Stefan Sewckow: "Das sogenannte Opt-Out aus dem EEG sehen wir aktuell kaum noch."

Stefan Sewckow: "Das sogenannte Opt-Out aus dem EEG sehen wir aktuell kaum noch."

Bild: © Beat Schweizer/BKW

Vom EEG bis zur Regelenergie: Vermarktung wird komplexer. BKW positioniert sich als integrierter Lösungsanbieter für Erneuerbare und Speicher. Im Gespräch mit der ZFK erläutert Stefan Sewckow, Executive Vice President – Energy Markets, wie BWK in diesem Umfeld um 1,1 Gigawatt zulegen konnte.

Herr Sewckow, wie kommt es zu diesem deutlichen Wachstum im Portfolio?

Stefan Sewckow: Wir haben insbesondere im vergangenen Herbst viele neue Verträge im Wind- und PV-Bereich abgeschlossen. Entscheidend sind langfristige Kundenbeziehungen, ein verlässlicher Service und ein breites Angebot – etwa flexible Vermarktungslösungen für Anlagen mit Batteriespeichern. Hinzu kommt unsere internationale Ausrichtung: Wir vermarkten Anlagen nicht nur in Deutschland, sondern auch in mehreren europäischen Märkten. Und wir wollen diesen Wachstumskurs auch 2026 fortsetzen.

Gibt es Segmente der Direktvermarktung, die an Bedeutung verlieren?

Die klassische Direktvermarktung bleibt klar auf Wachstumskurs. Allerdings eignen sich nicht alle Anlagen für dieses Modell – etwa wegen ungünstiger Standorte oder fehlender Flexibilität. Solche Anlagen wechseln teilweise zurück in die Einspeisevergütung. Das sogenannte Opt-Out aus dem EEG sehen wir aktuell kaum noch, da PPA-Preise für förderfähige Anlagen meist unter dem anzulegenden Wert liegen.

Wo liegen aktuell die größten Bremsklötze für Batteriespeicher?

Ganz klar beim Netzzugang. Die Anschlusskapazitäten sind vielerorts ausgeschöpft, Genehmigungs- und Anschlussverfahren dauern lange und verursachen hohe Standortunsicherheiten. Ohne schnellen, transparenten und planbaren Netzzugang bleibt die Projektpipeline zwar voll – die Umsetzung aber schleppend.

Sinkende PPA-Nachfrage – Zyklus oder struktureller Wandel?

Anlagenbetreiber handeln rational. Warum ein PPA zu 60 Euro abschließen, wenn der Gesetzgeber 70 Euro garantiert? PPAs sind aktuell vor allem für ausgeförderte Anlagen interessant. Für EEG-Assets drücken sinkende Capture-Rates und eine zurückhaltende Nachfrage der Abnehmer die Preise weiter. Erst mit deutlich mehr Speicherkapazität wird sich das wieder ändern.

Welche strategische Rolle spielt die Integration von Südvolt?

Mit Südvolt stärken wir gezielt unsere Position in der Regelenergievermarktung. Mit nun 1,6 Gigawatt Portfolio zählen wir zu den größten Anbietern in Deutschland und können Energie aus Wind, PV und Speichern über alle relevanten Märkte optimieren. Das schafft echten Mehrwert für unsere Kunden.

Wie verändert Regelenergie aus Erneuerbaren die Rolle des Direktvermarkters?

Der klassische Direktvermarkter wird zum integrierten Lösungsanbieter. Wir vermarkten nicht nur im EEG, sondern auch über PPAs, im Regelenergiemarkt und über Multimarkt-Optimierungen. Unser Anspruch ist es, für jede Vermarktungsfrage der erste Ansprechpartner zu sein.

Was erwarten Sie von Netzbetreibern und Politik?

Wir brauchen schnelle, transparente und standardisierte Netzanschlussprozesse sowie frühzeitige Klarheit über Anschlussfähigkeit und Zeitpläne. Politisch notwendig sind beschleunigte Verfahren, klare Regeln für Speicher und hybride Anlagen sowie ein Marktdesign, das netzdienliches Verhalten wirtschaftlich belohnt.

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