Interessierte haben bereits 10.000 Euro aus dem ersten Fördertopf des Crowdfundings der Stadtwerke Jena nachgefragt. (Symbolbild)

Interessierte haben bereits 10.000 Euro aus dem ersten Fördertopf des Crowdfundings der Stadtwerke Jena nachgefragt. (Symbolbild)

Bild: © thithawat/AdobeStock

Köln. „Man kann den Eindruck bekommen, dass die Banken die Finanzierung der Stadtwerke lieber der KfW überlassen wollen“, sagt Karsten Specht, Geschäftsführer vom Oldenburgisch-Ostfriesischer Wasserverband.

Angesichts der bevorstehenden Investitionen in Strom- und Wärmeinfrastruktur wurde das Thema am Mittwoch auf einem Panel beim VKU-Stadtwerkekongress besprochen. Dass die meisten Stadtwerke aus der Innenfinanzierungskraft die Energiewende stemmen können, damit rechnet man hier nicht.

Der hohe Finanzierungsbedarf bereitet den Stadtwerken und Kommunen zunehmend Kopfzerbrechen. „Ich hätte gerne eine Strategie, um diesen Voraussetzungen gerecht zu werden“, sagt Carmen Haberstroh, Oberbürgermeisterin der Stadt Metzingen.

Bei den Kommunen als Eigentümern sieht sie wenig Spielraum für eine Stärkung des Eigenkapitals der Töchter: „Wir schaffen es als Kommunen nicht, wenn wir einen ausgeglichenen Haushalt haben sollen.“ Für Investitionen in die Energiewende sollten daher Sonderregelungen gelten, bzw. eine Förderung von Land und Bund kommen.

Verunsicherung durch die Zurückhaltung der Banken

Dass die Banken Sicherheiten möchten, verstehe sie, erklärt Martina Butz, Geschäftsführerin der Stadtwerke Hanau. Allerdings arte die damit verbundene Bürokratie aus.

Zudem wünsche sie sich einen „offeneren Blick der Banken“: „In der Krise wurde gezweifelt, ob alle Stadtwerke diese überleben.“ Das sorge für Unsicherheit. In Hanau suche man verstärkt strategische Partner für einzelne Projekte.

Regulatorik hinkt hinterher

Für Hausbanken ist es herausfordernd, den großen Kapitalbedarf zu decken. „Die Rahmenbedingungen für Kreditzusagen an kommunale Unternehmen sind an sich gesetzt, wir haben einen regulatorischen Rahmen“, betont Bankdirektor Jan Kastenschmidt, Bereichsleiter Öffentliche Hand bei der Landesbank Hessen-Thüringen. „Am Ende des Tages brauchen wir eine Tragfähigkeit, die auch belegt werden muss.“

Für Zukunftsinvestitionen der kommunalen Unternehmen, etwa in ein Wasserstoffnetz bräuchte es noch einen politischen Rahmen, und das nicht nur für die Banken, sondern auch für den Kapitalmarkt.

„Wir brauchen mehr Geld in unserem System." - Carsten Harkner

„Wir sind nicht typisch kapitalmarktfähig wie es die Banken gerne hätten“, erklärt Carsten Harkner, Geschäftsführer der Städtische Werke Magdeburg.

„Wir brauchen mehr Geld in unserem System, wir konkurrieren dabei nicht untereinander, sondern mit anderen Branchen. Wir sollten als Branche fordern, das anerkannt wird: Was wir Stadtwerke tun, ist ESG konform.“

Neue Kapitalgeber finden

Nun gehe es verstärkt darum neben den Banken Kapitalgeber zu finden. Dafür müsse man aber auch attraktiv für die Investoren werden, was allerdings schwierig sei, solange das Eigenkapital nicht wachse.

Auch Harkner spricht sich für eine Finanzierung über Staatsanleihen oder einen Transformationsfond vom Bund aus, der den Stadtwerken hilft über die erste Finanzierungshürde zu kommen.

Transformationsrisiko kann berücksichtigt werden

„Taxonomie ist für uns auch ein neues Thema, da sind wir dran“, sagt Bankdirektor Jan Kastenschmidt. Im Moment nehme man allgemein an, Stadtwerke seien nachhaltig, was künftig wohl nicht so bleibe.

Allerdings könnten die Banken auch die transitorischen Risiken bewerten, also ob ein Stadtwerk, sich positiv in Sachen Nachhaltigkeit entwickelt. „Ich sehe nicht, dass sich die öffentlichen Banken aus der Kommunalfinanzierung zurückziehen.“ (pfa)

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