Eine Flagge mit dem Logo der RWE weht auf dem Unternehmenscampus in Essen.

Eine Flagge mit dem Logo der RWE weht auf dem Unternehmenscampus in Essen.

Bild: ©Rolf Vennenbernd/dpa

RWE hat im ersten Halbjahr 2026 deutlich mehr verdient als im Vorjahreszeitraum. Das Unternehmen erhöht seine Investitionen und setzt dabei neben erneuerbaren Energien, flexibler Erzeugung und Speichern stärker auf Netzinfrastruktur. In den USA zieht sich RWE aus mehreren Offshore-Windprojekten zurück. Der Konzern plant zudem den Bau von Gaskraftwerken in den USA und Deutschland.

RWE hat das bereinigte EBITDA im ersten Halbjahr 2026 um mehr als 40 Prozent auf rund 3,0 Milliarden Euro gesteigert. Das Unternehmen führt die Entwicklung auf die starke operative Leistung aller Segmente, bessere Windverhältnisse in Europa und neue Erzeugungsanlagen zurück. Zugleich erhöht RWE wegen der Aufstockung des Anteils an Amprion und weiterer Vorhaben den Investitionsrahmen für 2026 auf 9 bis 11 Milliarden Euro.

"Dank unseres breiten Portfolios aus erneuerbaren Energien, flexibler Erzeugung, Speichern, Energiehandel und Netzinfrastruktur können wir von der weltweit steigenden Stromnachfrage und dem erforderlichen Ausbau des Energiesystems profitieren", sagt Vorstandsvorsitzender Markus Krebber. "Mit Investitionen von insgesamt 42 Milliarden Euro netto bis 2031 werden wir diese Chancen konsequent und wertsteigernd nutzen." Positiv hat sich auch niedergeschlagen, dass RWE seine US-Windparks nicht abschreiben musste, sondern zu einer Vergleichsvereinbarung gekommen ist.

Konzernzahlen

Im Überblick

Offshore-Wind: 810 Millionen Euro bereinigtes EBITDA nach 643 Millionen Euro im ersten Halbjahr 2025.
Onshore-Wind/Solar: 1,016 Milliarden Euro nach 830 Millionen Euro.
Flexible Erzeugung: 1,025 Milliarden Euro nach 606 Millionen Euro, darunter 332 Millionen Euro aus der niederländischen Entschädigungszahlung.
Energiehandel: 134 Millionen Euro nach 16 Millionen Euro.


Amprion wird zum eigenen Wachstumsfeld

RWE hat seinen Anteil am Übertragungsnetzbetreiber Amprion auf eine Mehrheitsbeteiligung aufgestockt. Die Aufstockung ist ein Grund für die höheren Investitionsplanungen und das angehobene Ergebnisziel für 2031. Insgesamt plant RWE bis 2031 rund sieben Milliarden Euro für den Ausbau des Übertragungsnetzes in Deutschland über die Beteiligung an Amprion. "Durch die Aufstockung unseres Anteils an Amprion auf eine Mehrheitsbeteiligung erweitern wir unsere Präsenz in einem weiteren attraktiven Wachstumsfeld", hieß es von RWE.

Der Ergebnisbeitrag aus der Beteiligung lag im ersten Halbjahr bei 86 Millionen Euro nach 72 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum, nächstes Jahr soll dieser Beitrag dann steigen. Ab 2027 weist RWE die Beiträge in einem eigenen Segment "Regulierte Netzinfrastruktur" aus.

Öko-Anbieter haben Bedenken wegen Amprion-Übernahme

Bedenken an der Übernahme gab es von der Konkurrenz. Die Öko-Energieversorger Bürgerwerke, Elektrizitätswerke Schönau, Green Planet Energy und Naturstrom kritisieren: Die Aufstockung des RWE-Anteils an Amprion von 20 auf rund 55 Prozent würde die ohnehin schon problematische Marktkonzentration im Stromsektor verstärken und könnte so zulasten von Wettbewerb und Verbraucher:innen gehen. Sie fordern die Bundesnetzagentur auf, die veränderten Eigentumsverhältnisse in einem neuen Zertifizierungsverfahren nach § 4a ff. EnWG umfassend zu prüfen. Dabei müsse transparent nachgewiesen werden, dass Amprion unabhängig handelt, alle Marktteilnehmer gleichbehandelt und sensible Informationen aus dem Netzbetrieb geschützt bleiben.

