Prominenter Besuch: Joschka Fischer (3. von links), der ehemalige grüne Außenminister und Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Joschka Fischer & Company (JFC) besuchte das klimafreundliche Klärwerk der Stadtwerke Dessau. Mit dabei waren (von links) Dietmar Huber (JFC-Geschäftsführer), Stadtratsvorsitzender Frank Rumpf, Stadtwerke-Geschäftsführer Dino Höll, Oberbürgermeister Robert Reck, Stadtwerke-Geschäftsführer Thomas Zänger.

Prominenter Besuch: Joschka Fischer (3. von links), der ehemalige grüne Außenminister und Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Joschka Fischer & Company (JFC) besuchte das klimafreundliche Klärwerk der Stadtwerke Dessau. Mit dabei waren (von links) Dietmar Huber (JFC-Geschäftsführer), Stadtratsvorsitzender Frank Rumpf, Stadtwerke-Geschäftsführer Dino Höll, Oberbürgermeister Robert Reck, Stadtwerke-Geschäftsführer Thomas Zänger.

Foto: © Stadtwerke Dessau/Oliver Harloff  

Ab 2025 wird der Kreis der Stadtwerke, die einen Nachhaltigkeitsbericht erstellen müssen, deutlich erweitert. Wer mindestens 250 Beschäftigte hat und zusätzlich entweder eine Bilanzsumme von mindestens 20 Mio. Euro oder Umsatzerlöse von 40 Mio. Euro aufweist, ist dann berichtspflichtig. So sieht es eine Änderung der Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) der EU vor. Diese soll bis Ende dieses Jahres in nationales Recht umgewandelt werden.Die Stadtwerke im sachsen-anhaltischen Dessau- Roßlau wollen die Vorgaben bereits vorzeitig umsetzen und streben im kommenden Jahr die Erstellung eines Nachhaltigkeitsberichts an.

„Ob Kohleausstieg oder Bio-Erdgasflotte, wir setzen seit vielen Jahren Maßnahmen um, die direkt auf das Thema Nachhaltigkeit einzahlen“, sagt Stadtwerke-Geschäftsführer Thomas Zänger. Die aktuelle Strategie 2025 etwa stelle die Nachhaltigkeit in den Mittelpunkt. Mit dem geplanten Reporting werde letztlich das bestehende Engagement messbar und anhand belastbarer Fakten dargestellt und transparent gemacht.

Der Kommunalversorger besteht aus den Sparten Energie, Wasser/Abwasser, Verkehr und Telekommunikation und beschäftigt rund 400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei einem Jahresumsatz von rund 197 Mio. Euro.

"Es geht auch um nachhaltige Unternehmensführung und Arbeitnehmerinteressen"

„Wir machen das auf freiwilliger Basis und wollen uns frühzeitig und ganzheitlich mit dem Thema Nachhaltigkeit auseinandersetzen. Es geht dabei nicht nur um Klima- und Umweltschutz, sondern auch um nachhaltige Unternehmensführung, Arbeitnehmerinteressen sowie die Leistungs- und Produktverantwortung des Unternehmens“, ergänzt Dino Höll, der gemeinsam mit Thomas Zänger die Geschäftsführung der Stadtwerke Dessau bildet.

Bei einem Gespräch einer großen Bank sei ihm zudem vor kurzem auch noch einmal die Bedeutung des Themas einer messbaren und belegbaren Nachhaltigkeit mit Blick auf die Finanzierung vor Augen geführt worden. „Die Werte aus dem Nachhaltigkeitsbericht beeinflussen unser Rating bei den Banken und damit künftig auch die Höhe der Zinsen.“

Die Vorbereitungen und der Erhebungsprozess haben bereits begonnen. Begleitet wird dies von dem renommierten Beratungsunternehmen Joschka Fischer & Company (JFC), dessen Geschäftsführung aus dem ehemaligen grünen Außenminister und Dietmar Huber, dem früheren Pressesprecher der grünen Bundestagsfraktion, besteht. Das Unternehmen hat diverse Nachhaltigkeitsstrategien für große Konzerne wie BMW oder Rewe, aber auch für Mittelständler entwickelt. Zustande gekommen ist der Kontakt zwischen dem JFC und den Stadtwerken Dessau, weil Geschäftsführer Huber ebenfalls aus Sachsen-Anhalt stammt.

Aktuell läuft der Sensibilisierungsprozess im Unternehmen

„Die kommunale Wirtschaft ist für uns eine neue Herausforderung, auf die wir uns freuen. In den Kommunen entscheidet sich, ob wir ein klimaneutrales Land werden können“, erklärt Huber. Vor zehn, 15 Jahren sei Nachhaltigkeit oftmals ein Marketingthema gewesen. Das habe sich durch die regulatorische Dynamik, die die Unternehmen hier zunehmend in die Pflicht nehme, geändert.

Aktuell laufe der Sensibilisierungsprozess für das Thema Nachhaltigkeitsbericht bei den Stadtwerken Dessau und in der Stadt. Zum Auftakt besuchten Joschka Fischer und Dietmar Huber gemeinsam mit Vertretern der Kommunalpolitik die Kläranlage in Dessau-Ziebigk.

"Das Umdenken muss immer beim Management beginnen"

„Das gleichwertige Abholen und Mitnehmen aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und der Stakeholder ist eine der zentralen Herausforderungen“, erklärt Lena Engel, Head of Sustainability bei JFC. Entscheidend sei hier die Geschäftsführung, die das Thema ins Unternehmen tragen müsse und entsprechende Fürsprecher im Unternehmen finden müsse. „Die Daten für den Nachhaltigkeitsbericht kommen aus den unterschiedlichsten Bereichen, das ist ein absolutes Querschnittsthema.“

„Der Prozess und das Umdenken muss immer beim Management beginnen, hier muss das Selbstverständnis für diese Thematik entstehen“, verdeutlicht Thomas Zänger. In Dessau sei die Unternehmensleitung mit einem kleineren Arbeitskreis gestartet. Die Verantwortlichkeit für die Koordination des Themas werde ein Mitarbeiter oder eine Mitarbeiterin übernehmen, der oder die direkt bei der Geschäftsführung angesiedelt sein werde. Jede Abteilung müsse dann künftig ihre Kennziffern liefern. „Jeder Bereich muss bereit sein, dieses mitzudenken und proaktiv die Daten zu liefern“, betont Zänger.

Als Richtschnur für die Berichterstattung haben sich die Stadtwerke Dessau für den Deutschen Nachhaltigkeitskodex mit 20 Kriterien zu Strategie, Prozessmanagement, Umwelt und Gesellschaft, entschieden. „Wir sind überzeugt, dass der Deutsche Nachhaltigkeitskodex auf jeden Fall auch die gesetzlichen Anforderungen, die kommen werden, erfüllen wird“, sagt Dino Höll. (hoe)

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Wie auch andere kleinere Stadtwerke erfolgreich in das Nachhaltigkeitsreporting einsteigen können, zeigt Lena Engel, Head of Sustainability, bei Joschka Fischer & Company in einem Interview am kommenden Montag im ZfK-Morningbriefing auf. Wie die Gelsenwasser AG das Reporting seit mehreren Jahren umsetzt und wie dort die Lernkurve aussieht, dazu finden Sie einen ausführlichen Artikel in der aktuellen Ausgabe der ZfK. Zum Abo geht es hier.

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