Steigende Energiekosten und unausgeglichene Haushalte, bei den Bädern wird gerade in der Energiekrise oft gespart, das zu mindestens legt eine Studie der Unternehmensberater EY aus dem Herbst 2022 nahe. Ein Drittel der repräsentativ befragten Kommunen planten demnach temporäre Schließung oder einen eingeschränkten Betrieb von Hallen- und Freibädern für 2022 oder 2023. Berthold Schmitt, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Gesellschaft für das Badewesen (DGfdB), blickt mit einem positiveren Blick auf die Branche.

Herr Schmitt, jede dritte Kommune spart bei den Bädern, das ist mehr als zuvor. Wie groß ist die Frustration in der Branche?
Berthold Schmitt: Von Frustration kann aus unserer Sicht nicht die Rede sein, im Gegenteil, wir nehmen eher eine zunehmend entspannte Stimmung in der Branche wahr. Das geht einher mit der gesamtgesellschaftlichen Entwicklung: Die Bundesnetzagentur gibt eine vorsichtige Entwarnung mit Blick auf die Füllstände der Energiespeicher, und die Marktpreise werden reguliert. Außerdem ist erfreulich, dass der Großteil der Besucher:innen sehr kooperativ ist und sich nicht von gesenkten Wassertemperaturen oder Mehrkosten abschrecken lässt. Die Aussagen der EY-Studie halten wir zum Teil für zu drastisch. Ein Drittel der Kommunen ergreift zwar Maßnahmen bei den Hallen- und Freibädern, aber dabei geht es vor allem um die Umsetzung von Energieeinsparkonzepten und nicht etwa um komplette Bäderschließungen.
Welche Probleme bringen die Schließungen mit sich? Ist es schwerer, Personal zu halten?
Es ist im Grunde genau andersherum. In einigen Bädern muss es Einschränkungen geben, weil Personal fehlt – sowohl kurzfristig, z. B. aufgrund von Krankheit, als auch langfristig gesehen. Ein besonders negativer Effekt der Corona-Lockdowns war aber, dass sich Saisonkräfte andere, krisenfeste Jobs gesucht haben und (noch) nicht wieder zurückgekehrt sind. Das betraf vor allem die Freibäder.
Welchen Kostenentwicklungen sehen sich die Bäder im Moment ausgesetzt?
Wir sehen eine gewisse Entspannung, weil die Energiekosten durch die Aussicht auf die Preisbremse planbarer geworden sind.
In den Großstädten lagen die Preisanpassungen unter der Inflation.
Wie ist der Druck, die Eintrittspreise anzuheben? Gibt es Grenzen bis zu den Preissteigerungen möglich sind – sind diese in vielen Fällen bereits erreicht?
Es gab bundesweit moderate Preisanpassungen – aber immer unter dem Gesichtspunkt der sozialen Verträglichkeit, denn schließlich dienen öffentliche Bäder der kommunalen Daseinsvorsorge. Uns sind vor allem Zahlen aus den Großstädten bekannt, da lag die Preissteigerung im Durchschnitt bei 5 bis 10 Prozent – also deutlich unterhalb der Prozentsätze, die man inflationsbedingt aus anderen Lebensbereichen kennt. In einigen Bädern wird auch auf temporäre Lösungen gesetzt, und Gäste zahlen z. B. einen „Energie-Soli“ in Höhe von einem Euro.

Personalmangel: Viele Saisonkräfte haben sich krisensichere Jobs gesucht.
Bild: © dpa / Uwe Anspach
Was sagt Ihr Blick in die Branche, werden die Einschränkungen nur den Winter betreffen?
Wir blicken optimistisch auf das Jahr 2023 und freuen uns auf das erste Gesamt-Jahr ganz ohne pandemiebedingte Einschränkungen. Unsere größte Sorge ist aktuell die Personalsituation, die dringend verbessert werden muss. Wie die Energie-Situation nächsten Winter sein wird, kann aktuell niemand wissen.
Müssen sich die Bäder auf dauerhafte Maßnahmen in den nächsten Jahren einstellen?
Was auf keinen Fall in Vergessenheit geraten darf, ist der Sanierungsstau, der nicht immer einfach weiterlaufen kann. Wenn es um Bäderschließungen geht, muss beachtet werden, dass manche auch einfach nicht aufrechterhalten werden können, weil das Geld für Sanierungen fehlt. Wir fordern daher weiterhin Fördergelder, die über praxisnahe Programme mit unkomplizierten Antragsverfahren bei den Kommunen ankommen.
Die Deutschen haben das Freibad wiederentdeckt.
Haben Sie aktuelle Zahlen zu Besucher-Trends?
Wir erfassen jährlich die Besuchszahlen der Freibadsaison. 2022 haben sich die Besuchszahlen gegenüber 2021 wieder mehr als verdoppelt, liegen aber noch 11 Prozent unter dem Wert des Vor-Corona-Jahres 2019. Es lässt sich also sagen: Die Deutschen haben das Freibad wiederentdeckt, sind aber noch etwas zurückhaltend. Auf die Hallenbäder lässt sich die Situation im weitesten Sinne übertragen. Und auch unsere Kolleg:innen von der EWA – European Waterpark Association e. V. haben in den Freizeitbädern und Thermen ähnliche Erfahrungen gemacht.
Sind Ihnen Bäder bekannt, die wegen der Energiekrise schließen mussten?
Dass Bäder explizit wegen der Energiekrise schließen mussten, ist uns bislang noch nicht bekannt. Meist geht es eher um temporäre Schließungen zu Sanierungszwecken oder aufgrund von Neubauten. Jüngstes Beispiel ist das Westbad in Bremen, das zum 1. Januar 2023 geschlossen wurde. Nach 36 Monaten Bauzeit soll ein neues Westbad entstehen. Nicht jede Bäderschließung ist also per se als negativ anzusehen. Es kommt immer auf den Kontext an und am Ende ist entscheidend, dass genügend Wasserfläche für Schulen, Vereine und die Öffentlichkeit vorhanden ist.
(Die Fragen stellte Pauline Faust)



