Wo kommt der Strom her? Diese Frage wird zunehmend wichtiger. Arcanum energy handelt deswegen jetzt mit Herkunftsnachweisen.

Wo kommt der Strom her? Diese Frage wird zunehmend wichtiger. Arcanum energy handelt deswegen jetzt mit Herkunftsnachweisen.

Bild: © Alexander Walter

Auf breite Ablehnung stoßen in der Kommunalwirtschaft die Vorschläge der Friedrich-Ebert-Stitftung, den Grundversorger künftig über eine Ausschreibung zu ermitteln und den Status an denjenigen zu vergeben, der den günstigsten Preis bietet. "Aus unserer Sicht geht das in die falsche Richtung", erklärt beispielsweise Frank Thiel, Geschäftsführer der Stadtwerke Bochum, auf ZfK-Anfrage. Die Ausschreibung würde einen neuen Preiskampf um Grundversorgungstarife nach sich ziehen. "Dies wäre kontraproduktiv und würde letztlich wieder auf dem Rücken der Kunden ausgetragen", so Thiel.

"Ersatzbeschaffung ist nicht planbar"

Gerade bei Insolvenzfällen wie bei der Bayerischen Energieversorgung (BEV), Flexstrom oder Teldafax sei es Aufgabe der Grundversorger, die betroffenen Kunden in die Ersatzversorgung zu nehmen und so vor Versorgungsunterbrechungen zu bewahren. "Die Übernahme in die Ersatzbeschaffung ist in der Beschaffung nicht planbar", schreibt der Geschäftsführer der Stadtwerke Bochum weiter. Zuletzt seien in Bochum mehrere tausend Kunden vom Insolvenzverfahren der BEV betroffen gewesen. Auch An- und Abmeldeprozesse hätten in kürzester Zeit abgearbeitet werden müssen. "Diese wichtigen Aufgaben von Grundversorgern müssen angemessen in der Preisbildung berücksichtig werden", bekräftigt Thiel.

Laut der Studie zahlen Haushaltskunden in der Grundversorgung seit längerem konstant zwei Ct/kWh mehr für Strom und ein Ct/kWh mehr für Gas als bei Drittanbietern. Durch eine Ausschreibung könnten die Haushalte um jährlich rund 1,15 Mrd. Euro entlastet werden, heißt es weiter. Davon würden insbesondere einkommensschwache Haushalte profitieren. Auch bei den Stadtwerken Kiel beurteilt man diesen Vorstoß sehr kritisch und "als nicht zu Ende gedacht", wie Pressesprecher Sönke Schuster betont.

"Spielraum für Versorger sehr klein"

Die Ersatz- und Grundversorgung sei die flexibelste Art, Strom zu beziehen. Die Planungsmöglichkeiten seien für einen Energieversorger sehr gering, auch aufgrund der kurzen Kündigungsfristen von 14 Tagen. "Diese Risiken werden im Preis berücksichtigt. "Und hier ist der Spielraum für die Versorger sehr klein geworden", erklärt Schuster. Denn der vom Energieversorger beeinflussbare Anteil am Strompreis liege nur noch bei rund 20 Prozent.

Zudem berge die Vergabe an den günstigsten Anbieter wiederum das Risiko, dass keine marktüblichen Preise angeboten werden, wie es auch aktuell im Wettbewerb passiere. Die Folge bei einer Ausschreibung wären weitere Insolvenzen von Discountern. Die Grundversorgung stehe bereits heute schon im Wettbewerb. Denn die Vergleichsportale zögen stets den Grundversorgungstarif des örtlichen Anbieters zum Vergleich mit den Wettbewerbsprodukten heran.

EnviaM: "Bieten Kunden aktiv Wechsel in günstigere Sonderverträge an"

Ähnlich ist der Tenor beim Regionalversorger EnviaM. "Die Studie unterstellt, dass viele Verbraucher aufgrund von Unkenntnis nicht aus der Grundversorgung wechseln. Diese Einschätzung teilen wir nicht", teilt ein Sprecher mit. Zum einen seien die gängigen Vergleichsportale den Verbrauchern in der Regel bekannt und würden von diesen rege genutzt. Zum andere biete der Regionalversorger von sich aus Kunden in der Grundversorgung aktiv den Wechsel in preislich günstigere Sonderverträge an. Allen Kunden, die beispielsweise aufgrund der Insolvenz der Bayerischen Energieversorgung in die Ersatzversorgung der EnviaM gefallen seien, habe man ein Produkt mit 24-monatiger Preisgarantie angeboten.

Studienautor: Margen entsprechen nicht der Risikobewertung

Studienautor Andreas Jahn überzeugt diese Argumentation nicht. "Die Margen sind wohl höher als es eine Risikobewertung zuließe, gerade weil sich ein bedeutender Teil der Kunden nicht freiwillig in diesem Tarif befindet", stellt er klar. Wenn es ein zunehmendes Insolvenzrisiko bei Billiganbietern geben sollte, wäre das kein Grund die Margen in der Grundversorgung anzupassen. "Dann müssen wir vielmehr über die Tarife in der Ersatzversorgung reden. Eine Differenzierung ist hier elementar", sagt der Senior Associate beim Regulatory Assistance Project.

Die Reaktionen auf die Studie hätten bisher das gesamte Spektrum abgedeckt, von interessiert bis besorgt. Zustimmung gab es von Verbraucherseite, in der Energiewirtschaft sei das Bild gespalten gewesen. "Die Bereiche, die direkt mit der Grundversorgung beschäftigt sind, stehen Änderungen skeptisch gegenüber. Dritte, die sich dadurch neue Geschäftsfelder erschließen könnten, reagierten eher positiv", so Jahn.

Sozialer Aspekt wird wichtiger

Das Interesse der Politik an dem Thema sei noch nicht groß, aber es wachse. Da zunehmend die sozialen Aspekte des Energiemarktes in den Fokus rückten, werde sicher auch die Diskussion bezüglich des Zwecks und der Ziele der Grundversorgung zunehmen, ist er überzeugt. (hoe)

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Einen weiteren Artikel zu der Studie und den Reaktionen der Kommunalwirtschaft lesen in der aktuellen März-Ausgabe der ZfK.

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