Contracting ist eine wichtige Säule im Geschäft mit Energiedienstleistungen. Insbesondere Wärmepumpen spielen hier eine immer größere Rolle.

Contracting ist eine wichtige Säule im Geschäft mit Energiedienstleistungen. Insbesondere Wärmepumpen spielen hier eine immer größere Rolle.

Bild: © Bernd Weißbrod/dpa

Im deutschen Contracting-Markt ist aktuell viel in Bewegung. Die Oldenburger EWE hat am gestrigen Donnerstag ihre Tochtergesellschaft WCG Wärme Contracting an den britischen Infrastrukturinvestor Pioneer Point Partners verkauft. Zudem prüft der EnBW-Konzern aktuell den Verkauf seines Contracting-Portfolios.

Begründet wird das in beiden Fällen mit einer Fokussierung der Geschäftsaktivitäten und hohen künftigen Investitionsbedarfen der Unternehmen. Contracting wird aufgrund seiner Kapitalintensitität meistens von eher größeren Energieversorgern im Geschäft mit Energiedienstleistungen angeboten. Es umfasst die Planung, Finanzierung, den Bau und den Betrieb von Energieanlagen.

Investor plant Ausbau des Wärmepumpen-Geschäfts mit WCG

Die WCG ist spezialisiert auf wohnungswirtschaftliches Wärme-Contracting und versorgt rund 20.000 Kunden, überwiegend in ländlichen Regionen Norddeutschlands. Das Unternehmen bietet laut eigenen Angaben ein integriertes "Heat-as-a-Service“-Modell an und stellt moderne, energieeffiziente Heizsysteme bereit, die es Haushalten ermöglichen, ihre Energieeffizienz zu verbessern, ohne hohe Anfangsinvestitionen tätigen zu müssen.

WCG arbeitet mit einem breiten Netzwerk aus Handwerksbetrieben und Installateuren zusammen und übernimmt Finanzierung, Installation, Wartung und Energieversorgung der Heizsysteme gegen eine feste monatliche Vergütung im Rahmen langfristiger Verträge. Im vergangenen Jahr wurde das Angebot um Wärmepumpenlösungen für Privathaushalte erweitert. Auf diesen Bereich will man sich künftig verstärkt fokussieren und diesen weiter ausbauen.

Ehemaliger Lichtblick-CEO verstärkt WCG-Spitze

Der Käufer Pioneer will die WCG in der nächsten Wachstumsphase unterstützen, die geografische Präsenz soll ausgebaut werden. Um das weitere Wachstum voranzutreiben, wurde die Unternehmensspitze von WCG mit zwei Experten beim Aufbau von Energie- und Infrastrukturplattformen verstärkt. Zum CEO wurde Ralf Gresselmeyer, der ehemalige CEO von Glasfaser Plus, ernannt, zum Chairman der ehemalige Lichtblick-Chef Constantin Eis.

EWE VERTRIEB hatte bereits 2023 entschieden, den Fokus im Wärmegeschäft für Privatkunden auf nachhaltige Wärmelösungen wie Wärmepumpen zu legen. Deshalb wurde der Vertrieb von Gasheizungen zur Miete zum 1. Juli 2023 aus dem Portfolio genommen und in der bisherigen Tochter WCG Wärme Contracting gebündelt.

Seitdem konzentriert sich EWE auf Privatkunden und kleinere Gewerbebetriebe mit Heizungsanlage unter 70 KW Leistung. Für diese bietet der Energieversorger die Installation und den Betrieb von erneuerbaren Energiesystemen wie Photovoltaikanlagen, Stromspeicher und Wärmepumpen an.

Der Verkauf erfolge im Rahmen der Fokussierung auf ausgewählte Wachstumsfelder, heißt es bei EWE. Der Oldenburger Versorger plant in den nächsten zehn Jahren Investitionen von rund 16 Milliarden Euro in die Transformation der eigenen Energieversorgung.

EnBW sucht Käufer für eigenen Contracting-Bereich

Der Karlsruher Energiekonzern EnBW will sogar rund 50 Milliarden Euro bis 2030 in den Umbau der Versorgung investieren. Das eigene Portfolio werde deshalb stetig auf Wirtschaftlichkeit und Übereinstimmung mit den strategischen Zielen geprüft, so eine EnBW-Sprecherin,

Auch der Verkauf der Contracting-Aktivitäten werde derzeit erwogen, heißt es weiter. Dieser Geschäftsbereich profitiere von langjährigen Kundenbeziehungen und verfüge über gute Wachstumschancen, gehöre jedoch nicht zum unmittelbaren Kerngeschäft der EnBW. Ziel sei eine nachhaltige, verantwortungsvolle Lösung für Kunden und Mitarbeitende. "Ein möglicher Käufer mit entsprechendem Fokus könnte helfen, die Potenziale des Contracting-Bereichs noch besser zu entfalten“, so die Sprecherin weiter.

Der Contracting-Markt in Deutschland befindet sich nach Einschätzung von EnBW in einer Konsolidierungsphase. Diese werde durch einen hohen Kapitalbedarf, steigende Wettbewerbsintensität und den Umbau der Wärmeversorgung angetrieben. Analysen zeigten, dass diese Entwicklung Teil einer breiteren Umstrukturierung in der Energie- und Infrastrukturbranche ist.

Der Contracting-Bestand von EnBW umfasst nach eigenen Angaben deutschlandweit knapp 220 Anlagen und Projekte. In dem Bereich arbeiten rund 150 Mitarbeitende. Der überwiegende Teil der Anlagen sei Kunden der Immobilienwirtschaft und Industrie zuzuordnen.

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