Octopus Energy nimmt in der Kommunikation kein Blatt vor den Mund. Das Unternehmen scheut sich auch nicht davor, mit einem "Statt-Stadtwerke-Tarif" konkret gegen die Grundversorger zu werben.
Dass das auch nach hinten losgehen kann, zeigte sich nun mit einer Unterlassungserklärung, die das Tintenfisch-Unternehmen unterzeichnet hat. Die juristische Post kam von den Dortmunder Stadtwerken DEW21.
Laut DEW 21 erfolgte die Entscheidung nach sorgfältiger Prüfung, da man der Auffassung ist, dass die von Octopus Energy im Rahmen ihrer "Statt-Stadtwerke-Kampagne" verbreiteten Vergleiche irreführend für Kund*innen sind. Octopus Energy habe inzwischen eine strafbewehrte Unterlassungsverpflichtungserklärung abgegeben.
Der CEO von Octopus Energy Germany, Bastian Gierull, zeigte sich in einem LinkedIn-Post verärgert: "Statt allen ihren Kund*innen günstige Grundversorgertarife anzubieten, haben sie uns lieber eine Abmahnung geschickt."
Octopus griff den Dortmunder Energieversorger unter anderem mit einer Social-Media-Anzeige an, in der das Unternehmen einen "Statt-Stadtwerke-Tarif für Dortmund" anbot. Die Anzeige verglich im Diagramm einen Octopus-Tarif mit dem Grundversorger-Tarif.
Octopus Energy wirbt schon länger nicht nur mit preiswerteren Tarifen, sondern auch konkret damit, dass die Tarife preiswerter als bei den Stadtwerken sind. Den "Statt-Stadtwerke-Tarif" hat Octopus Energy in mehreren Regionen verwendet.
"Wir sehen es daher als unsere Pflicht, Verbraucher*innen über ihre Einspar-Möglichkeiten aufzuklären." - Bastian Gierull, CEO von Octopus Energy Germany
Octopus kritisiert, dass die Preise in der Grundversorgung meist höher sind als die anderen Tarife der Stadtwerke. "Wir von Octopus Energy finden diese Abzocke unmöglich! Jeder braucht Zugang zu bezahlbarer, erneuerbarer Energie", schreibt Gieruell. "Wir sehen es daher als unsere Pflicht, Verbraucher*innen über ihre Einspar-Möglichkeiten aufzuklären – unter anderem durch unser Marketing."
DEW21 betont die Verantwortung der Grundversorger
"Als kommunaler Energieversorger und Grundversorger für Dortmund tragen wir eine besondere Verantwortung", erklärte eine Sprecherin von DEW21. "Unsere wichtigste Aufgabe ist es, alle Haushalte in unserer Region zuverlässig und jederzeit mit Strom und Gas zu versorgen – unabhängig von ihrem Verbrauchsverhalten oder ihren individuellen Voraussetzungen."
Im Gegensatz zu reinen Online-Anbietern stelle DEW21 sicher, dass die Tarife langfristig die Versorgungssicherheit garantierten. "Dies geschieht im Rahmen eines klar definierten rechtlichen Rahmens, der regelmäßig überwacht und geprüft wird."
Der Vorwurf, der Grundversorgungstarif sei für den durchschnittlichen Verbraucher zu teuer, greife daher zu kurz. Die Grundversorgung habe in erster Linie die Aufgabe, eine stabile und verlässliche Energieversorgung zu gewährleisten und ist bundesweit eines der wichtigsten Mittel im Kampf gegen Energiearmut.
Darüber hinaus böte DEW21 eine Vielzahl wettbewerbsfähiger Tarife und ermutigte aktiv alle Verbraucher*innen, sich umfassend über die Tarifvielfalt zu informieren, um eine für sie passende Entscheidung zu treffen.
"Aggressive Kommunikationsstrategie"
"In Bezug auf unsere weiteren rechtlichen Schritte warten wir die Entwicklung des Verfahrens ab", erklärte DEW21.
Am Image von DEW21 nagt neben dem Rausschmiss der CEO Heike Heim weiterhin der Stadtenergieskandal. Darauf verweist Gierull auch noch in seinem Posting und empfiehlt einen Artikel zu den Stadtwerken Dortmund "und deren Geschäftspraktiken."
Die von Octopus Energy gewählte aggressive Kommunikationsstrategie sei in der deutschen Energiebranche unüblich. "Als kommunales Unternehmen legen wir großen Wert auf einen respektvollen und faktenbasierten Dialog", so die Sprecherin. "Unser Fokus liegt auf einer transparenten und verlässlichen Kommunikation, die das Wohl unserer Kund*innen und die langfristige Stabilität der Energieversorgung in den Mittelpunkt stellt." (pfa)



