Im laufenden Jahr haben sich mindestens 17 Versorger aus der Energiebelieferung von Haushaltskunden verabschiedet oder eine Beendigung ihrer Liefertätigkeit spätestens bis zum Jahresende angezeigt. Darunter befinden sich sechs Grundversorger.
Das geht aus einer Liste hervor, die von der Bundesnetzagentur monatlich aktualisiert wird. Die Anzahl könnte sich weiter erhöhen, auch wenn Energielieferanten grundsätzlich gesetzlich verpflichtet sind, mindestens drei Monate vor ihrem Lieferstopp eine Beendigungsanzeige an die Bundesbehörde zu schicken. Im Insolvenzfall gelten Sonderregeln.
Im Vergleich zum Vorjahr fällt die Zahl der Lieferstopps bislang geringer aus. 2025 stellten nach ZFK-Berechnung auf Basis von Bundesnetzagentur-Daten insgesamt 20 Unternehmen ihre Energiebelieferung an Haushaltskunden ein. Beide Zahlen liegen allerdings deutlich unter dem Wert des Krisenjahres 2021. Damals stellten 41 Versorger ihre Lieferung ein.
Steigende Komplexität und hohes Preisniveau
Aus den veröffentlichten Bekanntmachungen lassen sich einige zentrale Gründe für die Aufgabe der Belieferung erkennen. Diese weichen von der Phase während der Energiekrise vor fünf Jahren ab. "Anders als in der Energiekrise 2021/2022, wo vornehmlich neue Anbieter die Belieferung einstellten oder Insolvenz anmelden mussten, trifft es zuletzt immer häufiger die kleinen Unternehmen, die der aktuellen Marktdynamik und zunehmender Regulatorik nicht mehr gewachsen sind", erklärte Klaus Kreutzer vom Beratungsunternehmen Kreutzer Consulting auf ZFK-Anfrage.
Einerseits werde es sehr schwierig, überhaupt alle Anforderungen umzusetzen, andererseits sei dies meist mit hohen Kosten verbunden, die zu steigenden Endkundenpreisen und dann zu Kundenverlusten führen, so der Energieexperte. "Dies ist eine Entwicklung, die in den nächsten Jahren viele weitere kleinere Versorger zur Aufgabe des Vertriebsgeschäfts oder zu Kooperationen und Zusammenschlüssen veranlassen wird."

Wer ohnehin am Limit agiert und schon weiß, dass die nächsten Jahre schwieriger werden, trifft die Entscheidung zum Ausstieg gegebenenfalls bereits jetzt anstatt in einem oder zwei Jahren.
Klaus Kreutzer
Geschäftsführer Kreutzer Consulting
Preiskrise verstärkt Entwicklung
Die aktuelle Preiskrise im Energiemarkt beschleunige diese Entwicklung, sagte Kreutzer weiter. Mit stark steigenden Preisen würden auch höhere Risiken in der Beschaffung und im Vertrieb einhergehen. Wer ohnehin am Limit agiert und schon weiß, dass die nächsten Jahre schwieriger werden, trifft die Entscheidung zum Ausstieg gegebenenfalls bereits jetzt anstatt in einem oder zwei Jahren.
Zum einen geht es um die steigende Komplexität des Energievertriebs und der Beschaffung – sowohl auf der regulatorischen Seite als auch mit Blick auf politische Entscheidungen. Aus dem Branchenumfeld gibt es immer wieder Kritik an der verpflichtenden Einführung dynamischer Tarife sowie am 24-Stunden-Lieferantenwechsel. In beiden Fällen sei das Verhältnis zwischen Aufwand und Ertrag nicht ausgewogen.
Als weiterer Grund für die Aufgabe der Belieferung gilt das allgemein gestiegene Preisniveau. Es bringt viele Versorger mit einer eher risikoaffinen Beschaffungsstrategie an ihre Belastungsgrenzen.
Liste könnte noch wachsen
Bei den meisten Unternehmen auf der Bundesnetzagentur-Liste handelt es sich um kleinere Versorger. Begrente personelle und wirtschaftliche Ressourcen scheinen sie besonders anfällig für komplexe Herausforderungen zu machen.
Noch fehlen Liefereinstellungen auf der Liste, die öffentlich bereits kommuniziert wurden. Als sicher gilt, dass beispielsweise die Stadtwerke Espelkamp ihre Strom- und Erdgaslieferungen zum Jahresende einstellen werden. Auf der Liste ist das Unternehmen bislang noch nicht zu finden.
