Die Gaspreiskrise ist in eine neue Phase eingetreten. An den Märkten herrschte bis vor kurzem die Auffassung, dass die Auswirkungen des Konflikts zeitlich überschaubar seien. Dann schossen auch die Gaspreise für das Kalenderjahr 2027 in die Höhe. "Die Welt hat jetzt gemerkt, dass die Iraner gar keine Lust auf Verhandlungen mit Herrn Trump haben", sagt Stefan Reindl. Der Vorstandsvorsitzende der Teag aus Thüringen erklärt auf der Bilanzpressekonferenz wie der Konzern die Lage einschätzt.
Auch wenn die Iran-Situation nicht mit der Energiekrise von 2022 vergleichbar sei, hält der Vorstand eine weitere Eskalation für wahrscheinlich. Die Krisenampel beim Konzern steht auf Gelb. Die Tep, die Speichergesellschaft des größten Thüringer Energieversorgers, fahre aktuell auf Sicht. Entscheidungen über das weitere Vorgehen hingen dabei maßgeblich von der weiteren Entwicklung der Preise sowie der Versorgungslage ab.
Folgen einer langfristigen Verwerfung
Teag-Szenario 1
Eine dauerhafte Schließung zentraler Handelsrouten sowie der Wegfall von Exporten aus Ländern wie Iran, Katar und Kuwait hätten weitreichende Folgen für die Energiemärkte. Insbesondere auf den LNG- und Rohölmärkten wäre mittel- bis langfristig mit einem deutlichen Preisschub zu rechnen. Eine Entspannung der Lage auf den LNG-Märkten ist dabei kurzfristig nicht zu erwarten. Vielmehr dürfte eine Normalisierung erst innerhalb eines Zeitraums von 12 bis 36 Monaten eintreten. Auch der Ölpreis würde mittelfristig auf einem höheren Niveau verharren. Dies könnte sowohl in den USA als auch in der Eurozone zu einem spürbaren Anstieg der Inflation führen. Darüber hinaus wären auch globale Lieferketten betroffen: Produkte aus Südostasien, speziell Halbleiter, könnten sich deutlich verteuern. In Deutschland träfe diese Entwicklung vor allem die Mineralölwirtschaft besonders stark, während die Energiewirtschaft insgesamt vergleichsweise weniger stark betroffen wäre.
Folgen einer kurzfristigen Verwerfung
Teag-Szenario 2
Falls es innerhalb von ein bis zwei Monaten es zu einer vollständigen Öffnung der Handelsrouten kommt, erwartet die Teag eine zeitnahe Rückkehr der Öl- und Gaspreise auf das Niveau vor Kriegsbeginn. Gleichzeitig sei jedoch mit einem massiven Vertrauensverlust gegenüber den OPEC-Staaten und dem Mittleren Osten als bislang verlässliche Lieferanten zu rechnen. In der Folge dürfte sich der Ausbau der globalen LNG-Infrastruktur weiter beschleunigen. Zudem dürften Länder in Südostasien verstärkt versuchen, ihre Abhängigkeit von fossilen Energieträgern zu reduzieren, vor allem durch den Ausbau erneuerbarer Energien und von Kernkraft.
Physische Attacken auf die kritische Infrastruktur
Die Teag zählt zu den zehn größten Netzbetreibern in Deutschland. "Selbstverständlich sind wir bei dieser Weltlage in einem regelmäßigen Austausch mit Bundeswehr und Verfassungsschutz", sagt Vorstand Andreas Roß. Es sei allerdings nicht besonders erbaulich, was diese erzählten. Sicherheit ist bei der Teag in diesem Jahr noch einmal besonders in den Fokus gerückt: "Dieses Ereignis im Januar hat wirklich das Krisenbewusstsein in der Branche nachhaltig verändert."
