In Dänemark sind zwei Drittel der Haushalte an das Fernwärmenetz angeschlossen. Das Bild zeigt eine Ortsansicht der Stadt Nyhavn.

In Dänemark sind zwei Drittel der Haushalte an das Fernwärmenetz angeschlossen. Das Bild zeigt eine Ortsansicht der Stadt Nyhavn.

Bild: © Adobestock

Von Hans-Peter Hoeren

Bis 2050 müssen in Deutschland für die Wärmewende bis zu 400 Milliarden Euro investiert werden. Aus eigener Kraft werden die Kommunen und ihre kommunalen Unternehmen das nicht finanzieren können, vor allem mehr Eigenkapital wird gebraucht. Die Suche nach innovativen oder alternativen Finanzierungswegen ist ein Top-Thema der Branche und wird es auch über Jahre wohl noch bleiben.

Hier kann ein Blick nach Dänemark und Schweden lohnen, beides sind Länder, in denen die Transformation der Wärmeversorgung bereits weit fortgeschritten ist. Finanzierungsmodelle aus diesen Ländern, aber auch darüber hinaus, zeigt eine aktuelle Studie der Initiative "Sustainable Infrastructure Finance in Baden-Württemberg" auf.

Konzept aus Schweden soll Projekte attraktiver für Investoren machen

Insbesondere für die vielen kleinen und mittleren Energieversorger bestehe ein erheblicher Bedarf an innovativen Finanzierungslösungen. Banken und Plattformlösungen falle hier eine Vermittlungsrolle zu, heißt es. Oftmals kommen diese Infrastrukturprojekte erst nach zehn mehr Jahren annähernd in den Bereich der Gewinnschwelle. Dies stellt insbesondere für Investoren am Finanzmarkt eine große Hürde dar, die vor allem an langfristigen Investitionen mit stabilen Cashflows interessiert sind.

Genau für solche Projekte, die in einer frühzeitigen Phase des Infrastruktur-Lebenszyklusses sind, wird in Schweden häufig das Konzept "Blended Finance" eingesetzt. Öffentliche Institutionen tragen dabei die Positionen einer Finanzierung mit den höheren und höchsten Risiken, investieren Eigenkapital und übernehmen eine Art Ausfallbürgschaft (First-Loss-Pieces). Dafür erhalten sie Beteiligungserträge oder andere erfolgsabhängige Zahlungen. Eine weitere Rolle in dem Modell spielen öffentliche Zuschüsse, weitere Bürgschaften und Garantien.

Kommunen übernehmen Bürgschaften

So soll das Investitionsrisiko sinken, das Risiko-Rendite-Verhältnis wird verbessert und das Projekt wird attraktiver aus Sicht privater Investoren.  Die Bürgschaften werden dabei primär von den Kommunen übernommen.

Die gezielte Anwendung dieses Modells auf nachhaltige Infrastrukturprojekte in Deutschland könne die langfristige Finanzierung für Wärmenetzprojekte verbessern, so die Studienautoren. Wichtig sei hierbei, dass die kommunale Wärmeplanung nicht nur als reines Planungsinstrument verstanden, sondern auch als Basis für die Entwicklung von tragfähigen Geschäftsmodellen (inklusive Finanzplanung) und belastbaren Investment Cases für Wärmenetze genutzt wird. Einige der in dem Konzept vorhandenen Elemente gehen in eine ähnliche Richtung wie der vom VKU favorisierte Energiewendefonds.

Bürgschaftsprogramm in Schleswig-Holstein für Wärmenetze

Als bemerkenswertes, ergänzendes Konzept zur Risikoreduktion für Investoren wird in dem Kontext das Bürgschaftsprogramm des Landes Schleswig-Holstein genannt. Das Land übernimmt dabei Bürgschaften und Garantien, dafür wurde eine Summe von insgesamt zwei Milliarden Euro bereitgestellt. Gefördert wird der Neubau, aber auch die Erweiterung und der Umbau bestehender Wärmenetze. Voraussetzung ist, dass diese aus erneuerbaren Energien oder durch unvermeidbare Abwärme gespeist werden.

Dänische Finanzierungsplattform für neue und bestehende Netze

Als zweite Finanzierungsalternative bringen die Autoren eine Finanzierungsplattform ins Spiel, die erst mal nur für das Land Baden-Württemberg zuständig sein und später dann auf andere Bundesländer oder ganz Deutschland ausgeweitet werden könne. Vorbilder hierfür gibt es in Schweden und Dänemark.

In Dänemark werden bestehende und neue Wärmenetze zentral über die Plattform "KommuneKredit" finanziert. Die Investitionen werden über die Ausgabe von beispielsweise grünen Anleihen realisiert. Kommunen und Regionen übernehmen entsprechende Garantieerklärungen. Dadurch kann das Kapital zu attraktiven, festen Zinssätzen für 30 bis 40 Jahre eingesammelt werden. Die dänische Finanzierungsplattform ist laut Studie auch mit dem europäischen Beihilferecht konform. In einer späteren Stufe können regionale Institute, Sparkassen und Volksbanken oder Wärmegenossenschaften verbriefte Anteile an den Krediten erwerben, so können Risiken weiter auf noch mehr Schultern verteilt werden.

Auch Wärmegenossenschaften spielen in Dänemark wichtige Rolle

Auch alternative Finanzierungsmodelle wie Wärmegenossenschaften, Crowdfunding, die Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern sowie neue Investmentfonds können wichtige Bausteine sein. In Dänemark etwa gibt es 350 Wärmegenossenschaften. Diese zählen dort zu den wichtigsten Playern im Bereich der Wärmenetze. Zum Vergleich: In Deutschland spielen die bisher rund 150 Wärmegenossenschaften eine eher untergeordnete Rolle,

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