Zum Jahreswechsel haben Hunderte Grundversorger ihre Tarife angepasst. Als zentrale Gründe dafür nannten die Versorger neben Beschaffungsvorteilen auch Erleichterungen bei einzelnen staatlichen Preiskomponenten. So entfiel die Gasspeicherumlage in Höhe von 0,343 Cent je Kilowattstunde zum 1. Januar. Zudem gewährte der Staat den Übertragungsnetzbetreibern einen Zuschuss in Höhe von 6,5 Milliarden Euro aus dem Klima- und Transformationsfonds (KTF). Dadurch wurden Übertragungs- und Verteilnetzentgelte reduziert – Einsparungen inklusive.
Nach Angaben des Vergleichsportals Verivox senkten 250 regionale Grundversorger ihren Stromtarif zum Stichtag 1. Januar um durchschnittlich neun Prozent. Bei den Gastarifen haben 69 Unternehmen ihren Grundversorgungstarif gesenkt. Doch es gab auch eine große Zahl an Unternehmen, die zum 1. Januar keine Änderungen vorgenommen hatten.
Das begründeten sie damit, dass die Entscheidungen der Bundesregierung zur Gasspeicherumlage und zum Zuschuss für die Übertragungsnetzbetreiber sechs Wochen vor dem Stichtag noch nicht endgültig feststanden. "Nach dem Durcheinander rund um die Abrechnungen bei Strom- und Gaspreisbremsen" wolle man die Kund:innen nicht noch einmal verunsichern. Daher würden Preissenkungen erst dann erfolgen, wenn absolute Sicherheit bestehe.
Zahlreiche Preissenkungen zum 1. März
Nun kommen diese Preisanpassungen im zweiten Schwung zum 1. März. Dies hat zur Folge, dass der durchschnittliche Grundversorgungspreis für Strom zum Stichtag 1. März bei einem Verbrauch von 4000 kWh bei 1629,82 Euro liegt, teilte das Vergleichsportal Verivox auf Anfrage mit. Das entspricht im Vergleich zum bundesweiten Schnitt zum 1. Januar einem Rückgang um 4,5 Prozent (1.1.2026: 1705,92 Euro).
Insgesamt haben im Jahr 2026 503 Strom-Grundversorger Preissenkungen von durchschnittlich 13 Prozent angekündigt. Von diesen Preissenkungen entfallen 72 auf die Monate Februar und März. Den Preissenkungen stehen 21 Preiserhöhungen um durchschnittlich zwei Prozent im Jahr 2026 gegenüber. Davon entfallen nur zwei auf Februar und März.
Eon mit deutlicher Senkung
Als Hauptgrund für diesen deutlichen Rückgang nennt das Vergleichsportal die Preissenkungen von Eon, wo die Grundversorgungstarife ab Februar um durchschnittlich 20 Prozent sinken. In den betroffenen Liefergebieten leben rund sieben Millionen Haushalte.
Auch beim Erdgas können sich Grundversorgungskund:innen ab dem 1. März auf günstigere Tarife einstellen, wobei die Anpassung nicht so deutlich ausfällt wie beim Strom. Laut Verivox liegt der bundesweite Durchschnittspreis der Gas-Grundversorgung zum März 2026 bei einem Verbrauch von 20.000 kWh bei 2709,97 Euro. Im Vergleich zum 1. Januar 2026 entspricht das einem Rückgang um weniger als ein Prozent (1.1.2026: 2713,30 Euro).
Beim Gas zählt Verivox für das Jahr 2026 bislang 358 Preissenkungen von Grundversorgern um durchschnittlich sechs Prozent. 23 dieser Preissenkungen entfallen auf Februar und März. Dem stehen 59 Preiserhöhungen um durchschnittlich sechs Prozent von Grundversorgern im Jahr 2026 gegenüber. Nur drei dieser Erhöhungen fallen auf Februar und März.
Der Unterschied zwischen den teuersten und den günstigsten Grundversorgungstarifen (Stichtag: 26.01.2026) liegt bei über 1000 Euro. Aktuell zählen der "Allgemeine Tarif" der Gemeindewerke Markt Stockstadt am Main mit einem Gesamtpreis von 1189,24 Euro (Verbrauch: 4000 kWh) sowie der Grundversorgungstarif der Eurogate Technical Services GmbH mit 1206,54 Euro zu den günstigsten Tarifen. Die teuersten Grundversorgungstarife bieten demnach die Stadtwerke Eberbach mit 2492,60 Euro sowie die Niedersachsen Ports GmbH & Co. KG, Niederlassung Emden, mit einem Gesamtpreis von 2261,16 Euro.
Die Liste der günstigsten Grundversorger im Gasbereich führen Lichtblick mit 1416,80 Euro (Verbrauch: 20.000 kWh) und die Stadtwerke Memmingen mit 1965,88 Euro an. Die teuersten Grundversorgungstarife Gas bieten derzeit Erdgas Westenthanner mit 5030,37 Euro sowie die Energieversorgung Marienberg mit 4739,06 Euro.
Verbraucherzentrale empfiehlt Wechsel
Fest steht, dass bei weitem nicht alle Grundversorger ihre Tarife seit Jahresbeginn gesenkt haben. "Wenn Verbraucher:innen bisher keine Mitteilung über sinkende Preise erhalten haben, oder ihnen sogar eine Preiserhöhung vorliegt, lohnt sich in der Regel ein Stromanbieterwechsel", empfiehlt Christina Wallraf, Energieexpertin der Verbraucherzentrale NRW. Besonders in der Grundversorgung würden die Strompreise weiterhin auf einem hohen Niveau liegen.
Für die Tarifauswahl empfiehlt die Verbraucherzentrale NRW die Nutzung von Vergleichsportalen mit angepassten Filtereinstellungen, um ein möglichst breites Angebot zu sehen. Zusätzlich sollten Verbraucher:innen neue Anbieter kritisch prüfen und sich nicht allein auf Bewertungen in Vergleichsportalen verlassen, sondern auch eigenständig recherchieren, um böse Überraschungen zu vermeiden.





