Hagen Böhme verlässt die Stadtwerke Grimma und wird Geschäftsführer der Stadtwerke Teterow.

Hagen Böhme verlässt die Stadtwerke Grimma und wird Geschäftsführer der Stadtwerke Teterow.

Bild: © Hagen Böhme

Die Stadtwerke Teterow in Mecklenburg-Vorpommern müssen bis 2040 etwa 70 Mio. Euro aufbringen, um die Ziele der Energiewende zu erreichen. "Das Geld soll vorrangig in die Wärmewende und den Stromnetzausbau in Teterow fließen. Auch sind Investitionen für die energetische Gebäudesanierung notwendig", sagt Geschäftsführer der Stadtwerke, Hagen Frank Böhme, im Gespräch mit der ZfK.

Pro Jahr lag das bisherige Investitionsvolumen des Kommunalversorgers bei durchschnittlich zwei Mio. Euro. "Angesichts der Mio. Euro, die wir jährlich investieren, wären die 70 Mio. bis 2040 eine enorme Anstrengung, die wir nicht alleine werden stemmen können", sagte Böhme.

Der Investitionsbedarf im Stromnetz liegt vorrangig auf der 110-kV-Ebene. "Die bestehende Infrastruktur ist leider unterdimensioniert und für die künftigen Anforderungen nicht geeignet", so der Stadtwerkechef. "Aktuell haben wir bereits einen Investitionsrückstand, der vor allem auf ein geplantes Umspannwerk zurückgeht, das wir noch bauen müssen – Kostenpunkt etwa 12 Mio. Euro." Dieser Betrag sei in dem Gesamtinvestitionsbedarf von 70 Mio. Euro schon enthalten.

Helfen soll eine Partnerschaft, die die Stadtwerke mit Kapital und Know-how unterstützen soll. Mit Blick auf den akuten Fachkräftemangel und die hohe Komplexität der anstehenden Herausforderungen sei das ein "sehr relevantes Thema". Die Suche läuft auf Hochtouren und gestaltet sich aus vielen Gründen kompliziert.

Eine Reihe von Optionen

Zum einen seien die Optionen bei der Gestaltung einer Partnerschaft begrenzt, führt Böhme aus. "Die Kommunalverfassung in Mecklenburg-Vorpommern ist relativ restriktiv und schließt beispielsweise die Umwandlung unseres Kommunalunternehmens in eine Aktiengesellschaft aus. "Nach der Wendezeit habe es noch die Möglichkeit von Landesbürgschaften gegeben, um Strom- und Gasnetze zu rekommunalisieren. Das wäre ebenfalls eine Option, wenn man ernsthaft die Klimaneutralität bis 2040 erreichen möchte. Dies sei aber nicht mehr möglich.

Die Stadtwerke hätten sich eine Reihe von Beispielen in der Energiebranche angeschaut, beispielsweise das Thüga-Modell, führt Böhme aus. Möglich wären auch neue Projektgesellschaften zum Fernwärmeausbau.

Bei den Finanzinstrumenten sehe Böhme die kommunal verbürgten Darlehen als eine der naheliegenden Optionen: "Aus den verbürgten Krediten wären wir in der Lage, einen gewissen Anteil der bevorstehenden Investitionen zu stemmen. Doch der Rahmen für Bürgschaften sei begrenzt, da die Kommune im Notfall in die Kredite eintreten müsste. Und somit hänge die Höhe der Bürgschaften auch stark mit der Finanzkraft der Kommune zusammen. Diese sei allerdings stark eingeschränkt. "Kaum eine Kommune in Deutschland verfügt über einen solchen Finanzrahmen, den ihre kommunale Gesellschaft braucht", so der Stadtwerkechef.

Bezüglich der Förderung stellte Böhme zudem fest, dass die Töpfe bald ausgeschöpft seien und der Bedarf weitgehend hoch bleibe. "Da sehe ich ein großes Problem auf die Energiebranche zukommen", so sein Fazit.

Hagen Frank Böhme, Stadtwerke Teterow

Noch ist die Ausschreibung für die Suche nach einem Geschäftspartner nicht gestartet. "Aus den Vorgesprächen nehmen die Stadtwerke bereits erhöhtes Interesse wahr", sagte Böhme, ohne konkrete Namen zu nennen. Ihren Stadträten hatten die Stadtwerke die möglichen Optionen dargelegt, inklusive einer sogenannten rechtlichen Würdigung der anstehenden Ausschreibung.

Das "Thema Return of Investment" sei bei den Gesprächen nicht zentral. Viel wichtiger seien die "Perspektiven einer intensiven Zusammenarbeit", erläuterte Böhme. Den Wert des Anteils müsse ein Gutachten noch ermitteln. Die Stadtpolitik müsse sich zudem auf große Veränderungen einstellen: "Unseren Stadträten vermitteln wir gerade auch die Erkenntnis, dass eine solche Beteiligung mit Renditeversprechungen und Gewinnausschüttungen verbunden ist".

Ausschreibung erst 2025

Die Ausschreibung für die Suche nach einem geeigneten Partner, der bis zu 49 Prozent der Anteile übernehmen könnte, steht noch aus und soll erst voraussichtlich im Frühsommer 2025 starten. Das liegt unter anderem daran, dass die Stadtwerke Teterow ab Februar einen neuen Geschäftsführer bekommen werden. Böhme hingegen wechselt an die Spitze der Stadtwerke Delmenhorst in Niedersachsen.

"Über die finale Gestaltung der Ausschreibung sollte fairerweise die Person entscheiden, mit wem die Partnerschaft dann am sinnvollsten ist und wie sie gestaltet werden sollte", sagte Böhme. Vielleicht würden sich noch weitere Optionen und Sichtweisen ergeben, die bislang nicht beachtet wurden. "Auch ich, nach meinem Wechsel an die Spitze der Stadtwerke Delmenhorst, würde ungern vor Tatsachen gestellt werden, ganz ohne einen Gestaltungsrahmen." Diese Entscheidung über einen späteren Zeitpunkt der Ausschreibung hätten die Stadträte ohne irgendeine negative Resonanz aufgenommen, fügte Böhme hinzu. (am)

Lesen Sie weiter mit Ihrem ZFK-Abonnement

Erhalten Sie uneingeschränkten Zugang zu allen Inhalten der ZFK!

✓ Vollzugriff auf alle ZFK-Artikel und das digitale ePaper
✓ Exklusive Analysen, Hintergründe und Interviews aus der Branche
✓ Tägliche Branchen-Briefings mit den wichtigsten Entwicklungen

Ihr Abonnement auswählen

Haben Sie Fehler entdeckt? Wollen Sie uns Ihre Meinung mitteilen? Dann kontaktieren Sie unsere Redaktion gerne unter redaktion@zfk.de.

Home
E-Paper