Studie: Die Börsenpreise sind nicht länger an Grenzkosten von Gaskraftwerken gekoppelt.

Studie: Die Börsenpreise sind nicht länger an Grenzkosten von Gaskraftwerken gekoppelt.

Bild: © AdobeStock/AdobeFlyer

2025 stammten 55,9 Prozent der öffentlichen Nettostromerzeugung in Deutschland aus erneuerbaren Energien. Die Fraunhofer-ISE-Daten zeigen jedoch deutliche Zielverfehlungen beim Windausbau im Vergleich zu den Vorgaben des EEG 2023.

Insgesamt betrug die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien 256 Terawattstunden (TWh), was dem Anteil von 55,9 Prozent an der öffentlichen Stromversorgung entspricht, heißt es in der aktuellen Studie des Fraunhofer ISE "Stromerzeugung in Deutschland im Jahr 2025". Bezieht man den solaren Eigenverbrauch und industrielle Eigenerzeugung mit ein, erreichte der Anteil 57,1 Prozent.

Veränderung der Preisbildungsmechanismen

Während in der Vergangenheit die Börsenstrompreise überwiegend durch die Grenzkosten von Erdgaskraftwerken bestimmt wurden, treten nun neue Faktoren in den Vordergrund. "Im Jahr 2025 konnten wir einen bemerkenswerten Effekt beobachten: Die Börsenstrompreise folgten erstmals über längere Zeiträume nicht mehr der bislang in Deutschland dominierenden Kopplung an die Grenzkosten von Erdgaskraftwerken", schreibt Leonhard Gandhi vom Fraunhofer ISE in einem Linkedin-Post.

Diese Entwicklung bedeute eine "strukturelle Veränderung der Preisbildungsmechanismen im Strommarkt". Die bisherige Kopplung der Strompreise an Erdgaspreise wurde damit erstmals über längere Zeiträume deutlich abgeschwächt. Stattdessen beeinflussen zunehmend die Einspeisungen erneuerbarer Energien, insbesondere Wind und Photovoltaik, sowie systemische Marktbedingungen die Preisbildung.

Windkraft dominiert, Photovoltaik legt deutlich zu

Windenergie blieb 2025 trotz eines leichten Produktionsrückgangs die wichtigste Stromquelle mit insgesamt 132 TWh (106 TWh Onshore, 26,1 TWh Offshore), ein Rückgang von 3,2 Prozent gegenüber 2024. Die installierte Onshore-Leistung von 68,2 Gigawatt blieb deutlich unter dem EEG-Zielwert von 76,5 Gigawatt. Photovoltaik verzeichnete hingegen einen Zuwachs von rund 22 Prozent auf 87 TWh, davon 70 TWh ins öffentliche Netz eingespeist. Mit einer installierten Leistung von 117,2 Gigawatt übertraf die Solarenergie die für 2025 geplanten 108 Gigawatt und lieferte erstmals mehr Strom als die Braunkohle. Die maximale Netzeinspeisung lag bei rund 50,4 Gigawatt, zeitweise deckte Solarstrom nahezu die gesamte öffentliche Last.

Rückgang fossiler Stromerzeugung

Die fossile Stromerzeugung ging insgesamt zurück, blieb jedoch weiterhin relevant. Braunkohlekraftwerke produzierten 67,2 TWh für die öffentliche Stromversorgung und erreichten damit den niedrigsten Stand seit den frühen 1960er Jahren. Die Anteile fossiler Kraftwerke wie Erdgas und Kohle übernehmen nun eine eher ergänzende Rolle, während erneuerbare Energien den größten Beitrag zur Nettostromerzeugung liefern. Diese Entwicklung trägt direkt zur Entkopplung der Börsenpreise von den Grenzkosten fossiler Kraftwerke bei.

Neue Marktlogik

Die Studienautoren gehen davon aus, dass Marktpreise künftig stärker von der zeitlichen Verfügbarkeit erneuerbarer Ressourcen, regionalen Angebots- und Nachfrageschwankungen sowie Flexibilitätsoptionen wie Speicher- und Lastmanagement beeinflusst werden. Damit entsteht eine neue Marktlogik, die nicht mehr primär von fossilen Grenzkosten gesteuert wird und die Struktur der deutschen Strommärkte nachhaltig verändert.

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