Coronabedingte höhere Defizite im Bereich Verkehr, Bäder und Eissporthalle sowie die Turbulenzen an den Energiemärkten haben im Geschäftsjahr 2021 den Ravensburger Verkehrs- und Versorgungsbetrieben (RVV) ein deutlich höheres Defizit von insgesamt 3,15 Mio. Euro beschert (2020: – 1,82 Mio.).
Neben rückläufigen Einnahmen aufgrund der zeitweiligen Schließungen der Bäder und einem geringeren Fahrgastaufkommen aufgrund der Kontaktbeschränkungen, hatte auch der Gewinneinbruch eines Beteiligungsunternehmens, der Technischen Werken Schussental (TWS), einen maßgeblichen Einfluss auf die Ausweitung der Verluste.
Die TWS konnten aufgrund des durch die Energiemarktkrise stark gesunkenen Vertriebsergebnisses nur 431.000 Euro an die RVV abführen, im Jahr 2020 waren es noch knapp 1,6 Mio. Euro gewesen. Die Städte Ravensburg und Weingarten sowie die EnBW sind Gesellschafter der TWS. Der Sprecher der TWS-Geschäftsführung Andreas Thiel-Böhm ist zudem Geschäftsleiter der RVV.
"Positive Ergebnisse sind auf absehbare Zeit nicht zu erreichen"
Die Defizite der RVV werden seit 2016 von der Stadt Ravensburg ausgeglichen, dadurch kann die Eigenkapitalquote im Bereich von 25 bis 30 Prozent gehalten werden. Trotz steigender Ausschüttungsbeträge der TWS in den vergangenen Jahren sind laut Geschäftsbericht der Ravensburger Verkehrs- und Versorgungsbetriebe „durch Eingliederung einer Vielzahl defizitärer Betriebszweige in die RVV und durch die geplante Ausweitung des Busverkehrs positive Ergebnisse auf absehbare Zeit nicht zu erreichen“.
Im laufenden Jahr erwarten die RVV erneut ein Defizit von rund 3,2 Mio. Euro, in den Jahren ab 2023 ein jährliches Minus von mehr als 3,6 Mio. Euro. Treiber dieser Entwicklung sind die steigenden Aufwendungen für den ÖPNV.
Anpassung bei Parktarifen könnte Einnahmensituation verbessern
Ein wichtiger Hebel, um die Einnahmensituation zu verbessern, liegt laut dem Geschäftsbericht im Bereich Parkierung. Hier werden seit 2016 Spartenergebnisse von 500.000 bis 600.000 Euro angestrebt. Diese sind aber ohne deutliche Anpassung der Kurzparktarife nicht erreichbar. In den letzten Jahren schrieb die Sparte deshalb in der Regel einen sechsstelligen Verlust.
TWS sollen künftig 50 Prozent ihres Ergebnisses thesaurieren können
Mit einer planmäßigen Ausschüttung wird in diesem Jahr indes von Seiten der TWS gerechnet. In der Vergangenheit hatte der Energieversorger den größten Teil der Gewinne ausgeschüttet. Im vergangenen Jahr war eine Thesaurierung aufgrund der stark gestiegenen Energiebeschaffungskosten nicht möglich.
Mit Blick auf die großen, bereits getätigten Investitionen in Netze und Erzeugungsanlagen und die Fortsetzung der Investitionsstrategie bis 2030, soll künftig 50 Prozent des Ergebnisses an die Gesellschafter ausgeschüttet und der Rest den Rücklagen zugeführt werden. Im Gegenzug sieht der neue Zielkatalog vor, dass die Ausschüttung der TWS an die Gesellschafter bis 2030 auf rund vier Mio. Euro ansteigt. (hoe)