Roß spricht vom Anschlag auf das Berliner Stromnetz, der mitten im Winter einen massiven Stromausfall zur Folge hatte, der über 45.000 Haushalte und Gewerbe betraf. Die Teag half mit Netzersatzanlagen und war laut eigenen Angaben wohl als Erstes vor Ort. Der Bestand solcher Anlagen wurde in den vergangenen Jahren aufgebaut und soll noch weiter wachsen, es seien über 40 vorhanden.
"Seit 2022 wird zunehmend – auch unterhalb der Schwelle eines offenen Krieges – von einem hybriden Konflikt gesprochen", sagt Roß. Dazu zählten sowohl Cyberangriffe, die auch Energieversorger betreffen, als auch physische Attacken auf Infrastruktur. "In unserem Bereich beobachten wir etwa eine Zunahme von Einbrüchen und Drohnenüberflügen. Hinzu kommt weiterhin klassische organisierte Kriminalität, etwa der Diebstahl von Kabeln und Metallen wie Kupfer." Und nicht zuletzt blieben auch extreme Wetterereignisse wie Nassschnee oder Stürme eine dauerhafte Herausforderung.

Wir sollten das Sondervermögen der Bundeswehr für die kritische Infrastruktur nutzen.
Stefan Reindl
Vorstandsvorsitzender Teag
Für den Vorstandsvorsitzenden Reindl ergeben sich hier widersprüchliche Herausforderungen. Einerseits müsse und sollte die Versorgung resilienter werden – das funktioniert mit dem Aufbau von Redundanzen und Investitionen in Sicherheitsmaßnahmen. Anderseits sollen die Netzbetreiber effizient sein und die Netzkosten im Rahmen halten. Eine Lösung: "Wir könnten zusätzliches Geld etwa aus den faktisch nach oben offenen Verteidigungshaushalten – dafür eingesetzt werden, unsere Systeme widerstandsfähiger zu machen", sagt Reindl. "Wir sollten das Sondervermögen der Bundeswehr für die kritische Infrastruktur nutzen."
Stabile Konzernlage
In diesem Krisenumfeld kann der Konzern aus Erfurt aber mit soliden Finanzen agieren. Die Umsatzerlöse lagen laut Teag im Geschäftsjahr 2025 bei 2,8 Milliarden Euro – und damit 320 Millionen Euro unter Vorjahresniveau, das noch geprägt war von hohen Preisspitzen auf den Energie- und Absatzmärkten seit 2022.
Im Geschäftsjahr 2025 ergab sich vor allem durch relative Preisentspannung auf den Absatzmärkten ein Umsatzrückgang des Gesamtkonzerns. Weiterhin führten die schwierige konjunkturelle Lage der Industrie sowie der zunehmende Ausbau von Energie-Eigenerzeugung zum Rückgang des Energieverbrauchs insgesamt.
Der Stromabsatz ging demnach zurück auf gut 2 Milliarden Euro – im Vorjahr waren es noch knapp 2,4 Milliarden gewesen. Der Erdgasabsatz erhöhte sich allerdings im Vergleich zum Vorjahr um gut 11 Prozent auf 7,4 Milliarden Kilowattstunden (kWh). Dabei führte der deutlich kältere Winter mit längerer Heizperiode zu einem spürbaren Verbrauchsanstieg über alle Kundensegmente hinweg.
Hohes Niveau bei Investitionen und Eigenkapital
Mit 301 Millionen Euro hat die Teag ihre Investitionen im Vergleich zu 314 Millionen im Vorjahr auf historisch hohem Niveau gehalten. Über die Hälfte der Investitionen flossen dabei in den Ausbau der Strom- und Glasfasernetze. Für die Jahre von 2025 bis 2028 wird ein zusätzliches Investitionsvolumen von insgesamt 1,1 Milliarden Euro zum Ausbau der Energieinfrastruktur eingesetzt.
Basis sind die Erhöhung des Eigenkapitals und umfangreiche langfristige Finanzierungen, die im Jahr 2025 gesichert wurden. Das Eigenkapital soll demnächst die beachtliche Summe von einer Milliarde Euro erreichen.



