Die Stadtwerke Pforzheim (SWP) haben im vergangenen Jahr operativ rote Zahlen geschrieben – auch wenn aufgrund von Buchgewinnen beim Verkauf des Biomasse-Kraftwerksblocks an eine Tochterfirma unter dem Strich ein Ergebnis von zwei Mio. Euro steht. Grund für die Negativentwicklung sind vor allem hohe Verluste im Telesalesvertrieb. Für das kommende Jahr rechnet der neue SWP-Chef Herbert Marquard mit einem Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) von zwölf Mio. Euro. Dies gab der Geschäftsführer auf der Mitarbeiterversammlung am vergangenen Dienstag bekannt.
Bei der Neuausrichtung setzt der Kommunalversorger seit kurzem auch auf eine neue Organisationsstruktur. "In den letzten Jahren gab es bei den SWP zu viele Häuptlinge, so hat es die Belegschaft selber ausgedrückt", sagt Marquard. Die frühere Organisationsstrukur bei den Stadtwerken Pforzheim sei aufgebläht gewesen, es habe sehr viele Stabsstellen gegeben. "Jetzt setzen wir auf eine ausgereifte, bewährte Organisationsform mit klarer Bereichsgliederung, weniger Ballast und transparenter Verantwortungsstruktur", betont der Stadtwerke-Chef. Der abgespeckte Apparat erfordere eine größere Eigenverantwortung von jedem Einzelnen.
Rund 25 Führungskräfte wechseln in Linienfunktionen
Die Folge: Rund 25 Führungskräfte wechseln von Stabsstellen in Linienfunktionen. Die Arbeitsverträge der Betroffenen wurden einvernehmlich angepasst, wie eine Sprecherin bestätigt. Dies ist zum Teil mit Gehaltseinbußen verbunden. Auch rund 470 Mitarbeiter erhalten für das Geschäftsjahr 2018 keine Erfolgsprämie in Höhe von 350 Euro, diese ist in einer Betriebsvereinbarung festgelegt. Sollte die von Marquard erwartete Ergebnisentwicklung für das laufende Jahr aber eintreten, erhält die Belegschaft die vorgesehene Prämie für 2019 und zusätzlich den Bonus für das vergangene Jahr.
Neben der schlankeren Struktur sollen neue digitale Lösungen die Mitarbeiter entlasten, beispielsweise bei Routinen wie der Umzugsabwicklung. "Das freut die Kunden. Unsere Mitarbeiter gewinnen so auch mehr Zeit für die eigentliche Kundenbetreuung", so Marquard. Allgemein erhalte er große Bestätigung und viel positive Rückkopplung aus der Belegschaft. "Man kann durchaus von einer Aufbruchstimmung reden", so der SWP-Alleingeschäftsführer.
"Strategischer Weichensteller"
Marquard hatte Ende Januar die Geschäftsleitung interimistisch übernommen, nachdem der Aufsichtsrat das frühere Geschäftsführer-Duo um Roger Heidt und Thomas Engelhard abberufen hatte. Diese hatten das Kontrollgremium erst zum Jahresende über zu erwartende Millionenverluste im Vertriebsbereich informiert, obwohl diese bereits seit Monaten intern bekannt waren. Eine Untersuchung von Ernst & Young hat diese Versäumnisse mittlerweile bestätigt. Aufgrund des Gewinneinbruchs mussten die Stadt und der Minderheitsgesellschafter Thüga auf eine Ausschüttung verzichten, die Verabschiedung des städtischen Haushalts musste um Monate verschoben werden. Marquards Vertrag wurde mittlerweile um drei Jahre verlängert. Er selbst bezeichnet sich "als strategischen Weichensteller mit der Aufgabe, die SWP nachhaltig in gutes Fahrwasser zu lotsen und wieder stark zu machen". (hoe)



