Tübingen baut die Fernwärme massiv aus.

Tübingen baut die Fernwärme massiv aus.

Bild: © Stadtwerke Tübingen/Jaeger

Die Stadtwerke Tübingen treiben die Transformation ihres Fernwärmesystems mit Hochdruck voran. Immerhin fällt in den kommenden Jahren ein dreistelliger Millionenbetrag für die Tübinger Wärmewende an. Dafür haben die Stadtwerke jetzt einen wichtigen Meilenstein erreicht: Der Bund unterstützt den Bau einer Großwärmepumpe am Tübinger Klärwerk mit 23 Millionen Euro. Damit erhält eines der größten Einzelprojekte der Wärmewende in der Universitätsstadt den entscheidenden Auftrieb.

Die Technologie soll künftig große Mengen Abwasserwärme nutzbar machen. Mit ihr steigt in den kommenden Jahren der Anteil regenerativer Energie im Fernwärmenetz deutlich. Die 23 Millionen Euro stammen aus der Bundesförderung für effiziente Wärmenetze (BEW). Insgesamt rechnen die Stadtwerke mit Kosten von rund 50 Millionen Euro für die neue Großwärmepumpe.

Eines der größten Projekte seiner Art in Deutschland

Die Anlage in Tübingen wird Wärme aus dem gereinigten Abwasser gewinnen. Perspektivisch kann sie bis zu 95 Gigawattstunden pro Jahr bereitstellen. Nach Angaben aus Tübingen reicht das, um mehr als 11.500 Haushalte zu versorgen. Damit gehört das Projekt zu den größten kommunalen Abwasserwärmenutzungen in Deutschland und spielt eine Schlüsselrolle für Tübingens Ziel, bis 2030 klimaneutral zu werden.

Technisch basiert das Vorhaben auf großdimensionierten Wärmetauschern am Ablauf der Kläranlage in Tübingen-Lustnau. Über Wärmepumpen und Wärmespeicher soll die Abwärme schrittweise nutzbar gemacht werden. Die Großwärmepumpe wird in zwei Etappen realisiert. In der ersten Ausbaustufe sind 12 MW, im Endausbau dann 15 MW geplant. Die für den Betrieb notwendige elektrische Energie soll überwiegend aus regionalen Wind- und Solarparks stammen, wodurch die Anlage in das Gesamtbild einer sektorgekoppelten, erneuerbaren Energieversorgung eingebettet ist.

Die Großwärmepumpe ist zentraler Baustein einer langfristig angelegten Strategie der Stadtwerke. Die Pläne umfassen sowohl den Ausbau neuer Erzeugungsanlagen als auch die Modernisierung und Erweiterung des Leitungsnetzes. Noch in diesem Jahr wollen die Stadtwerke weitere Planungsstufen einläuten, darunter Ausschreibungen und vertiefte technische Ausarbeitungen.

Für 2028 ist der Spatenstich vorgesehen

Aber wie viele Anbieter gibt es überhaupt am Markt, die solch große Wärmepumpen bauen? Die Stadtwerke haben den Markt erkundet; sie gehen von fünf Herstellern aus, die sich an einer solchen Ausschreibung beteiligen könnten. Der Spatenstich ist für 2028 vorgesehen, die erste Ausbaustufe soll 2030 ans Netz gehen. Für die Realisierung der zweiten Ausbaustufe gibt es noch keinen festen Termin.

Parallel dazu schaffen die Stadtwerke kurzfristige Kapazitäten: Im Gebiet Mühlbachäcker entsteht ein neues Spitzenlast-Heizwerk mit 20 Megawatt Leistung. Es soll in den kommenden Jahren Versorgungssicherheit gewährleisten und gleichzeitig ältere Heizanlagen im Stadtgebiet ersetzen. Sobald die Großwärmepumpe in Betrieb ist, wird das Heizwerk aber nur noch in Zeiten hoher Lasten als Reserve genutzt. Damit gewinnen die Stadtwerke schon kurzfristig zusätzliche Flexibilität beim Anschluss neuer Kunden und beim Ausbau der Fernwärme.

Auch in den vergangenen zwei Jahren haben die Stadtwerke wichtige Etappen umgesetzt. Mit dem 2025 ans Netz gegangenen Solarthermiepark Au speist bereits eine weitere erneuerbare Anlage Wärme in das System ein. Zudem wurden zentrale Leitungsachsen weiterentwickelt, insbesondere durch groß dimensionierte Trassen, die den späteren Flächenausbau ermöglichen.

Eine technisch anspruchsvolle Schlüsselmaßnahme war 2024 der Bau des Neckardükers, bei dem eine Fernwärmeleitung unter dem Neckar verlegt wurde. Dieses Verbindungsstück schafft neue Möglichkeiten für den Ausbau im Gewerbegebiet "Unterer Wert" sowie in Richtung Lustnau und Österberg und gilt als wichtiger Bestandteil des zukünftigen Gesamtsystems.

Lesen Sie weiter mit Ihrem ZFK-Abonnement

Erhalten Sie uneingeschränkten Zugang zu allen Inhalten der ZFK!

✓ Vollzugriff auf alle ZFK-Artikel und das digitale ePaper
✓ Exklusive Analysen, Hintergründe und Interviews aus der Branche
✓ Tägliche Branchen-Briefings mit den wichtigsten Entwicklungen

Ihr Abonnement auswählen

Haben Sie Fehler entdeckt? Wollen Sie uns Ihre Meinung mitteilen? Dann kontaktieren Sie unsere Redaktion gerne unter redaktion@zfk.de.

Home
E-Paper