Zum Jahreswechsel sinken viele Gas-Grundversorgungstarife, das Preisniveau bleibt allerdings hoch.

Zum Jahreswechsel sinken viele Gas-Grundversorgungstarife, das Preisniveau bleibt allerdings hoch.

Bild: @ AdobeStock/Alex

Nach der Energiekrise geht der durchschnittliche Gaspreis für Endverbraucher kontinuierlich zurück. Auch in der Grundversorgung fallen die Preise, verharren allerdings auf einem Niveau deutlich über dem Wert aus den Zeiten der Energiekrise.

Lag der durchschnittliche Gaspreis netto im Jahr 2023 (SLP, 20.000 kWh) bei 15,51 Cent je Kilowattstunde, sank er 2024 auf 12,20 Cent/kWh und 2025 auf 11,91 Cent/kWh. Für 2026 rechnet der IT-Dienstleister Get AG mit einem bundesweiten Schnitt von 11,37 Cent/kWh. Trotz der rückläufigen Preisentwicklung bleibt das Vorkrisenniveau unerreicht: 2020 lag der Preis nämlich noch bei unter 6 Cent/kWh.

Überwiegend rückläufige Preise

Bei der Preisanpassung zum Stichtag 2026 geht es in den meisten Fällen deutlich nach unten. Einer der Gründe ist der Wegfall der Gasspeicherumlage, die immerhin 0,343 Cent pro Kilowattstunde (brutto) betragen hatte, sowie der Preisverfall auf dem Gasmarkt. Dies hat Auswirkungen vor allem auf den Arbeitspreis der Versorger.

Der Grundpreis als verbrauchsunabhängige Komponente des Tarifs sinkt allerdings in den meisten Fällen nicht und steigt in manchen sogar an. Dies lässt sich mit den steigenden Netzentgelten begründen – ein Trend, der sich in den nächsten Jahren noch verstärken dürfte. Mit immer weniger Gasanschlüssen müssen die Kosten auf die verbleibenden Netznutzer aufgeteilt werden, was den Grundpreis in die Höhe treibt. Der Mechanismus der Bundesnetzagentur KANU 2.0 erlaubt es den Gasnetzbetreibern, ihre Netzinfrastruktur mit kürzeren Nutzungsdauern und flexibleren Abschreibungsmodellen zu bewerten und abzuschreiben – statt starr über Jahrzehnte.

Ein Beispiel dafür liefern die Blomberger Versorgungsbetriebe (Nordrhein-Westfalen), die ihren Grundversorgungstarif Gas deutlich senken. Laut Daten des Vergleichsportals Verivox (Stand 25.11.2025) würde ein SLP-Kunde mit einem Jahresverbrauch von 20.000 kWh ab dem 1. Januar insgesamt 2368 Euro zahlen anstatt der bisherigen 3036 Euro. Das entspricht einer Senkung von 22 Prozent. Dabei geht der Arbeitspreis von 14,73 auf 10,95 Cent/kWh zurück. Der Grundpreis hingegen verdoppelt sich auf 178,50 Euro im Jahr.

Dem Versorger Köthen Energie aus Sachsen-Anhalt gelingt es indes, den Grundpreis bei 183,37 Euro jährlich konstant zu halten. Der Arbeitspreis sinkt dabei von 17,52 Cent/kWh auf 13,63 Cent/kWh. Unter dem Strich bleibt den Kunden eine Senkung um 21,1 Prozent.

Deutliche Preisschere

Bei den teuersten Grundversorgungstarifen bundesweit bewegt sich der Mischpreis aus Arbeits- und Grundpreis laut Get AG zwischen 22,64 und 26,56 Cent/kWh. Die günstigsten fünf Grundversorger Gas bewegen sich hingegen zwischen 7,08 und 10,49 Cent/kWh, geht es aus den Daten von Get AG hervor.

Zu den teuersten Anbietern gehören auch die Stadtwerke Bitterfeld-Wolfen aus Sachsen-Anhalt. 2022/2023 habe der Versorger "enorme Kundenanstürme" erlebt und musste die Beschaffung für eine "höchstvolatile Kundengruppe mit höchsten Risiken" umsetzen, erläuterte Geschäftsführer Christian Dubiel auf ZfK-Nachfrage. Zwar fällt zum 1. Januar die Gasspeicherumlage in Höhe von 0,343 Cent/kWh brutto weg, dafür erhöht sich der CO2-Preisbestandteil um 0,22 Cent/kWh. Der neue Preisbestandteil für die staatlich und regulatorisch veranlassten Kosten beträgt bei dem Versorger damit ab 1.1.2026 2,79 Cent/kWh (brutto).

Kanu 2.0 als Preistreiber

Die Festlegung zur Anpassung kalkulatorischer Nutzungsdauern und Abschreibungsmodalitäten von Erdgasleitungen (KANU 2.0, Anm. d. Red.) sei bei den Stadtwerken "per 1.1.2025 vollständig angewandt worden", so Dubiel weiter. Das führte zu einer Netzentgelterhöhung für einen BDEW-Musterfall um circa 1,4 Cent/kWh (brutto) ab dem 1.1.2025.

Inzwischen befinden sich lediglich zwei Prozent der Kunden im Grundversorgungstarif der Stadtwerke. "Unser Ziel ist es, die Gaskunden in günstige Festpreisvereinbarungen zu lenken und weniger den ‘Auffangtarif’ der Grundversorgung zu nutzen", sagte er. Hier liege das Unternehmen mit einem Arbeitspreis von 10,40 Cent/kWh (brutto) und einem Grundpreis von 21 Euro/Monat auf einem wettbewerbsfähigen Niveau.

Höheres Ausfallrisiko

Auch bei den Stadtwerken Rees aus Nordrhein-Westfalen liegt der Gaspreis im Grundversorgungstarif deutlich über dem bundesweiten Durchschnitt. "Zum einen sind wir ein kleines Stadtwerk mit einer Jahresabgabemenge von etwa 50.000 MWh Gas, was mit einem ungünstigen Verteilschlüssel für unsere Fixkosten einhergeht", erläuterte Geschäftsführerin Mareike Linsenmaier auf ZfK-Anfrage.

Der Fixkostenblock sei aufgrund allgemeiner Kostensteigerungen, beispielsweise wegen Personal- und Materialkosten, sowie stetig wachsender Anforderungen in den letzten Jahren gestiegen. Die Gasabnahmemenge sinke hingegen kontinuierlich. "Hinzu komme, dass Zahlungsausfälle und Zahlungsverzug im Grundversorgungstarif deutlich häufiger vorkommen als bei den anderen Tarifen. "Darum ist der Arbeitsaufwand im Bereich der Grundversorgung höher als im übrigen Tarifbereich, sagte die Stadtwerke-Chefin. Zum 1. Januar wollen die Stadtwerke ihren Arbeitspreis um 1,19 Cent/kWh senken. Das betreffe auch den Grundversorgungstarif.

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