Matthias Lux ist Vorsitzender Geschäftsführer der Stadtwerke Halle.

Matthias Lux ist Vorsitzender Geschäftsführer der Stadtwerke Halle.

Bild: © Stadtwerke Halle

Von Hans-Peter Hoeren

Ob Energiewende, Mobilitätswende, steigende Anforderungen an den Ressourcen- und Umweltschutz in der Wasserver- und Abwasserentsorgung – die Stadtwerke Halle stehen bis 2045 vor Investitionen wie noch nie zuvor. Die Planung bis 2034 sieht allein Aufwendungen von rund 1,2 Milliarden Euro vor.

"Wir prüfen alle sinnvollen Finanzierungswege, die diese Investitionen ermöglichen können", sagt Matthias Lux, Vorsitzender Geschäftsführer der Stadtwerke Halle. Dazu gehörten neben Fördermitteln auch Eigenkapital- und Fremdkapitalfinanzierungen. Hinzu kommen die aus Investitionen entstehende Innenfinanzierungskraft sowie Baukostenzuschüsse und Anschlusskostenbeiträge.

Entlastung der Stadtwerkebilanz

Um sich – angesichts der anstehenden Investitionsherausforderungen – Spielräume in der Bilanz und beim verfügbaren Eigenkapital zu erhalten, geht der Kommunalversorger neue Wege und setzt seit rund acht Jahren auch auf sogenannte Off-Balance-Finanzierungen (außerbilanzielle oder nicht bilanzwirksame Finanzierungen) in Joint-Venture-Gesellschaften. 

"Ziel ist es dabei, Investitionen mit zwischen den Partnern geteiltem Eigenkapital sowie Darlehen zu finanzieren. Eine Vollkonsolidierung auf die Bilanz der Partner und die Stellung von Sicherheiten sollen dabei nicht erfolgen", resümiert Lux. 

Auf echte Joint-Venture-Strukturen setze man seit einigen Jahren bei der Finanzierung von Freiflächen-Photovoltaikanlagen. Ziel ist es, Anlagen mit einer Leistung von 200 Megawatt Peak (MWp) zu errichten. Rund 140 Megawatt (MW) sind inzwischen in Betrieb, überwiegend in Ostdeutschland. Dabei ist man auch für Kooperationen mit institutionellen Partnern aus der Privatwirtschaft offen, etwa mit der Ingenieurversorgung Baden-Württemberg. 

Erfolgsfaktoren der Joint Ventures

"Die Erfahrungen sind durchweg positiv", berichtet Lux. Damit das Ganze funktioniere, seien aber einige Grundregeln zu beachten. Echte Joint Ventures bestünden im Wesentlichen aus gemeinsamen Gesellschaften, bei denen keiner der Partner den anderen dominieren könne. Dass beide Partner jeweils 50 Prozent der Anteile hielten, sei deshalb erforderlich, damit bei mehr als zwei Parteien keiner mehr als 50 Prozent habe. 

"Man muss also bereit sein, die Kontrolle nur gemeinsam ausüben zu können – das ist eine Frage der Partnerschaft und der Unternehmenskultur", stellt der Stadtwerke-Chef klar. Die Partner sollten zueinanderpassen. Ein Investor aus dem Bereich der Altersversorgung habe in der Regel Kapitalanlageinteressen, die Anliegen der Stadtwerke hingegen seien energiewirtschaftlicher Art – dort gehe es primär um die Nutzung grünen Stroms.  

Seine Ausbauziele hat der Kommunalversorger aus Sachsen-Anhalt mittlerweile auf rund 800 Megawatt Peak erweitert. Damit könnte man perspektivisch den gesamten grünen Strom erzeugen, der für die Stadt Halle benötigt wird. 

Kooperationen mit Stadtwerken und weiterem Versorgungswerk geplant

Nach den guten Erfahrungen mit dem Versorgungswerk aus Baden-Württemberg habe man zwei weitere Joint Ventures gegründet. Eines mit den Stadtwerken Dessau und das andere mit einem mittelständischen Bauunternehmen. 

"In allen Fällen geht es um PV-Anlagen, von der Flächenakquisition bis zum langfristigen, gemeinsamen Betrieb. Die Strukturen und Verträge sind einander in allen Fällen sehr ähnlich", verdeutlicht Lux. Zudem sei man bereits sehr weit in der Entwicklung zusätzlicher Gemeinschaftsunternehmen, unter anderem mit einem weiteren Versorgungswerk, dem Kommunalen Versorgungsverband Sachsen-Anhalt, sowie den Stadtwerken Lutherstadt Wittenberg. Darüber hinaus befänden sich noch Partnerschaften in der Anbahnungsphase. 

Klar umgrenzte Einsatzfelder

Off-Balance-Finanzierungen können als Alternative helfen, wenn man sie für klar abgrenzbare Wirtschaftsgüter einsetze, wie beispielsweise bei Großwärmepumpen oder Wasserwerken, fasst Lux zusammen. "In den Netzen für Energie, Wasser und Abwasser sehen wir sie eher nicht. Die Grenzen sind sicher auch dort erreicht, wo der strategische Kern des Unternehmens berührt wird oder Sicherheiten der Partner gestellt werden müssen."

Die Investitionssumme der Stadtwerke Halle von rund 1,2 Milliarden Euro bis einschließlich 2034 fließt nach Angaben der Stadtwerke vor allem in die Energiewende mit den Schwerpunkten Netze und Erzeugung. Ebenfalls enthalten sind Investitionen für die Mobilitätswende und in den Ressourcen- und Umweltschutz bei Trinkwasserversorgung und Abwasserentsorgung sowie für den Sektor Abfallentsorgung.

Alternative Finanzierungsansätze wie der in Halle werden in der gesamten Stadtwerkebranche mit Interesse verfolgt und gewinnen an Bedeutung. Laut einer VKU-Mitgliederumfrage sehen sich nur 30 Prozent in der Lage, die notwendigen Investitionen in die Energiewende vor Ort aus der Innenfinanzierung zu stemmen. 

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