Weltweit gehen rund vier Prozent des Stromverbrauchs laut Angaben der Internationalen Energieagentur (IEA) auf das Konto des Wassersektors. Und wenn die über zwei bzw. sechs Milliarden Menschen, die bisher noch keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser bzw. sanitären Einrichtungen haben, künftig besser mit Wasser versorgt werden, wird ein weiterer starker Anstieg des Stromverbrauchs prognostiziert.
Dass eine Entkopplung der Abwasserreinigung und Trinkwasserversorgung vom Energieverbrauch funktionieren kann, macht Aarhus vor. In einem mehrjährigen Prozess arbeitete Aarhus Water seit 2010 daran, die Energieeffizienz der Anlagen und Prozesse zu optimieren und die Energieerzeugung der städtischen Kläranlage in Marselisborg aus Methangas aus der aeroben Schlammfaulung per Kraft-Wärme-Kopplung zu steigern.
Energieüberschuss von 134 Prozent
So wurden beispielsweise an nahezu allen rotierenden Geräten der Abwasseraufbereitungsanlage Frequenzumrichter installiert, einschließlich Gebläse, Pumpen, Mixer und Entwässerungspumpen. Auf diese Weise kann die Anlage auf Lastschwankungen mit maximaler Flexibilität reagieren. Dadurch und durch deutlich stärkeren Einsatz von Online-Sensoren sowie einer intelligenten Prozessregelung gelang es, die Strom- und Wärmeerzeugung der Anlage von 6,5 Mio. kWh im Jahr 2014 auf 7,4 Mio. kWh im Jahr 2016 zu steigern.
Dies sind 134 Prozent mehr Energie als zur Abwasseraufarbeitung nötig ist. Der überschüssige Strom wird nun dazu genutzt, die Pumpen der Trinkwasserversorgung für rund 200.000 Menschen zu betreiben, die überschüssige Wärme (ca. 2,5 GWh/Jahr) wird für die städtische Fernwärmeversorgung genutzt.
Investitionen rechnen sich
Leitungsverluste bei der Trinkwasserversorgung konnten zudem durch ein intelligentes Druckmanagement der Pumpen und Leitungen um 6 Prozent reduziert werden, berichtet Mads Warming, Direktor Wasser, Abwasser und Pumpen bei Danfoss, einem Projektpartner von Aarhus Water. Durch die diversen Optimierungen konnte der Wasserpreis für Verbraucher im Jahr 2016 um 9 Prozent gesenkt werden. Nach Angaben von Warming amortisierten sich Investitionen in Marselisborg innerhalb von weniger als 5 Jahren. (hcn)