Auf Anfrage erklärte eine RWE-Sprecherin dazu, dass Amprion in seinem Netzgeschäft ein unabhängiges Unternehmen sei und bleibe. "Operativ ändert sich für Amprion nichts – das Unternehmen erfüllt weiterhin alle gesetzlichen Vorgaben für unabhängige Übertragungsnetzbetreiber, behält sein Management-Team und seine Marke", so die Sprecherin. Die Erhöhung der Beteiligung von RWE an Amprion habe keine Auswirkungen auf die Einhaltung der gesetzlichen Unbundling-Anforderungen. RWE und Amprion würden diese weiterhin uneingeschränkt beachten und umsetzen.

Trotz Windkraft-Vergleich: US-Geschäft bleibt wichtig

Die RWE-Tochter RWE US Offshore schloss kürzlich eine Vergleichsvereinbarung mit dem US-amerikanischen Innenministerium: RWE gibt seine Rechte zur Entwicklung von drei Offshore-Windprojekten in den USA auf. Dafür erhält der deutsche Energiekonzern eine Zahlung von 1,22 Milliarden Dollar. "Nach sorgfältiger Abwägung sind wir zu dem Schluss gekommen, dass für diese Projekte in den USA auf absehbare Zeit keine Genehmigungsfähigkeit gegeben ist", so Krebber.

RWE-Vorstandsvorsitzender Markus Krebber betonte: Durch den US-Deal mussten Investitionen nicht abgeschrieben werden. (Archivbild)Bild: © Marcel Kusch/dpa

Das Geld solle aber weiterhin in Energieinfrastruktur in den USA investiert werden. So erwarb RWE etwa eine indirekte Beteiligung von 16 Prozent am Louisiana-LNG-Projekt. Dies solle laut Krebber aber die einzige Investition in LNG-Exportinfrastruktur in den USA bleiben. RWE entwickelt in den USA derzeit eine Pipeline von 15 Spitzenlastkraftwerken und investiert weiter in Onshore-Windkraft, Solarenergie und Batteriespeicher.

Der Konzern will bis 2031 rund ein Drittel seiner Erzeugungsportfolio-Kapazität in den USA und zwei Drittel in seinen europäischen Kernmärkten betreiben. Von bis zu fünf Milliarden Euro, die RWE in Gaskraftwerke investieren will, soll eine Milliarde in den USA investiert werden. "Wir bei RWE stehen bereit, unseren Beitrag zu leisten – in Deutschland und in unseren internationalen Märkten", so Krebber.

"Unser Ziel für 2031 lautet: Ein Drittel unserer Erzeugungskapazität steht in den USA, zwei Drittel in unseren europäischen Kernmärkten, allen voran in Deutschland und Großbritannien."

RWE plant bisher nicht für Verlängerung von Kohle

Der Energiekonzern hält trotz der Verzögerung bei der politischen Entscheidung über den Kohleausstieg an seinem bisherigen Zeitplan fest. "Wir haben den Ausstieg zum 31. März 2030 geplant, und die Bundesregierung hat sich gegenüber uns bislang nicht geäußert", sagte Vorstandsvorsitzender Markus Krebber bei der Vorlage der Halbjahreszahlen in Essen. "Insofern halten wir bisher an unseren Plänen fest und planen auch den Ausstieg 2030." Zugleich machte Krebber deutlich, dass RWE einen Reservebetrieb von drei Kraftwerksblöcken grundsätzlich ermöglichen könnte. Dafür brauche das Unternehmen jedoch Klarheit, um Betriebspläne, Wartungskonzepte und den Einsatz der Beschäftigten anzupassen.

Nordrhein-Westfalen soll nach einer Vereinbarung aus dem Jahr 2022 zwischen dem Bund, dem Land und RWE bereits 2030 aus der Braunkohleförderung aussteigen. Deutschlandweit ist der Ausstieg aus der Kohleverstromung bis 2038 vorgesehen.

Geringere Speicherstände beim Gas erwartet

Krebber sagte zur Lage der Gasspeicher in Deutschland, die Speicherfüllstände lägen am unteren Ende der historischen Werte. "Im Moment würde ich prognostizieren, dass man wahrscheinlich mit einem ähnlich niedrigen Stand der Füllstände wie 2022 in den Winter gehen wird", so Krebber.

Zugleich verwies Krebber auf zusätzliche Kapazitäten und eine etwas geringere Nachfrage. Wie sich die Lage weiterentwickle, hänge unter anderem von der Temperatur im Winter, der Stabilität der Versorgung und möglichen Ausfällen der Infrastruktur ab. Die Versorgungssicherheit dürfe nicht "auf Kante genäht" sein; dafür brauche es Reserven im System.

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