Von Hans-Peter Hoeren
Ein Ausdruck des Stadtratsbeschlusses von 2009 hängt heute noch im Büro von Florian Bieberbach, dem Vorsitzenden der Geschäftsführung der Stadtwerke München (SWM). 2009 hatte das Stadtparlament entschieden, dass die SWM ab 2025 so viel Ökostrom in eigenen Anlagen erzeugen sollen, wie ganz München verbraucht.
Der Startschuss für die "Ausbauoffensive Erneuerbare Energien“ war gefallen. Die damalige Ökostromproduktion lag bei nur rund 0,4 Terawattstunden – das entsprach rund fünf Prozent des damaligen Münchner Strombedarfs. Sechzehn Jahre später ist diese ambitionierte Zielmarke tatsächlich geknackt worden: Seit diesem Jahr kann der Stromverbrauch der bayerischen Landeshauptstadt zu 100 Prozent mit Strom aus eigenen Erneuerbaren-Anlagen der SWM abgedeckt werden.
Bieberbach: "Unser langjähriges Engagement hat sich ausgezahlt"
6,7 Terawattstunden an Ökostrom kann der rein kommunale Versorger ab 2025 mit seinen eigenen Anlagen erzeugen. Dem steht aktuell ein Stromverbrauch in München von 6,2 Terawattstunden gegenüber, der in den Folgejahren leicht ansteigen dürfte.
"Unser langjähriges Engagement hat sich ausgezahlt. Dank gebührt hier auch dem Weitblick meines Vorgängers Kurt Mühlhäuser. Es hat sich ausgezahlt, dass die SWM sich früh an erneuerbaren Projekten beteiligt haben, noch bevor institutionelle Investoren breit in diesen Markt gestoßen sind", sagte Bieberbach am Dienstag (1. Juli), bei einer Pressekonferenz.
"Mit dem Erreichen des 2025-Ziels setzen die Stadtwerke ein starkes Zeichen. Der konsequente Ausbau der Erneuerbaren ist nicht nur ein Meilenstein für die Münchner Energiepolitik, sondern auch ein wirtschaftliches Erfolgsmodell", lobte Christian Scharpf, Referent für Arbeit und Wirtschaft bei der Stadt München.
Auch finanziell leisten die Erneuerbaren mittlerweile einen erheblichen Beitrag zum Unternehmensergebnis der SWM. Im Durchschnitt der letzten fünf Geschäftsjahre haben die Erneuerbaren-Energien-Anlagen der Stadtwerke einen jährlichen Beitrag von rund 130 Millionen Euro zum operativen Ergebnis des Kommunalkonzerns SWM geliefert. In den nächsten fünf Geschäftsjahren (2025 bis 2029) wird im Schnitt mit einem jährlichen Beitrag zum Konzern-Ebit gerechnet. Der erwartete Rückgang hängt vor allem mit dem Ablaufen staatlicher Förderungen für die Offshore-Windkraftanlagen in Deutschland zusammen.
Milliardeninvestitionen haben sich großteils bereits amortisiert
Bisher wurden rund 4,2 Milliarden Euro in die Ausbauoffensive Erneuerbare Energien (nur Stromerzeugung) investiert. Von dieser Summe sind bis Ende vergangenen Jahres bereits wieder an die SWM zurückgeflossen. "Unsere Investitionen haben sich in vielen Fällen bereits amortisiert", verdeutlichte Bieberbach. Die Anlagen seien noch viele Jahre in Betrieb und würden weiterhin Erträge erwirtschaften.
„Viele unserer Anlagen – wie auch die Meilensteine der ersten Jahre – befinden sich nicht im Großraum München. Dafür sind wir häufig kritisiert worden. Lokal und regional haben wir umgesetzt, was bis dato bei den geltenden Rahmenbedingungen machbar war – zuletzt deutlich mehr“, so Bieberbach. Die globale Klimakrise mache nicht an den Stadtgrenzen Halt. Deshalb sei es richtig, alle Potenziale auszuschöpfen, in der Region, in Deutschland und in Europa. Vor allem aufgrund erfolgreicher Kooperationen und Beteiligungen an großen Onshore- und Offshore-Windprojekten habe man bereits in den ersten Jahre der Ausbauoffensive signifikante Fortschritte erzielen können.
Um künftig auch den durch Elektrofahrzeuge und Wärmepumpen steigenden Stromverbrauch in München zu decken, wird der Erneuerbaren-Ausbau fortgesetzt.
Fokus des Ausbaus liegt mittlerweile stärker in der Region
Da zwischenzeitlich auch die Landespolitik den Ausbau der Erneuerbaren erleichtert, liege der Fokus der SWM-Strategie nun stärker als früher auf München und Region. "Neben 13 Wasserkraftanlagen erzeugen die SWM bereits heute mit zwei Windkraftanlagen, vier Solarparks, drei Geothermieanlagen, einer Biomasseanlage und 233 Solaranlagen in und um München Ökostrom. Dabei soll es nicht bleiben“, kündigte Karin Thelen, Geschäftsführerin Regionale Energiewende bei den SWM, an. Dabei setze man vor allem auf den engen Schulterschluss mit den Kommunen.
Auch überregional wächst das Erneuerbaren-Portfolio weiter. Die Tochter Hanse Windkraft etwa kauft Windparks, ie am Ende ihrer Lebenszeit sind, um diese entweder weiterzubetreiben oder zu repowern. So habe man mittlerweile 130 Megawatt eingesammelt, verdeutlichte Thomas Meerpohl, Leiter Beteiligungsmanagement. Im Offshore-Windbereich ist ein Erweiterungsprojekt des englischen Offshore-Projekts Gwynt y Mor geplant.
Wärmewende ist der Schlüssel für das Klimaneutralitäts-Ziel 2040
Trotz des Erreichens des 2025er-Ziels erzeugen die SWM ab sofort aber nicht ausschließlich Ökostrom. Zwar ist das Unternehmen mittlerweile aus Kernkraft und Kohle ausgestiegen, aber weiterhin laufen gasbetriebene Heizkraftwerke in München. Diese können erst dann klimaneutral produzieren, wenn gesichert Wasserstoff als alternativer Brennstoff zur Verfügung stehe, heißt es. Bis 2040 wollen die Stadtwerke München klimaneutral sein. "Entscheidend neben der Ausbauoffensive ist dabei das Gelingen der Wärmewende“, erklärt SWM-Chef Bieberbach. Hier setze man vor allem auf Geothermie, zudem treibe man auch im Verkehr die Dekarbonisierung voran.
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Einen kurzen Film über die Ausbauoffensive Erneuerbare Energien mit zahlreichen O-Tönen und die Entwicklung des Portfolios der Stadtwerke München finden Sie hier.


