Andreas Speith (links), Geschäftsführer von Westfalen Weser Netz, und Jürgen Noch, Geschäftsführer von Westfalen Weser Energie, bei der Bilanzpressekonferenz für das Geschäftsjahr 2023.

Andreas Speith (links), Geschäftsführer von Westfalen Weser Netz, und Jürgen Noch, Geschäftsführer von Westfalen Weser Energie, bei der Bilanzpressekonferenz für das Geschäftsjahr 2023.

Bild: © Westfalen Weser

Der Energieversorger und Netzbetreiber Westfalen Weser plant ohne den Rückbau von Gasnetzen. "Wir rechnen damit, dass wir das Gasnetz in angepasster Form weiterhin nutzen werden, vor allem im Hinblick auf Industriekunden", sagte Geschäftsführer Andreas Speith bei der Bilanzpressekonferenz zum abgelaufenen Geschäftsjahr. Außerbetriebnahmen von bestehenden Netzen soll es hingegen geben.

Das kommunale Unternehmen unterstützt zudem Städte und Gemeinden im Netzgebiet auf Wunsch bei der kommunalen Wärmeplanung. "Technologieoffen und vernetzt" seien hier wichtige Stichworte, sagte Geschäftsführer Jürgen Noch. Neben Wärmepumpen und der Umstellung auf "grüne" Gase stehe vor allem der Ausbau der Nah- und Fernwärmenetze auf der Agenda.

Mit Blick auf Wärmenetze forderte Speith bessere Rahmenbedingungen. Das betreffe vor allem den rechtlichen Rahmen und mehr Investitionssicherheit. "Wir müssen uns entscheiden, wo wir auf welche Lösung setzen. Flächendeckende Strom-, Gas- und Wärmenetze in einem Gebiet sind volkswirtschaftlich nicht sinnvoll", so der Geschäftsführer.

In den vielen kleineren Ortschaften im Netzgebiet geht Westfalen Weser derzeit von dezentralen Lösungen aus. Sprich: etwa Wärmepumpen. Wollten die Kommunen dort Wärmenetze errichten, brauche es "Hilfestellungen". Das könnten neben Programmen des Bundes auch kommunale Förderungen sein.

Kein Anschlussstopp

Eine weitere große Herausforderung erwartet Westfalen Weser beim Ausbau des Stromnetzes. Der Anteil des erneuerbaren Stroms am Bruttoverbrauch liegt im Netzgebiet mit knapp 69 Prozent bereits deutlich höher als im Bundesdurchschnitt, wo es 2023 gut 52 Prozent waren. 53.000 PV-Anlagen – rund 9.000 mehr als im Vorjahr –, über 600 Windkraft- und 150 Biomasseanlagen speisen mittlerweile Strom in das Netz ein. Der Versorger plant deshalb, in den kommenden zehn Jahren rund 1,5 Mrd. Euro in die Netze und ihre Digitalisierung zu investieren.

"Wir gehen davon aus, dass wir in den nächsten Jahren unser Netz im Grunde komplett neu bauen werden", so Geschäftsführer Speith. In Kreisen mit starkem Erneuerbaren-Ausbau wie etwa Höxter komme der Netzausbau dem Ausbau von Erneuerbaren-Anlagen kaum hinterher. "Es geht darum, in Gebieten, die bisher über wenig Netzinfrastruktur verfügen, den Transport von erneuerbarem Strom zu ermöglichen", so Speith weiter. Ein Anschlussstopp von neuen PV-Anlagen sei derzeit aber nicht zu befürchten.

Investition in Batteriespeicher

Um überschüssigen Grünstrom besser zu nutzen, setzt Westfalen Wester zudem auf Energiespeicher. Aktuell größtes Projekt in diesem Bereich ist der geplante Batteriespeicher am ehemaligen Kernkraftwerkstandort Würgassen mit einer Leistung von zunächst 120 Megawatt (MW), einer Kapazität von 280 Megawattstunden (MWh) und einem Investitionsvolumen von 92 Mio. Euro.

Der Speicher soll zunächst vor allem Regelleistung zur Verfügung stellen, später aber auch am Handel an den Spotmärkten teilnehmen. Geschäftsführer Noch sprach von einem "interessanten Nebengeschäft."

Lokaler Wasserstoff

Gemeinsam mit Partnern errichtet Westfalen Weser in Lichtenau bei Paderborn zudem einen 10-MV-Elektrolyseur. Der Wasserstoff soll für die Industrie und ein Wasserstofftankstellen genutzt werden. Sowohl der Wasserstoff als auch die Abwärme des Elektrolyseurs können zudem in der lokalen Wärmeversorgung zum Einsatz kommen. Außerdem will der Versorger die netzdienliche Speicherung erproben und so den Redispatch von Windanlagen verringern.

Auch in der Verkehrswende ist das Unternehmen aktiv. Das Tochterunternehmen Westfalen Weser Ladeservice stellt mittlerweile rund 2000 Ladepunkte bereit.

Umsatz deutlich gesteigert

Für die kommenden Investitionen sieht sich Westfalen Weser gut aufgestellt. Der Konzern hat 2023 die Umsatzerlöse um 101 Mio. Euro auf nun 959 Mio. Euro gesteigert, sowie 46 neue Beschäftigte gewonnen. Damit arbeiten nun 1066 Menschen für den Kommunalversorger.

Zudem hat Westfalen Weser die Auszahlungen erhöht: 55,7 Mio. Euro flossen 2023 an die rund 56 kommunalen Gesellschafter. Das waren 15 Mio. Euro mehr als im Vorjahr. Gleichzeitig investierte der Versorger 113,5 Mio. Euro, vor allem in die Netzinfrastruktur. (jk)

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