Von der Neuausrichtung des Vertriebs hat die Rheinenergie nach eigenen Angaben in der jüngsten Energiekrise gleich mehrfach profitiert – ob bei Tarifanpassungen oder auch in der Hochphase der Energiepreisbremsen. „Wir waren in der Lage, recht schnell zu reagieren“, fasst der scheidende Vertriebsvorstand Achim Südmeier zusammen.
Neben digitalisierten Backoffice-Prozessen und nahezu völliger Transparenz durch automatisierte Dashboards für die Mitarbeitenden zählen auch die Transformation zu einer agilen Organisation und crossfunktionale Teams zu den wichtigen neuen Säulen. All das gibt es seit rund drei Jahren.
Rund 60 Prozent der möglichen Prozessoptimierung im Vertrieb habe die Rheinenergie mittlerweile in etwa realisiert, sagt Südmeier.
Was man sich von einer Vertriebs- und Abrechnungsplattform erhofft
Die restlichen 40 Prozent sollen jetzt über den Aufbau einer neuen integrierten Vertriebs- und Abrechnungsplattform gehoben werden, die den Digitalisierungs- und Automatisierungsgrad noch einmal signifikant erhöhen wird.
Diese wird sämtliche dort anfallenden energiewirtschaftlichen Prozesse im Vertrieb abbilden – von der Beschaffung bis hin zur Produktgenerierung, der Abrechnung und dem Beschwerdemanagement.
Integrierte Lösung soll bis Ende 2025 stehen
Solch eine umfassende, integrierte Lösung gebe es im deutschen Energiemarkt allerdings momentan gar nicht, bekräftigt der Vertriebsvorstand. Zumindest nicht für einen Energieversorger von der Dimension der Rheinenergie, die als großes regionales Stadtwerk mit bundesweitem Vertrieb Daten von Millionen Kunden verwalten muss, sagt Südmeier.
"Ziel ist es, die Auswahl bis Ende 2025 abgeschlossen zu haben“, versichert der Vertriebsvorstand. Man werde dabei sowohl auf Neuentwicklungen der Anbieter als auch auf bereits vorliegende, standardisierte Lösungen zurückgreifen, befinde sich aber auch im Austausch mit den Anbietern über eine gemeinsame Entwicklung.
Achim Südmeier arbeitet seit Beginn der Liberalisierung im Energievertrieb, zuerst in führenden Positionen bei RWE, seit Juli 2015 als Vertriebsvorstand bei der Rheneinergie. Ende Oktober scheidet er altersbedingt aus, sein Nachfolger wird der aus dem Eon-Konzern stammende Stephan Segbers.
Integration von echtzeitfähigen Tarifen als perspektivische Herausforderung
Die nächste große Herausforderung für die Vertriebslandschaft der Rheinenergie werde dann künftig die volle Integration von echtzeitfähigen Tarifen und Informationen sein. „Wenn wir ehrlich sind, kann man aber eine vollautomatisierte systemische Unterstützung in einer echtzeitfähigen Landschaft momentan noch nicht kaufen. Daran wird noch gearbeitet“.
Treiber für diese künftigen IT-Erfordernisse werden die Energiewende und die damit einhergehenden tiefgreifenden Umbrüche im Energiemarkt sein. Diese würden den Energievertrieb nachhaltig verändern.
Trend geht künftig in Richtung Energiedienstleistungs-Vertrieb
„In der neuen regenerativen Welt werden die Preisschwankungen untertägig, wöchentlich und monatlich sehr viel größer sein als das, was wir bisher kennen“, prognostiziert er. Der Trend werde sich in Richtung Energiedienstleistungsvertrieb entwickeln.
„Da wird es zum einen um die Optimierung von Energiekosten durch intelligente Inanspruchnahme von Strom oder Wärme gehen, etwa über lastvariable Tarife. Zum anderen, um die Zurverfügungstellung einer digitalen Infrastruktur, die es ermöglicht, diese Leistung zu nutzen, etwa eine Wärmepumpe oder Batterie“, ist Südmeier überzeugt. (hoe)
------------------------------------
Einen ausführlichen Artikel über die zentralen Etappen der digitalen Transformation des Vertriebs der Rheinenergie und die geplante Weiterentwicklung, mit vielen interessanten Einschätzungen von Achim Südmeier, lesen Sie in der Septemberausgabe der ZfK, die Anfang dieser Woche (11. September) erschienen ist. Zum Abo geht es hier.



