Bereits eine durch Vorgänger veranlasste Prüfung im Jahr 2019 habe ergeben, dass das Entgelt für Fernwärme zu hoch war, erklärt Michael Böddeker, Geschäftsführer, SWN.

Bereits eine durch Vorgänger veranlasste Prüfung im Jahr 2019 habe ergeben, dass das Entgelt für Fernwärme zu hoch war, erklärt Michael Böddeker, Geschäftsführer, SWN.

Bild: © Stadtwerke Neumünster

Die Stadtwerke Neumünster Beteiligungen GmbH hat ihre positive operative Entwicklung im vergangenen Jahr fortgesetzt und erneut positive Jahreszahlen vorgelegt. Dank eines Sondereffekts schloss der zu 100 Prozent kommunale Konzern aus Schleswig-Holstein das Geschäftsjahr 2021 mit einem Plus von 14,5 Mio. Euro (2020: vier Mio. Euro) ab – das entspricht laut Unternehmensangaben dem besten Ergebnis seit zehn Jahren.

Erstmalig seit 2017 wird es wieder eine Ausschüttung an die Stadt geben und zwar in Höhe von zwei Mio. Euro.

„SWN fährt trotz des zweiten Pandemiejahres in stabilem ökonomischem Fahrwasser“, berichtete SWN-Geschäftsführer Michael Böddeker. Grund für den einmaligen Gewinnsprung ist die Rückzahlung zu viel bezahlter Konzessionsagaben an die Stadt. Diese muss komplett versteuert werden.

Stadt stellte 16 Mio. Euro zu viel an Gestattungsentgelten in Rechnung

Seit 2010 waren der SWN insgesamt 16 Mio. Euro an Gestattungsentgelten zu viel in Rechnung gestellt worden. Der Missstand war durch ein gemeinsam erstelltes Gutachten festgestellt worden.

Durch das erneute positive Jahresergebnis hat das Unternehmen, das vor einigen Jahren einen Restrukturierungsprozess durchlaufen musste, die Eigenkapitalquote auf 30 Prozent verbessert. Diese liegt damit über Vorkrisenniveau, 2016 hatte sie noch bei 27,1 Prozent gelegen.

Insgesamt hätten die SWN weniger Fremdkapital aufnehmen müssen, die Verschuldung des kommunalen Konzerns sei reduziert worden, heißt es weiter.

SWN-Chef Böddeker: "Stärken weiterhin unsere eigene Leistungsfähigkeit"

 „SWN ist gesund und zukunftsfit – wir haben den Willen zum Wandel bewiesen und stärken weiterhin unsere eigene Leistungsfähigkeit“, erklärt Michael Böddeker. Auch das zweite Coronajahr habe man als Chance genutzt und die Digitalisierung des Unternehmens vorangebracht und interne Prozesse weiter optimiert.

„Ganz wesentlich dabei waren der Zusammenhalt und der Wille unserer Mitarbeitenden, die Zukunft von SWN über neue Wege mitzugestalten“, lobt Böddeker . Langfristig ertragreiche Geschäftsfelder würden die SWN weiter ausbauen. „Insbesondere die neuen Geschäftsfelder E-Mobilität und Telekommunikation haben eine relevante Größe und Wichtigkeit erreicht“, versichert Böddeker.

Rund 29 Millionen Euro investierte das kommunale Unternehmen in die Versorgungssicherheit. Diese Investitionen betrafen vor allem die Geschäftsfelder Glasfaser-, Fernwärme- und Wassernetz sowie die anstehende Umstellung der Kohlekessel auf Gas.

Deutlicher Zuwachs bei den Telekommunikationskunden

Die Geschäftsfelder Energievertrieb und Energiebeschaffung konnten die Stadtwerke nach Plan abschließen. Im Bereich der Telekommunikation hatte SWN zum Jahresende 2021 insgesamt gut 70.000 Kunden unter Vertrag; über 12.000 mehr als im Vorjahr.

Im Bereich Wasser verzeichneten die Stadtwerke pandemiebedingt und durch die wachsende Abnahme der Industrie einen weiterhin hohen Wasserabsatz von 5,755 Millionen Kubikmetern in 2021 im Vergleich zu ebenfalls hohen 5,561 Millionen Kubikmetern in 2020.

Anders war die Situation im ÖPNV und im Bäderbereich: Hier waren die Fahrgast- respektive Besucherzahlen coronabedingt deutlich rückläufig. Dank Mitteln aus dem Finanzausgleichsgesetz und Unterstzützungen des Landes konnte das Verkehrsdefizit dennoch auf 4,2 Mio. Euro reduziert werden (2020: - 4,9 Mio. ). Kosteneinsparungen und Fördergelder führten auch bei der SWN Bäder und Freizeit GmbH zu einer Verbesserung des Defizits auf – 3,2 Mio. Euro.

Kohleausstieg rückt näher

Für das Geschäftsjahr 2022 plant der SWN-Konzern ein Jahresergebnis von rund 4,2 Millionen Euro; Sondereffekte wie 2021 seien nicht zu erwarten. „Wir liegen aktuell gut im Plan“, erklärte Michael Böddeker. Im kommenden Jahr plant das Unternehmen den Kohleausstieg,, dann sollen Erdgaskessel in Betrieb gehen, die jährlich rund 50.000 Tonnen CO2 einsparten.

Der Hauptanteil der Neumünsteraner Fernwärme wird durch Ersatzbrennstoff (aufbereiteter Restabfall) produziert. In den Wintermonaten reicht die Leistung der Thermischen Ersatzbrennstoff-Verwertungsanlage, kurz TEV, nicht aus. Zirka von Oktober bis März kommen daher „Zusatz-/Spitzenlast-Kessel“ zum Einsatz. Diese wurden bisher mit Kohle betrieben.

Derzeit sind neue Spitzenlastkessel im Bau, welche mittels Gas ausschließlich Wärme bereitstellen sollen. Die Fertigstellung des Baus ist für den kommenden Winter 2022/2023 geplant. Nach der Inbetriebnahme der neuen Kessel (geplant im 1. Quartal 2023) sollen nach derzeitiger Planung die Kohlekessel stilllegelegt werden. Die Stadt Neumünster will bis 2035 klimaneutral sein. (hoe)

 

 

 

 

 

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