Auch der Energieanbieter Grüün hat die Belieferung im nationalen Endkundengeschäft offiziell eingestellt. Die Marke gehört zur Münch Energie. Das Unternehmen könnte versäumt haben, diesen Schritt bei der Bundesnetzagentur anzumelden. Die Regulierungsbehörde hat deshalb ein Aufsichtsverfahren eingeleitet.
Ebenfalls offen ist, ob Stromee 2027 weiterhin als Energielieferant tätig sein wird. Stromee will nämlich sein Kundenportfolio verkaufen. Die Krefelder SWK Energie hat den Zuschlag erhalten und übernimmt im Rahmen eines Asset Deals einen Großteil der Energielieferverträge.
Viele kleine Versorger betroffen
Im oberbayerischen Rohrdorf geben die Elektrizitätswerke Josef Haimmerer ihre Aufgabe als Grundversorger für Strom auf. Das Unternehmen belieferte nach eigenen Angaben seit 1910 Kunden mit Strom und zählt zu den kleinsten Netzbetreibern und Stromlieferanten Deutschlands. Aufgrund der "stetig wachsenden technischen, gesetzlichen und finanziellen Anforderungen" sei das Unternehmen allerdings stark gefordert, erläuterte es auf seiner Homepage. Deshalb übergeben die Elektrizitätswerke zum 1. Januar 2027 die Stromversorgung an die E-Werk Stern KG in Bad Endorf.
Ähnlich begründet ein weiteres Unternehmen mit mehr als 100-jähriger Tradition seinen Ausstieg aus der Versorgung. Die Elektrizitätsgenossenschaft Oesterweg eG beliefert ihre Kunden seit 1920. Angesichts der starken Veränderungen auf dem Energiemarkt und bei den gesetzlichen Vorgaben sehe sich das Unternehmen "immer neuen, komplexeren Herausforderungen" ausgesetzt. Für einen der "kleinsten Stromversorger Deutschlands" sei es nicht möglich, den Stromvertrieb künftig wirtschaftlich effizient weiterzubetreiben. Wer künftig die Aufgaben des Grundversorgers im nordrhein-westfälischen Versmold übernimmt, soll zu einem späteren Zeitpunkt mitgeteilt werden.
Die Josef Pauli GmbH hat zum Jahresende die Einstellung der Grundversorgung mit Gas und Strom in Düren, Nordrhein-Westfalen, angekündigt. Sowohl der Erdgas- als auch der Strommarkt seien starken Veränderungen unterworfen, hieß es zur Begründung. Dem Unternehmen gelinge es nicht mehr, "den Wandel des Erdgas- und Strommarktes zu begleiten". Die Josef Pauli GmbH startete 2012 mit dem Erdgasvertrieb und stieg ein Jahr später auch in den Stromvertrieb ein.
Bereits zum 31. März dieses Jahres haben die Gemeindewerke Wildeck ihre Strombelieferung eingestellt. Schon zum 1. Januar wurde das örtliche Stromnetz im Ortsteil Obersuhl an die EAM Netz GmbH übergeben.
Zu den prominentesten Versorgern auf der Beendigungsliste der Bundesnetzagentur zählt die Dresdner Drewag. Dabei handelt es sich nicht um eine Einstellung der Versorgung. Die Drewag – Stadtwerke Dresden GmbH wurde als eigenständige Vertriebsmarke und juristische Person zum 1. Juli 2026 offiziell auf die Sachsenenergie verschmolzen.
Stadtwerke stehen als Generalisten in jedem Geschäftsfeld im Wettbewerb mit spezialisierten Anbietern und Start-ups.
Kreutzer sieht den gesamten Energiemarkt vor tiefgreifenden Veränderungen. Der Gasvertrieb werde sukzessive an Bedeutung verlieren. Zugleich gerieten Versorger beim Vertrieb von Wärmepumpen und anderen Energieanlagen zunehmend in Wettbewerb mit Handwerksbetrieben sowie Unternehmen wie Enpal und 1Komma5Grad. Um den wachsenden Markt der Prosumer und Flexumer zu bedienen, müssten sie wettbewerbsfähige Lösungen entwickeln, die Energieanlage, Stromlieferung, Hems und Flex-Management miteinander verbinden.
Als Generalisten stünden Stadtwerke in jedem Geschäftsfeld im Wettbewerb mit spezialisierten Anbietern und Start-ups. "Um in diesem Wettbewerb zu bestehen und selbst skalierbare Geschäftsmodelle aufzubauen, müssen sie genau prüfen, welche Geschäftsfelder sie mit welcher Wertschöpfungstiefe bedienen können", so seine Empfehlung.