München hat sich vorgenommen, bis 2040 die zentrale Wärmeversorgung zu dekarbonisieren. Dafür stehen fünf Milliarden Euro Investitionen an. Karin Thelen, Geschäftsführerin Regionale Energiewende bei den Stadtwerken München, ist zuversichtlich, dass diese Ausgaben, wenn auch mit Anstrengungen zu finanzieren seien. Das erklärte die Managerin bei einem Panel auf dem Handelsblatt-Energie-Gipfel.
Es ist ein Aufwand, den sich andere Stadtwerke selbst nicht leisten können, da sie schwerlich an das nötige Kapital gelangen. Die Iqony hat das schon länger als Geschäftsmodell für sich entdeckt. Bundesweit gibt es rund 30 Wärmenetz-Standorte, die sie in Kooperationen mit einem lokalen Stadtwerk aufgebaut hat.
Partnerschaft kann Bilanz schonen
"Wir möchten eigentlich eher nicht für die ganz kleinen, sondern eher die mittelgroßen und großen Stadtwerke als Partner mit Eigenkapital, aber auch mit Know-how zur Verfügung stehen", sagt Ingmar Kohl, Bereichsleiter Geschäftsentwicklung Fernwärme bei Iqony Energies. "Wir reden da über Milliardeninvests, die gehen nicht einmal eben über die Bilanz." Stadtessen wird eine Zweckgesellschaft bei der Iqony gegründet, die zumindest zeitweise die Vermögenswerte übernimmt und als privater Akteur am Markt agiert. Dadurch könnten die typischen Vorteile eines privaten Marktteilnehmers genutzt werden und die Stadtwerke-Bilanz geschont werden.
"Wichtig ist dabei, dass die Konstruktion stets als Kooperation auf Augenhöhe angelegt ist", sagt Kohl. Auch in Fällen, in denen keine 50:50-Konstellation besteht und ein Partner formal Minderheitsgesellschafter ist, werde die Zusammenarbeit so ausgestaltet, dass wesentliche Entscheidungen nur gemeinsam getroffen werden können.
"Wir haben heute schon Projektgesellschaften im Windbereich, so ein Modell ist also nichts Ungewöhnliches oder Unanständiges", sagt Gerhard Holtmeier Vorsitzender der Geschäftsführung von DEW21 zu dem Finanzierungsmodell. "Ich weiß aber schon, dass es in vielen Stadtwerken die Diskussion gibt, dass man Geld haben will, aber keine Einmischung. Da gibt es eine Diskrepanz zwischen den lokalen Möglichkeiten und der Finanzwelt." Er sei absolut überzeugt davon, dass die Stadtwerke mit einer Rendite von 7 bis 9 Prozent langfristig auch Investoren bekommen könnten. "Insofern bin ich optimistisch und offen, wobei man nicht den Blick für das ganze Unternehmen verlieren darf."
Banken schauen genauer hin
Den Druck in Finanzierungsfragen merkt er mittlerweile ganz klar. "Es bedeutet, dass man deutlich tiefer mit den Banken ins Gespräch geht und sich sehr viel intensiver mit Themen wie Eigenkapitalquote, Verschuldungsgrad und anderen klassischen Kennzahlen auseinandersetzt, so wie es in privatwirtschaftlich geprägten Unternehmen selbstverständlich sind", sagt Gerhard Holtmeier, Vorsitzender der Geschäftsführung von DEW21. Diese Art der Betrachtung war den Stadtwerken in der Vergangenheit so nicht vertraut.
"Gleichzeitig kommen wir deutlich stärker in Rating-Fragen hinein", so Holtmeier, "auch die Banken stehen selbst unter Druck, da sie sich refinanzieren müssen." Die Zeiten, in denen kommunale Träger automatisch als stabil galten und man davon ausgehen konnte, "dass schon alles gut geht", seien vorbei. Denn auch im kommunalen Umfeld gibt es inzwischen Fälle, in denen Unternehmen ins Straucheln geraten oder kurz vor erheblichen Problemen stehen.
"Wenn ich mir die Finanzierungspraxis früher anschaue – ein Anruf bei der Sparkasse mit der Bitte um 30 Millionen Euro – dann funktioniert das heute so nicht mehr", erklärt der Dortmunder Geschäftsführer. Stattdessen müsse sehr viel genauer und transparenter nachgewiesen werden, wo das Unternehmen wirtschaftlich steht und wie tragfähig das Geschäftsmodell ist.
Auch in München kann sich die Geschäftsführerin langfristig mehr Projektfinanzierung vorstellen. "Wir haben schon immer diese hohen Investitionsvolumen von einer Milliarde im Jahr gehabt", sagt Thelen, "die Finanzierung mit Partnern wird für uns jetzt interessanter, weil wir so viele Projekte parallel haben."



