Die Stadtwerke Tübingen (swt) erproben gemeinsam mit dem Bauunternehmen Leonhard Weiss wie Baustellen nachhaltiger werden können. Konkret wird eine Verlegung von Fernwärmeleitungen in der Tübinger Altstadt ausgewertet.
Mit dem Bauunternehmen Leonhard Weiss arbeiteten die Stadtwerke Tübingen bereits seit vielen Jahren beim Leitungsnetzbau zusammen.
Wie klimaneutrale Baustellen funktionieren, könne man bereits vor allem auch in skandinavischen Ländern beobachten, erklärten die swt. Kopenhagen erprobte bereits 2020/2021 die erste emissionsfreie Baustelle und Oslo verfolgte 2021 seinen Ansatz einer Null-Emissions-Baustelle in der Osloer Innenstadt.
Der Pilotversuch in der Metzgergasse soll zeigen, welche Möglichkeiten und eventuell auch Grenzen für grünen Tiefbau bestehen – und dabei vor allem auch unmittelbare Entlastung vor Ort in der Tübinger Altstadt für Passanten sowie Anlieger erzielen.
Die emissionsarmen Tiefbauarbeiten sind ab dem zweiten Bauabschnitt von insgesamt fünf vorgesehen. Ein Vergleich zum ersten, herkömmlich bearbeiteten Bauabschnitt ist somit direkt.
So soll die Baustelle klimaschonend werden:
- Baumaschinen auf der Baustelle sind elektrisch angetrieben, das reduziert auch Lärmr. Es kommen der E-Radlader Volvo L25 Electric, der Raddumper Wacker Neuson DW15e sowie das baustellentypische Schlüsselgerät, der E-Minibagger TB260E, welcher von SUNCAR auf Basis eines konventionellen Takeuchi TB260 aufgebaut wird, zum Einsatz.
- Kleingeräte sollen so weit wie möglich durch akkubetriebene Alternativen ersetzt werden, beispielsweise elektrische Rüttelplatten und Stampfer
- Stromversorgung wird durch Erneuerbaren-Strom sowie einer Photovoltaikanlage auf dem Baustellencontainer vor Ort gewährleistet
- Bestandsnutzfahrzeuge wie LKW und Pritschenwagen tanken HVO (Dieselersatztreibstoff)
Durch die Nutzung der emissionsarmen Geräte und HVO-betriebenen Fahrzeuge können nach Hochrechnungen von Leonhard Weiss pro Monat bis zu sechs Tonnen CO2 eingespart werden.
Wirtschaftlichkeit noch nicht gegeben
„Ob diese Form des Tiefbaus eine Zukunft hat, hängt langfristig auch davon ab, ob klimabewusster Tiefbau dem konventionellen bei den Kosten und dem Mehraufwand den Rang ablaufen kann“, sagt Hanno Brühl, Prokurist und Bereichsleiter Energie & Innovation der swt. „ Unsere Bautätigkeiten werden in den nächsten Jahren jedenfalls deutlich zunehmen, denn die Transformationen bei Wärme, Strom und Mobilität lassen sich nicht ohne Baustellen bewerkstelligen.“
Bau kostet fünf mal so viel
Wie bei vielen technischen Geräten oder Fahrzeugen, die klimabewusster sind als fossil betriebene, seien auch alternativ angetriebene Baumaschinen und Geräte teurer. Zudem stehe das verfügbare Maschinenportfolio an E-Maschinen noch in keinem Verhältnis zu der konventionellen Produktsparte.
Darüber hinaus müssten die Einsätze von E-Baufahrzeugen und -Maschinen aufgrund der notwendigen Ladezeiten anders geplant werden.
Für die klimabewusst geplanten Bauabschnitte in der Metzgergasse lägen die Mehrkosten gegenüber der herkömmlichen Tiefbauweise im niedrigen fünfstelligen Bereich. Diese teilten sich die Stadtwerke und die Leonhard Weiss jeweils zur Hälfte.
Wirtschaftlichkeit noch nicht gegeben
Aus der Perspektive als Bauherr sehen die Stadtwerke derzeit noch nicht das Preisniveau erreicht, bei dem sich emissionsarmes Bauen flächendeckend und als allgemeiner Standard etablieren könnte. Zudem dürfe der Einsatz klimabewusster Baugeräte die Baustellenplanung oder gar die Bauzeiten nicht negativ beeinflussen.
Richtig zukunftsfähig werde der Ansatz aus Sicht der swt dann, wenn sich die Kosten für klimabewussten Tiefbau den Preisen für herkömmlichen Tiefbau angeglichen haben – oder bei perspektivisch stark steigenden Öl-, Kraftstoff- und CO2-Preisen sogar darunterfallen. (pfa)



