Er hatte da ein Beteiligungsmodell in der Schublade: Christian Müller ist Geschäftsführer der Stadtwerke Bad Bergzabern.

Er hatte da ein Beteiligungsmodell in der Schublade: Christian Müller ist Geschäftsführer der Stadtwerke Bad Bergzabern.

Bild: SW Bad Bergzabern

Von Pauline Faust

Der Konsolidierungsdruck steigt. Zwischen einer kompletten Geschäftsaufgabe und einer Neuerfindung gibt es für kleinere Stadtwerke allerdings eine Vielzahl von Optionen. Die Stadtwerke Bad Bergzabern in Rheinland-Pfalz gehen nun schon zum zweiten Mal den Weg einer stillen Beteiligung mit einem benachbarten Stadtwerk.

"Das ist in etwa so, als ob man bei uns Geld anlegt und wir eine Verzinsung auszahlen", erklärt Christian Müller, Geschäftsführer der Stadtwerke Bad Bergzabern. Tatsächlich werden hier Assets gegen eine Gewinnbeteiligung getauscht – ein Modell, das den Stadtwerken finanzielle Spielräume eröffnet, ohne die kommunale Kontrolle aufzugeben.

Kurzfristig ohne Dienstleister

Das nahe gelegene Rheinzabern suchte eine Lösung für sein Stadtwerk. Der betriebsführende Dienstleister hatte im März kurzfristig – aber fristgerecht – erklärt, zum Ende des Jahres kündigen zu wollen. Müller ging proaktiv auf Sabrina Welker, die Bürgermeisterin von Rheinzabern zu, berichtet er: "Ich habe erklärt, dass sie schnell eine Lösung finden müssen, da die hiermit verbundenen Prozesse lange dauern." Rheinzabern ließ sich von BBH beraten und wog auch Vorschläge von anderen EVU ab – die Entscheidung fiel schlussendlich aber auf den Vorschlag von Müller.

"Es ist wirklich charmant, weil es unkompliziert ist."

"Ein reines Betriebsführungsmodell ergibt bei dieser Größe keinen Sinn, die Fixkosten steigen immer weiter," so Müller. Das Modell der stillen Beteiligung, das jetzt genutzt wird, "war schon in der Schublade" und passte. "Es ist wirklich charmant, weil es unkompliziert ist." So erspare man sich etwa eine aufwendige Unternehmensbewertung.

"Das Modell" gibt es in Bergzabern seit 2014. Im Rahmen einer Softwareumstellung hatte das kommunale Unternehmen damals seinen Netzbetrieb analysiert: "Es war klar, dass wir einen größeren finanziellen Spielraum brauchen, um in Zukunft wirtschaftlich zu sein", so Müller, der seit 2008 Geschäftsführer in Bad Bergzabern ist. Mit einer stillen Beteiligung hatte er bereits Erfahrung, da die Stadtwerke bei Pfalzgas Geld eingelegt haben.

Stadt bleibt Eigentümer

Einen idealen Partner gab es auch schon im benachbarten Winden, für das kleine EVU mit rund 550 Zählpunkten hatte Bergzabern schon länger die Betriebsführung übernommen. Eine Weiterentwicklung dieses Konzepts bot Bergzabern also dort an, mit dem Ergebnis: Die Stadt ist nun weiterhin hundertprozentiger Eigentümer des EVU, hat aber das Netz und die Vertriebskunden an Bad Bergzabern ausgelagert und bekommt dafür eine Gewinnbeteiligung.

Auch den neuen Vertragspartner Rheinzabern kannten die Stadtwerke Bad Bergzabern schon gut, da sie technische Netzbetriebsdienstleistungen für sie erbringen. Allerdings ist der Deal größer als der mit Winden: "Wir wachsen auf einen Schlag um ein Drittel", berichtet Müller. "Im Netz kommen zu 8000 Messpunkten rund 2700 dazu, zu den bisherigen 7400 Stromkunden weitere 1600." Der Vertrag ist an die bestehenden Konzessionsverträge gekoppelt, die noch bis 2033 laufen.

Das große Ziel: Kosten einsparen

Synergieeffekte ergeben sich vor allem in der Betriebsführung. "Wir können Dienstleistungen und Software gemeinsam nutzen und so Kosten sparen", erklärt Müller. Allein bei den IT-Kosten und Personalkosten lassen sich 100.000 Euro pro Jahr einsparen. "Das sind viele kleine Kostenpunkte, die sich aber summieren und von denen beide Seiten profitieren." Das sei auch notwendig, denn: "Die gesetzlichen Anforderungen nehmen stetig zu, und die IT-Dienstleister können mittlerweile fast verlangen, was sie wollen."

"Der Partner profitiert aber trotzdem von dem, was in seinem Bereich erwirtschaftet wird."

Müller ist von dem Konzept überzeugt, auch wenn er es nicht für jeden empfehlen würde. "Es muss einfach zum jeweiligen Partner passen. Wir haben schon eng zusammengearbeitet und hatten teilweise die gleichen Softwares." Mit der stillen Beteiligung konnte man einen Partner mit ins Boot holen, ohne Anteile oder Teile des Geschäfts abzugeben. "Der Partner profitiert aber trotzdem von dem, was in seinem Bereich erwirtschaftet wird."

Langfristig wollen sich die Stadtwerke Bad Bergzabern breit aufstellen, um flexibel auf Marktveränderungen reagieren zu können. "Wir wachsen mit Augenmaß", betont Müller.

Lesen Sie weiter mit Ihrem ZFK-Abonnement

Erhalten Sie uneingeschränkten Zugang zu allen Inhalten der ZFK!

✓ Vollzugriff auf alle ZFK-Artikel und das digitale ePaper
✓ Exklusive Analysen, Hintergründe und Interviews aus der Branche
✓ Tägliche Branchen-Briefings mit den wichtigsten Entwicklungen

Ihr Abonnement auswählen

Haben Sie Fehler entdeckt? Wollen Sie uns Ihre Meinung mitteilen? Dann kontaktieren Sie unsere Redaktion gerne unter redaktion@zfk.de.

Home
E-Paper