkraft

Vattenfall will europaweit nicht nur auf Windkraft- und Photovoltaikanlagen, sondern auch Kernkraftwerke neuer Generation setzen. Ob sie in diesem Zusammenhang Deutschlands Ausstieg aus der Kernkraft im Frühjahr für sinnvoll halte, wollte die Vattenfall-Chefin jedoch nicht kommentieren.

Deutlicher wurde da Europachef Rasmus Errboe vom dänischen Energiekonzern Orsted. Ausschließlich erneuerbare Energien würden den Kontinent mittel- und langfristig von fossilen Energieimporten unabhängig machen, sagte er. Das sei nicht nur eine moralische, sondern eine lebensnotwendige Frage.

EnBW will "überzeugende europäische Antworten"

Auch der Karlsruher Energiekonzern EnBW hat im nuklearen Bereich keine Ambitionen mehr. Stattdessen will er massiv in erneuerbare Energieerzeugungskapazitäten investieren. Nur so ließen sich hohe Strompreise infolge von hohen Gaspreisen abmildern, sagte der neue Vorstandsvorsitzende Andreas Schell.

Dabei müsse der Markt durch langfristige Abnahmeverträge oder PPAs weiter gestärkt werden, führte der Manager aus. "Doch auch mit Blick auf Zukunftstechnologien wie Wasserstoff, Elektromobilität und Photovoltaik braucht es überzeugende Antworten."

EnBW-Chef kritisiert "Verwaltungseifer"

Einerseits sei ein europaweit vergleichbares Förderregime vonnöten, mahnte Schell an, und andererseits deutlich mehr Tempo bei der Umsetzung und Finalisierung entsprechender Projekte.

Hierbei sei auf politischer Ebene Pragmatismus gefragt, sagte der Manager. Es gehe darum, den deutschen "Verwaltungseifer" hinter sich zu lassen. "Es kann nicht sein, dass die Planungs- und Umsetzungszeit eines Windparks 70 Monate beträgt. Das darf nicht sein." (aba)

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