Das Steag-Steinkohlekraftwerk in Bergkamen ist am gestrigen Montag wieder in Betrieb gegangen. Zuvor hatte die Anlage wegen einem zu geringen Brennstoffbestand einige Tage stillgestanden.
Der Engpass habe im Wesentlichen mit den nicht verfügbaren Binnenlogistik-Kapazitäten zusammengehangen, erklärte ein Steag-Sprecher auf ZfK-Anfrage. Da diese in den letzten Jahren nicht „in diesem Umfang benötigt“ wurden, seien Kapazitäten abgebaut worden. Diese könnten erst allmählich wieder erhöht werden. Steinkohle hingegen sei auf dem Weltmarkt ausreichend vorhanden.
"Bergkamen ist ein Sonderfall"
Bergkamen sei ein Sonderfall innerhalb der Steag-Gruppe, an allen übrigen Standorten seien hinreichend Vorräte vorhanden, so der Sprecher weiter. Zudem sei Bergkamen auch deshalb eine Ausnahme, weil es das einzige Kraftwerk der Steag ohne Gleisanschluss sei, sodass die Transportprobleme sich hier unmittelbarer bemerkbar machten als andernorts.
Die Lagerbestände für Steinkohle in Amsterdam, Rotterdam und Antwerpen sind laut der Handelsabteilung der Stadtwerke Heidenheim aktuell sehr gering. Sie befänden sich auf dem niedrigsten Stand seit 2018. „Damit einhergehend könnten, bei einem weltweit kontinuierlich hohen Bedarf an Kohle über den Winter, weitere Kraftwerksbetreiber vor Herausforderungen gestellt werden“, heißt es in einem Statement der Analysten.
Vor allem in Anbetracht der aktuell hohen Gaspreise auf dem Markt und der damit resultierende Nachfrage nach Kohle für die Stromerzeugung.
"Vor allem die Wetterlage ist von zentraler Bedeutung"
„Für ein nachhaltiges Anhalten des Phänomens müssten viele Faktoren übereinstimmen. Hierbei ist vor allem die Wetterlage von zentraler Bedeutung“, so die Handelsabteilung der Stadtwerke Heidenheim.
Ein kalter Winter in Europa und Asien könnte für eine steigende Nachfrage sorgen. In Verbindung mit geringen Lagerbeständen, sei zumindest Potential für ein kurzfristiges Problem vorhanden. Nicht zuletzt sorgten die im letzten halben Jahr stark angestiegenen Gaspreise auch auf dem Kohlemarkt für eine stärkere Nachfrage.
Entspannung auf dem Gasmarkt ab dem 2. Quartal 2022?
Im Gegensatz dazu habe sich das Angebot nur langsam auf die Nachfragezunahme einstellen können. Insbesondere Handelsstreitigkeiten zwischen China und Australien, Restriktionen in Indonesien, sowie diverse Streiks in Südafrika und Kolumbien führten zu einem geringen Angebot. Mittelfristig (in etwa ab Q2-22) sei mit einer Entspannung auf dem Gasmarkt zu rechnen. Milderes Wetter und weitere Gaslieferungen aus Russland sollten dazu beitragen.
Die aktuelle Situation zeige aktuell einen Gaspreis, der deutlich über dem Wechselpreis von Kohle zu Gas stehe. Sollte der Winter jedoch deutlich kälter und länger als erwartet werden, sei auch mittelfristig mit dem Phänomen zu rechnen, so die Analysten aus Heidenheim.
In einer langfristigen Betrachtung werde aber durch eine Abschaltung von Kraftwerkskapazitäten in Deutschland bereits das Problem für Kraftwerksbetreiber, durch die geringere Nachfrage und damit einhergehend niedrigerem Risiko eines Versorgungsengpasses mit Kohle, gelöst. (hoe)



