Nach Einschätzung der Energieberater besteht großer Nachholbedarf bei Dämmung, Fenstertausch und anderen Sanierungsmaßnahmen in Deutschland. Die Unzufriedenheit darüber in der Branche hat im Vergleich zum Vorjahr noch einmal deutlich zugenommen. Den Hauptgrund sehen die Befragten darin, dass die aktuellen Förderprogramme nicht ausreichend sind, heißt es in einer Pressmitteilung des Deutschen Energieberater Netzwerks (DEN).
Laut einer aktuellen Umfrage des Netzwerks sind mehr als 60 Prozent der Experten nicht zufrieden mit der Arbeit der Bundesregierung. Fast 70 Prozent kommen zu dem Schluss, dass die angestrebte Klimaneutralität bis 2045 nicht mehr erreicht werden kann.
Auch die derzeitige Wärmepumpen-Offensive wird von den Energieberatern kritisch gesehen. Mehr als die Hälfte der eingebauten Geräte funktioniere nicht wie vorgesehen, gaben die Befragten an. Dies liege einerseits daran, dass diese nicht fachgerecht ausgelegt worden seien, und andererseits daran, dass die Gebäudehüllen nicht ausreichend effizient wären.
"Die Wärmepumpe ist nicht das Allheilmittel"
"Mit der nochmalig kurzfristigen Umstrukturierung der Bundesförderung für energieeffiziente Gebäude (BEG) hat sich die Bundesregierung einen Bärendienst erwiesen. Immobilieneigentümern wird die Planungssicherheit genommen und es werden die falschen Anreize gesetzt“, erklärte Marita Klempnow, Vorständin des Deutsche Energieberater-Netzwerks. Die Unabhängigkeit von fossilen Energieträgern rücke mit dem derzeitigen Kurs in weite Ferne, denn die energetische Sanierung des Gebäudebestands werde wieder auf die lange Bank geschoben.
„Die unabhängigen Energieberater bestätigen: gerade bei der Gebäudehülle besteht ein großer Nachholbedarf. Die Politik muss endlich auf die Strategie der Verbrauchsreduzierung im Gebäude setzen. Die Experten bescheinigen, dass die Wärmepumpe nicht, wie allgemein behauptet, das Allheilmittel ist“, ergänzte Jan Peter Hinrichs, Geschäftsführer des Bundesverbands energieeffiziente Gebäudehülle. Die Wärmepumpe könne nur funktionieren, wenn eine taugliche Gebäudehülle vorhanden ist. „Wer das nicht beachtet, hat sich einen nimmersatten Stromfresser eingebaut“.
Wochenlange Wartezeiten für Energieberatungen in Berlin
Energieberater sind aktuell gefragter denn je, auch in Berlin. Doch deren Kapazitäten sind begrenzt und die Wartezeiten mitunter lang. «Wir haben momentan nur 25 Stromsparhelferinnen und Stromsparhelfer, statt 50 wie in besseren Zeiten», sagte Projektkoordinator Sven Schoß vom Stromspar-Check der Deutschen Presse-Agentur. Auch die Energieberater der Verbraucherzentrale Berlin sind derzeit besonders gut gebucht: Bis zum 31. Juli seien 37 Prozent mehr Beratungen durchgeführt worden als im gleichen Vorjahreszeitraum, sagt Stephan Tummuscheit, Leiter von «ZuHaus in Berlin», dem Klimaschutzprojekt der Verbraucherzentrale. Er spricht von wochenlangen Wartezeiten.
Sozialsenatorin Katja Kipping (Linke) will sich dafür stark machen, dass der Stromspar-Check wieder auf mehr Personal zurückgreifen kann. Ihren Angaben zufolge liegen den Jobcentern momentan Bewilligungen für 39 Stellen vor, die aber nicht alle besetzt sind. Sie will dazu in dieser Woche ein Gespräch mit Vertretern von Senat und Jobcentern führen. (hoe/dpa)



