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Die kommunale Wärmeplanung nimmt in Deutschland immer stärker Fahrt auf. Und mit ihr entsteht mittlerweile ein immer klareres Bild, wie Städte und Gemeinden bis 2045 aus fossilen Energien aussteigen wollen. Eine aktuelle Studie mit Datensätzen aus 113 ausgewerteten Wärmeplänen für 223 Kommunen zeigt, welche Pfade Kommunen tatsächlich planen – und wo Konflikte und Unsicherheiten liegen.

Das Projekt "KOMPare" von Fraunhofer ISE und Öko-Institut zeigt deutlich: Der Wärmesektor steht vor einem tiefgreifenden Strukturwandel, der über den bloßen Austausch von Heiztechniken weit hinausgeht. Im Ist-Zustand dominieren noch Erdgas und Heizöl mit zusammen rund drei Vierteln des Endenergiebedarfs. Das heißt aber auch: Wärmepumpen und andere Technologien spielen derzeit noch eine Nebenrolle. Bis 2045 planen die Kommunen jedoch einen vollständigen Ausstieg aus fossilen Energieträgern.

Wasserstoff und Solarthermie bleiben in der Nische

Zwei Säulen tragen diesen Umbau: Wärmepumpen und leitungsgebundene Wärmeversorgung, also Fern- oder Nahwärme. In den Zielbildern für 2045 decken Wärmepumpen im Mittel rund 38 Prozent des Endenergiebedarfs Wärme. Nah- und Fernwärmenetze kommen auf etwa 40 Prozent. Biogene Energieträger wachsen im gleichen Zeitraum von derzeit niedrigen einstelligen Anteilen auf knapp zehn Prozent, bleiben aber klar hinter Wärmenetzen und Wärmepumpen zurück. Wasserstoff und Solarthermie werden nur in einzelnen Fällen in relevanter Größenordnung eingeplant und übernehmen insgesamt eher ergänzende Funktionen.

Die Transformationspfade unterscheiden sich allerdings deutlich nach Kommunengröße. Großstädte mit über 100.000 Einwohnerinnen und Einwohnern planen besonders stark mit Wärmenetzen: Dort stellt die leitungsgebundene Versorgung im Jahr 2045 im Mittel rund die Hälfte der Wärmebereitstellung, während Wärmepumpen auf etwa 36 Prozent kommen. Kleinere Kommunen unter 10.000 Einwohnerinnen und Einwohnern setzen dagegen stärker auf dezentrale Lösungen – mit Wärmepumpenanteilen von rund 47 Prozent und einem überdurchschnittlichen Beitrag biogener Energieträger von etwa 28 Prozent. Der Anteil von Wärmenetzen bleibt hier deutlich niedriger, was sich mit der geringeren Wärmedichte und fehlenden Netzinfrastrukturen erklären lässt.

Bemerkenswert ist, wie schnell die leitungsgebundene Wärmeversorgung ausgebaut werden soll. Bereits heute nutzen 61 Prozent der ausgewerteten Kommunen Wärmenetze. Bis 2030 soll dieser Anteil auf 78 Prozent steigen, bis 2035 auf 88 Prozent. Gleichzeitig wächst der Anteil der leitungsgebundenen Wärme an der lokalen Wärmenachfrage in diesen Kommunen von derzeit rund 18 auf etwa 35 Prozent im Jahr 2035 und 42 Prozent im Jahr 2045. In Metropolen mit mehr als 200.000 Einwohnerinnen und Einwohnern planen die Kommunen in ihren Zielbildern mit Netzanteilen zwischen 47 und 82 Prozent. Wärmenetze werden dort zur tragenden Infrastruktur der Wärmewende.

Ein Blick in elf große Städte verdeutlicht, wie unterschiedlich der künftige Erzeugungsmix ausfallen kann. Einige Städte planen Wärmenetze, die zu 75 bis 85 Prozent aus Großwärmepumpen gespeist werden, andere setzen zu 76 bis 84 Prozent auf Geothermie oder zu 80 Prozent auf biogene Energieträger. In weiteren Fällen entsteht ein diversifiziertes Portfolio mit signifikanten Anteilen von Abwärme, Wasserstoff oder Solarthermie. Aggregiert über alle elf Städte dominieren Wärmepumpen mit etwa 39 Prozent am Erzeugungsmix, gefolgt von biogenen Energieträgern mit 21 Prozent und Abwärme mit 15 Prozent. Wasserstoff, Geothermie und Solarthermie ergänzen den Mix mit kleineren Anteilen.

Wasserstoff bleibt in der Summe ein Nischenthema, spielt aber in einzelnen Kommunen eine zentrale Rolle. Nur wenige Gemeinden planen für 2045 Wasserstoffanteile von über zehn Prozent am Endenergiebedarf Wärme. Aber wenn sie es tun, dann allerdings mit hohen Anteilen von 34 bis 56  Prozent. Die qualitative Sichtung zeigt, dass Wasserstoff dort vor allem für industrielle Prozesswärme und punktuell für Wärmenetze vorgesehen ist.

Knackpunkt biogene Energieträger

Ein kritischer Punkt der Wärmeplanungen ist der Umgang mit biogenen Energieträgern. Die Kommunen weisen zusammen ein Potenzial von rund 2,7 Terawattstunden (TWh) pro Jahr aus, im Bestand werden davon bereits etwa 76 Prozent genutzt. In den Zielszenarien steigt der Verbrauch jedoch deutlich schneller als das lokal verfügbare Potenzial: Bereits 2030 wird dieses im Mittel um zwölf Prozent überschritten, bis 2045 beträgt die Differenz 1,3 TWh – rund 47 Prozent über dem ausgewiesenen Potenzial. Drei Viertel der Kommunen planen für 2045 Verbräuche, die über dem eigenen Potenzial liegen. Das deutet auf zukünftigen Importbedarf und mögliche Ressourcenkonflikte hin.

Ähnlich ambitioniert sind die Annahmen zur Gebäudesanierung. 79 Prozent der ausgewerteten Wärmepläne enthalten explizite Sanierungsraten, die zwischen 0,6 und 4 Prozent pro Jahr liegen. Der Mittelwert beträgt 1,3 Prozent, der einwohnergewichtete Mittelwert 1,7 Prozent. In gut der Hälfte der Kommunen liegen die angesetzten Raten damit über dem historisch beobachteten Wert von etwa einem Prozent pro Jahr. Da die geplante Reduktion des Endenergiebedarfs Wärme maßgeblich von diesen Steigerungen abhängt, stellt sich die Frage, wie robust die Zielbilder sind, wenn die Sanierung in der Praxis langsamer vorankommt.

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